Seligenstädter Parlament hat ein Auge auf den Hopper

„Kostendämpfende Maßnahmen“

Das Pilotprojekt Hopper hat sich etabliert. Die CDU/FDP-Koalition will aber die Kosten im Auge behalten.
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Das Pilotprojekt Hopper hat sich etabliert. Die CDU/FDP-Koalition will aber die Kosten im Auge behalten.

Das Erfolgsmodell Hopper, mit einer Flotte von sechs Fahrzeugen im 20-Stunden-Betrieb im Juni 2019 in Seligenstadt gestartet, stößt auf Zustimmung in der Bevölkerung, und auch die Politik steht dem zum Prestigeprojekt der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) gewordenen On-Demand-Ersatz für das Anruf-Sammeltaxi (AST) und seiner nun geplanten Ausweitung wohlwollend gegenüber.

Seligenstadt - Allein die Kostensituation der weißen Mercedes-Benz-Vitos („extra lang“) mit grünen und blauen Einsprengseln rückt so manchen etwas nervös gewordenen Fuß in Richtung Bremspedal. Das verdeutlicht ein Änderungsantrag, den die neue Seligenstädter CDU/FDP-Koalition in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend gegen das Votum von SPD, Grünen und Linken bei Enthaltung der FWS verabschiedete.

Demnach werden Magistrat und Erster Stadtrat Michael Gerheim (SPD) als Vertreter der Stadt im kvgOF-Aufsichtsrat „beauftragt, bei allen weiteren Verhandlungen zur Ausgestaltung des Hoppers im Kreisgebiet auf kostendämpfende Maßnahmen zu drängen, um das Angebot des Hoppers dauerhaft finanzierbar zu halten.“

Einstimmig befürwortete die Stadtverordnetenversammlung anschließend den Magistratsantrag „Fortführung und Finanzierung Hopper“ und nahm damit das Umsetzungskonzept 2021 bis 2024 für den kreisweiten kvgOF-Hopper-Einsatz in seinen wesentlichen Aspekten zur Kenntnis. Damit nimmt das Plenum auch den Finanzierungsschlüssel und den aus der Hopper-Beteiligung resultierenden Seligenstädter Halbjahresbetrag von knapp 130 000 Euro bis Ende 2022 sowie von etwa 65 000 Euro pro Halbjahr bis Ende 2023 an und begrüßt die vollständige Hopper-Finanzierung über die kvgOF ab dem Jahr 2024. Die Stadt, die damit ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Fortführung des Hoppers bekundet, kritisiert allerdings die im Tarifmodell fixierte Bedienung in den Schwachverkehrszeiten, in der die Bürger aus Mainhausen und Klein-Welzheim „mangels Angebot im Busverkehr bereits heute alternativlos auf den Hopper angewiesen sind.“

In der Parlamentsdiskussion betonten CDU und FDP ihre Sympathie für den Hopper. Schließlich, so CDU-Politiker Thomas Lortz, sei damit eine erhebliche Verbesserung verbunden. „Attraktiver kann der ÖPNV gar nicht werden. Aber wir müssen auch nach den Kosten fragen. Unser Antrag soll zur Sensibilisierung der Bevölkerung beitragen, denn am Schluss müssen alle das bezahlen.“ Es gehe, so sein CDU-Fraktionschef Oliver Steidl, „um ein politisches Signal, wie wir den Hopper haben wollen.“

Aus den kvgOF-Unterlagen gehe hervor, ergänzte FDP-Fraktionsvorsitzende Susanne Schäfer, dass der Hopper „einen Deckungsgrad zwischen zehn und 15 Prozent“ habe, das von ihm ersetzte AST jedoch früher 25 bis 30 Prozent. Zwar erhalte das Hopper-Projekt 3,6 Millionen Euro Fördergelder bis 2024, „aber wir wollen keinen Blankoscheck ausstellen.“

Für SPD-Politiker Reiner Stoll ist der Koalitions-Antrag überflüssig, schließlich seien Magistrat und Verwaltung per se über die HGO zu wirtschaftlichem und sparsamem Handeln verpflichtet. Zudem zögen sich die Begriffe Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung wie ein roter Faden durch den kvgOF-Umsetzungsplan. Man könne der kvgOF nicht vorwerfen, dass sie mit geschlossenen Augen vorgehe. Und schließlich solle sich der Deckungsbeitrag bis 2027 verdreifachen.

Als kvgOF-Aufsichtsratsmitglied kommentierte Erster Stadtrat Gerheim den CDU/FDP-Auftrag so: „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ob der Antrag notwendig ist, sei dahingestellt.“ Auch der Magistrat dränge schließlich auf entsprechende Maßnahmen.

Die Gemeinde Mainhausen soll, wie berichtet, nach dem Finanzierungsschlüssel zunächst rund 115 000 Euro bis Ende 2022 und 57 000 Euro für das darauffolgende Jahr veranschlagen. „Durch das Konzept der Umlagefinanzierung müssen wir mit einer entsprechend höheren Kreisumlage rechnen“, so SPD-Fraktionschef Torsten Reuter. Für Hainburg wurden 172 500 Euro bis Ende 2022 und anschließend rund 85 000 Euro errechnet.

Von Michael Hofmann

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