Jan-Niklas Malsy stellt sich in den Dienst der Kirche

Seligenstädter will Priester werden

Der Seligenstädter Jan-Niklas Malsy
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Will Priester werden: Der Seligenstädter Jan-Niklas Malsy ist seit kurzem in Freiburg.

Seit Oktober lebt der Seligenstädter Jan-Niklas Malsy als Priesteranwärter in Freiburg – für sechs Monate. Dann zieht er um nach Mainz, geht dort ins Priesterseminar. Der Berufswunsch schlummert schon länger in ihm.

Seligenstadt - „Ich bin durch die Kinderkirche St. Marien Seligenstadt geprägt worden und bin 2010 dort zur Kommunion gegangen“, erinnert sich der 21-jährige Jan-Niklas Malsy aus Seligenstadt. „Danach hatte ich keinen Kontakt mehr zur Kirche. Ich war einer von vielen ‘U-Boot-Christen’ und bin nur an Ostern und Weihnachten in der Kirche aufgetaucht, das reicht ja, um die wesentliche Botschaft des Glaubens mitzubekommen“, sagt er.

2015 bekam er die Einladung zur Firmung, ging in den Firmunterricht und auf Kennenlernfahrt ins Jugendzentrum Ilbenstadt, dem Schulungszentrum des Bistums Mainz. „Beim Abschlussgottesdienst hat es irgendwie Klick gemacht, ich bekam den Impuls, Messdiener zu werden.“ In den Jahren darauf freundete sich Jan-Niklas Malsy mit dem Gedanken an, Priester werden zu wollen. Bereits 2016 gab er in der Pfarrei St. Marcellinus und Petrus sein Wissen an jüngere Messdiener weiter, ab 2017 war er für Messdienerplan und Liturgie zuständig. „Ich habe das Wissen über Messdienerabläufe und Kirche wie ein Schwamm aufgesaugt“, sagt er. Am 20. April 2019 wurde er in der Osternacht als Obermessdiener eingeführt – bis Ende September dieses Jahres war er für die 53 Ministranten der Pfarrei verantwortlich.

Feuerwehr und Rettungsdienst auch Optionen für Seligenstädter

Sein Leben im Ministrantendienst ließ bei dem wortgewandten jungen Mann stetig den Gedanken wachsen, das Priesteramt könne für ihn beruflich interessant sein. Doch ein weiterer Berufswunsch schlummert in ihm: Der in der Seligenstädter Wehr im Rang des Hauptfeuerwehrmanns engagierte Katholik fühlt sich auch zum „Blaulicht“ hingezogen. Berufsfeuerwehr und Rettungsdienst sind für ihn interessante Optionen. „Mein Herz schlägt auch für die Feuerwehr. Ich bin nicht nur der Betende, sondern renne auch mit der Atemschutzmaske ins brennende Haus hinein“, sagt Malsy, der 2010 in der Seligenstädter Jugendfeuerwehr begann.

Jetzt konzentriert er sich aber erst mal auf das Priesterseminar in Mainz. Dort möchte er sich allerdings auch eine Freiwillige Feuerwehr suchen und bei Besuchen in der Heimat dann bei „seiner Wehr“ engagieren.

Jan-Niklas Malsy holt das Fachabi nach, um Priester werden zu können

Doch um Priester werden zu können, brauchte Jan-Niklas Malsy, der 2018 an der Hanauer Paul-Gerhardt-Schule den Realschulabschluss ablegte, mindestens das Fachabitur. Das legte er im Mai 2021 nach einer zweijährigen dualen Ausbildung zum Sozialassistenten, einer Vorstufe zum Erzieher, an der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule ab.

„Ende 2017 habe ich an einem Info-Wochenende ‘Priesterseminar für junge Männer’ teilgenommen und die Räumlichkeiten im Mainzer Priesterseminar kennenlernen dürfen“, sagt er. Daran erinnerte er sich auf dem Weg zu den Fachabi-Abschlussprüfungen in den „Angstfächern“ Mathe und Englisch. „Ich habe zu Gott gesagt, bitte bring mich erfolgreich durch’s Fachabi, dann geh ich diesen Weg. Das Zünglein an der Waage war er, er hat mir viel Kraft gegeben“, ist Malsy überzeugt.

Anfang Juni hatte er in Mainz ein Gespräch mit Ausbildungsleiter Regenz Tonke Dennebaum. „Anfang September habe ich dann erfahren, dass ich im Priesterseminar aufgenommen werde.“ Mit 30 jungen Leuten – darunter auch angehende Gemeindereferenten – hat er zum Start in den neuen Lebensabschnitt mehrere Tage in Berlin verbracht.

Erste Station für 21-jährigen Jan-Niklas Malsy ist in Freiburg

Nun ist er in Freiburg, macht dort bis Ostern sein Propädeutikum als Vorbereitung und Einführung in das spirituelle und geistige Leben in Mainz. In den ersten sechs Monaten werden, so Malsy, ein Sozialpraktikum sowie Schweigeexerzitien („stiller unterwegs sein“) im Kloster auf ihn warten. „Um sich weiter zu prüfen“, so Malsy. Auch der Besuch wichtiger christlicher Orte in Israel und einer Bibelschule im Heiligen Land stehen bis Ostern auf dem Plan. Danach geht’s ins Priesterseminar nach Mainz.

„Der Glaube hat mich schon immer begleitet. Nach der Kommunion war bei mir erst mal Flaute, mit der Firmung habe ich dann die Chance beim Schopf gepackt“, erzählt der 21-Jährige rückblickend. „Der Glaube an Gott ist das, was mich anzieht“, sagt Malsy, der drei jüngere Geschwister hat.

Seine Familie unterstützt den jungen Mann aus Seligenstadt

„Wenn Du damit glücklich bist, dann geh erst mal diesen Weg“, habe seine Mutter zu seinem Berufswunsch gesagt. „Sie steht hinter mir und unterstützt mich.“ Den Umzug nach Freiburg hat er mit Oma und Opa hinter sich gebracht. „Auch mein Vater findet meinen Berufsweg gut. Dies sei besser als andere, die herumlungern und nicht wissen, was man beruflich machen will“, sagt er.

„Die Kirche, der Glaube und Gott haben mich angezogen. Das Priesterseminar ist für mich Berufung und ich möchte prüfen, ob ich einen pastoralen Beruf ergreifen möchte. Es ist ein wachsender Prozess, mal schauen, wie sich alles entwickelt“, sagt Jan-Niklas Malsy. Er kann sich aber auch gut vorstellen, als Notfallseelsorger zu arbeiten. Damit könnte er Kirche und „Blaulicht“ unter einen Hut bekommen.

Nach dem Priesterseminar stehen viele Möglichkeiten für Malsy offen

Nach absolviertem Priesterseminar in Mainz könnte er dann drei Jahre praktische Theologie an der Katholischen Hochschule Mainz bis zum Bachelor-Titel studieren, danach weiter den Studiengang Pastoral-Theologie an der Gutenberg-Uni Mainz bis zum Master-Titel.

Neben dem Priesterberuf stünden ihm auch Berufswege wie Religion im Lehramt oder Pastoralreferent offen, weiß Malsy. „Im Priesterseminar möchte ich erforschen, ob ich zum pastoralen Beruf mit Endziel Priester berufen bin. Ich möchte mich prüfen und schauen, ob das der richtige Weg für mich ist, schließlich ist es ja eine Entscheidung fürs Leben.“ Er weiß aber auch, dass erst mit der Diakonweihe das Versprechen der Ehelosigkeit und der Gehorsamkeit dem Bischof gegenüber verbunden ist. (Von Holger Hackendahl)

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