Keramik, Schmuck, Waffen, Münzen

Umfangreiche Sammlung: Seligenstädter Regio-Museum zeigt Funde des fränkischen Gräberfelds in Klein-Welzheim

Präsentierten die Fundstücke (v.l): Landrat Oliver Quilling, Dr. Norbert Gassel (Museumsförderverein), Kreisarchäologin Gesine Werber, Margret Schöneich (Museumsförderverein) und Museumsleiterin Dr. Angela Beike.
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Präsentierten die Fundstücke (v.l): Landrat Oliver Quilling, Dr. Norbert Gassel (Museumsförderverein), Kreisarchäologin Gesine Werber, Margret Schöneich (Museumsförderverein) und Museumsleiterin Dr. Angela Beike.

An einer Kiesgrube am südlichen Ortsrand von Klein-Welzheim wurden 1925 erstmals fränkische Reihengräber entdeckt. Weitere acht Gräber im Jahr 1971 bei Baggerarbeiten für einen Kanalisationsgraben, darunter ein Reitergrab mit Pferdeskelett.

Klein-Welzheim – Sechs Jahre später wurde bei der Erschließung des Neubaugebietes mit Grabungen begonnen. Ein ganzer Friedhof kam ans Licht. Die umfangreiche Sammlung der Funde aus dem Fränkischen Gräberfeld werden erstmals im Regio-Museum des Kreises Offenbach gezeigt. Landrat Oliver Quilling hat die Ausstellung mit Fundstücken jetzt eröffnet.

Zu sehen sind viele Grabbeigaben sowie Keramik, Eimerbeschläge, Schmuck, Waffen und Münzen, die Fachleute des Landesamtes für Denkmalpflege in Wiesbaden aufbereitet und restauriert haben. „Die Funde waren bisher im Depot des Regio-Museum gelagert. Es ist erstaunlich, welche Schmuckstücke, wie bei Frauen etwa Perlenketten und Ohrringe oder bei Männern Schwerter, Pfeile und Lanzen, den Verstorbenen damals ins Grab mitgegeben wurden“, sagte Landrat Oliver Quilling. Hinter den Glasscheiben der neu bestückten Vitrinen des Museums liegen auch die eisernen Buckel von hölzernen Schilden und deren Griffe sowie Geldstücke, Metallbeschläge und Keramiken.

Das Team des Regio-Museums hat die pandemiebedingten Einschränkungen bei den Öffnungszeiten genutzt, um die Funde für die Ausstellung zu sichten und vorzubereiten.

Krug aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert.

Mit viel Engagement haben Kreisarchäologin Gesine Weber und Museumsleiterin Dr. Angela Beike die Exponate zusammengestellt und begleitende Texte dazu verfasst. Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Junger Kultursommer“ sollen die Ausstellungsstücke auch Kindern und Jugendlichen präsentiert werden. Viele Funde kamen im Jahr 1985 bei einer halbjährigen Grabungskampagne ans Tageslicht, als bei Klein-Welzheim ein Neubaugebiet erschlossen wurde. Seinerzeit wurde unter der Regie von Kreisarchäologin Gesine Weber ein ganzes Feld mit rund 120 Gräbern freigelegt. Außerdem fanden die Fachleute zwei Pferdebestattungen. Mit Blick auf die Beigaben werden die Gräber in das fünfte und sechste Jahrhundert eingeordnet. Die Endung -heim für Klein-Welzheim weist auf eine fränkische Gründung des Ortes hin. 772 wird der Ort im Lorscher Codex als Walinesheim erstmals erwähnt. Walines wird als Eigenname gedeutet.

„All die wertvollen Gegenstände der Zeitgeschichte müssen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, denn sie werfen ein Schlaglicht in die Zeit vor rund 1 500 Jahren und sind Zeugen von frühen Ansiedlungen im Osten des heutigen Kreises Offenbach. Das fränkische Gräberfeld gehörte damals wahrscheinlich zu einem Gehöft“, meint Landrat Oliver Quilling. Geöffnet ist das Regio-Museum im Klosterhof 2 in Seligenstadt an Wochenenden von 11 bis 17 Uhr. (mho)

Weitere Informationen über Museum und Ausstellung auf der Homepage: kreis-offenbach.de/RegioMuseum

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