Seligenstädter Spieletage

Spaßfaktor und Haltbarkeit

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Ob Familien, Freundeskreise oder Spontan-Runden – in „S(pi)eligenstadt“ war am Wochenende für alle Platz. Hier wird mit „Seven Wonders“ eines von über 700 Spielen ausprobiert.

Seligenstadt -  Deutscher Puzzle-Meister wird „S(pi)eligenstadt“ dieses Jahr wohl nicht: Trotz guter Teamleistung reichte es am Freitagabend nur für Platz zwei, zahlreiche Wettbewerber folgen noch.

Ansonsten aber haben die siebten Seligenstädter Spieletage die Erwartungen ihrer Ausrichter mehr als erfüllt, ein Besucherrekord scheint möglich. Schon bis zum frühen Freitagabend hatten Claus Ost, als evangelischer Gemeindepädagoge quasi Gastgeber, und Spieletage-Initiator Steffen Wallraff rund 1300 Besucher gezählt – rund halb so viele, wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre über vier Tage den Weg ins Gemeindezentrum an der Jahnstraße fanden. Dabei läuft der Auftakt am Donnerstag und Freitag nach den Erfahrungen beider gewöhnlich eher schleppend. Nicht so in diesem Jahr, was laut Ost vor allem am Zuspruch von Kita-Gruppen und Schulklassen lag: Jeweils rund 400 Kinder vergnügten sich an beiden Vormittagen im Spielparadies.

Gerade den Kleinen beschert „S(pi)eligenstadt“ nach Worten des Gemeindepädagogen manch lehrreiches Aha-Erlebnis: Gern stürzen sich die Kinder bei der Auswahl am Ausgabetresen mit seinen mehr als 700 unterschiedlichen Angeboten auf alles, was sie aus der Fernsehwerbung kennen, was mit spektakulären Kunststoffbauten oder vielen beweglichen Teilen lockt. Immer wieder beobachten Ost und seine Mitarbeiter aus dem rund 30-köpfigen Helferteam, dass solche aufwendigen Installationen alsbald ihren Reiz verlieren: „Sie werden zur Seite gelegt, man spielt lieber etwas anderes.“

Wie lange ein Spiel Kinder zu faszinieren vermag, ist für Steffen Wallraff ein Qualitätsmerkmal. Was ein „gutes Spiel“ ist, beurteilt der langjährig erfahrene Spieletage-Regisseur, passionierte Sammler und Experte ansonsten nach Spaßfaktor und Haltbarkeit. Längst Klassiker sind nach diesen Maßstäben etwa „Wizard“, „Dominion“ und „Siedler von Catan“, für die es bei den Seligenstädter Spieletagen auch diesmal Qualifikationsturniere zur deutschen Meisterschaft gab. Auch das Familienspiel „Icecool“ konnten Hobby- und Spontanzocker im Gemeindezentrum wettkampfmäßig spielen.

Daneben war abends und an den Nachmittagen, wenn vor allem Familien und Freundeskreise den Weg nach „S(pi)eligenstadt“ fanden, auch Altbewährtes gefragt. Die Schachfreunde etwa hatten wieder einen eigenen Raum im ersten Stock belegt und verzeichneten bei ihren Blitzschach-Partien am Samstag- und Sonntagnachmittag regen Zuspruch. Bei der erstmals eingeschobenen Seniorenrunde am sonst eher lauen Donnerstagnachmittag wurde mit Vorliebe Mensch-ärgere-dich-nicht, Rummikub und Monopoly gespielt. Weiter im Kommen sind nach Wallraffs Beobachtungen Strategiespiele für die größere Runde und, Trend seit rund einem Jahr, die sogenannten Kooperationsspiele: „Man spielt nicht gegeneinander, sondern zusammen gegen die Uhr, einen imaginären Gegner oder auf ein gemeinsames Ziel hin.“ Aktuell beliebt seien besonders „Exit Rooms“ oder Spiele, bei denen die Runde gemeinsam Rätsel löst.

Tasten, schubsen, zaubern: Gesellschaftsspiele für Familien

Teamarbeit war auch beim dritten Anlauf zur deutschen Puzzle-Meisterschaft am Freitag gefragt. Allein 70 Mitspieler hatten sich bei Claus Ost schon vorab gemeldet, um insgesamt 66 Puzzles in möglichst kurzer Zeit zu schaffen. 50 Minuten hatte die Mannschaft bei der Premiere 2016 gebraucht, 35 Minuten im vergangenen Jahr. Diesmal wurde mit 44,57 Minuten ein Mittelwert gestoppt – fast drei Minuten mehr als die Konkurrenz im sächsischen Pirna, damit aktuell Platz zwei. Daran kann sich laut Steffen Wallraff noch viel ändern, denn bundesweit beginnt der Wettkampf gerade erst. Dass sich die Seligenstädter Ambitionen herum gesprochen haben und in der Region Widerhall finden, zeigt für Wallraff und Ost, dass sich auch Mitpuzzler aus Frankfurt angesagt hatten.

Überhaupt entwickelt „S(pi)eligenstadt“ zunehmend republikweite Anziehungskraft: Unter den Helfern, meist ehrenamtliche Spielerklärer und Vertreter von Spiele-Verlagen, hatte sich eine aus Niederbayern angereiste Mitarbeiterin eingereiht, Turnierteilnehmer kamen unter anderem aus Nordrhein-Westfalen und dem Raum Koblenz an den Main. (zrk)

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