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Kreis Offenbach: Zoo Rückert macht dicht – „In einem Kellerraum hat alles begonnen“

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Bunte Kanarienvögel aus der Zucht von Erich Rückert.
Bunte Kanarienvögel aus der Zucht von Erich Rückert. © Hackendahl

Seit 1964 gibt es das Zoofachgeschäft von Erich Rückert in Seligenstadt (Kreis Offenbach). Nun kündigt der 82-Jährige die Schließung des beliebten Familienbetriebs an.

Seligenstadt – In seinen 57 Berufsjahren hat Erich Rückert viel erlebt. Und noch mehr gezüchtet – Wellensittiche, Kanarienvögel, Kaninchen, Dackel, Papageien, Schneeeulen, Aquarienfische – die Liste der Tiere ließe sich beliebig fortführen. Zum 31. Dezember verabschiedet sich das Ehepaar Rückert in den Ruhestand und schließt seinen Familienbetrieb.

Wegen der Geschäftsaufgabe hat im überregional bekannten Tierfachgeschäft in der Steinheimer Straße 97 in Seligenstadt der Räumungsverkauf bereits begonnen. „Ich war 68 Jahre berufstätig, mit 82 Jahren reicht’s nun“, sagt Erich Rückert. „1964 in einem kleinen Kellerraum im Kortenbacherweg hat alles begonnen“, erinnert sich der Seniorchef des Familienbetriebs. Angefangen hatte er mit der Zucht von Ziervögeln und Papageien sowie dem Verkauf der dazugehörigen Futtermittel.

Zoo Rückert in Seligenstadt (Kreis Offenbach): Zuchtanlage mit 800 Aquarien

Unzählige Kanarienvögel, Wellensittiche, exotische Prachtfinken und Papageien wurden seither in seinen Volieren geboren und von ihm und seiner Familie mit viel Hingabe großgezogen. „Ich hatte ein großes Vogelhaus und 20 Außenvolieren. Handwerklich habe ich sehr viel selbst machen können“, erzählt der 82-jährige. In den großen Geschäftsräumen fand der gelernte Werkzeugmacher immer etwas Neues, um seine Ideen handwerklich umzusetzen.

1971 verlegte der Betrieb den Geschäftssitz auf das damals erworbene Grundstück in die Steinheimer Straße, wo die Familie, angegliedert an die neuen Geschäftsräume, auch ihr Wohnhaus im Grünen mit Blick auf den Main bezog. Die dort Anfang der 1970er Jahre erbauten Räume wurden immer wieder erweitert. Sie erstrecken sich vom Verkaufsgeschäft, einem Tierhaus und den Außenvolieren bis zum Tiefgeschoss, wo Rückert in einer Zuchtanlage mit 800 Aquarien tropische Zierfische züchtete. Viele der Aquarien sind im Zuge der Geschäftsschließung bereits abgebaut.

Abschied vom Familienbetrieb: Erich Rückert, Ehefrau Gertrud und Tochter Martina Pachali – und eine sichtlich verdutzte Schneeeule.
Abschied vom Familienbetrieb: Erich Rückert, Ehefrau Gertrud und Tochter Martina Pachali. © Hackendahl

Zoo Rückert in Seligenstadt (Kreis Offenbach): Ohne Hilfe der Familie wäre er nicht so erfolgreich gewesen

Ohne seine „bessere Hälfte“ Gertrud, eine gelernte Industriekauffrau, die den kompletten kaufmännischen Bereich übernahm, hätte Erich Rückert sein Fachgeschäft nicht betreiben können. Nach und nach stiegen auch die Töchter Martina und Elke sowie später die Enkelin Michelle mit in den Familienbetrieb ein. Die Enkelin erinnert sich lebhaft an ihr Aufwachsen in einem kleinen Zoo: „Die Kindheit mit kuschelnden Hasenbabys, der Flaschenaufzucht von Papageien und tapsenden Hundewelpen war sehr besonders.“ Bis heute sind alle Familienmitglieder mit Tatkraft und Humor dabei, die Kunden kompetent zu beraten.

Ein Zoofachgeschäft, in dem Tiere gehalten und gezüchtet werden, ist sehr zeitintensiv – Wochenendarbeit die Regel. „Mittwochmittags habe ich bereits meine 35-Stunden-Woche hinter mir“, sagt der bald 83-jährige Seligenstädter. „Tiere müssen ja täglich gefüttert werden. Babyfische sogar zwei bis drei Mal am Tag“, weiß Tochter Martina Pachali. Erich Rückert hat sich neben Zucht, Tierpflege und Verkauf aber auch der Tierbetreuung in den Ferienzeiten gewidmet. In den Volieren seiner Urlaubs-Tierpension versorgt die Familie Vögel, Kaninchen und Meerschweinchen, wenn deren Besitzer reisen.

Zoo Rückert in Seligenstadt (Kreis Offenbach): Früher auch Großhandel mit exotischen Vögeln

„Im Aquaristikbereich hatte ich 400 verschiedene Arten Zierfische im Angebot. Gezüchtet habe ich am liebsten Skalare und Panzerwelse“, sagt Erich Rückert. Früher betrieb er einen Großhandel mit exotischen Vögeln wie Papageien. „Ich hatte hierfür fünf Quarantänestationen gebaut. Zudem habe ich bis Mitte der 1990er Jahre Uhus, Schneeeulen und weitere Arten europäischer Eulen gezüchtet.“

Seine Liebe zu Tieren hatte Rückert als Achtjähriger entdeckt. „Durch unseren Hof floss ein Bach. In einem im Bach liegenden Korb hielt ich als Kind Stichlinge und kleine Forellen. Zudem hatte ich ein Kaninchen und einen Hund“, erinnert er sich an seine Kindheit in Seligenstadt.

Eine Schneeeule bei Erich Rückert im Geschäft
Eine Schneeeule bei Erich Rückert im Geschäft. © Hackendahl

Bei einer Vogelausstellung entdeckte Erich Rückert dann seine Leidenschaft für die Vogelzucht, er machte sich, erst nebenberuflich, mit 23 Jahren selbstständig – und mit seiner Tierzucht einen guten Namen. „Meine Kunden kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet bis hin nach Würzburg, aus Südhessen, dem Spessart und Vogelsberg.“ Auch Fische für Gartenteiche, wie Kois, Goldfische, Moderlieschen, Elritze oder Bitterlinge, gehörten, nebst Teichmuscheln und Wasserschnecken, zum Angebot, das natürlich auch Aquarien, Zubehör und Futtermittel beinhaltet.

Zoo Rückert in Seligenstadt (Kreis Offenbach): Zucht war für Erich Rückert harte Arbeit

„Früher habe ich 1500 Wellensittiche pro Jahr gezüchtet. Da steckte sehr viel Arbeit dahinter“, erzählt er, während er in der Voliere einen Nistkasten mit drei Wochen alten Wellensittich- Nestlingen öffnet. „Auch Nymphen- und Großsittiche habe ich gezüchtet. Und an die 300 Zwergkaninchen jährlich.“

Unterstützt wird der Seligenstädter dabei von Tochter Martina. „Es ist heutzutage schwer, geeignetes Fachpersonal zu finden“, berichtet Rückert, der in den vergangenen Jahrzehnten sechs Zoofachverkäufer ausgebildet hat. Auch künftig will er sich den Tieren widmen: „Ich möchte – dann hobbymäßig – verschiedene seltene Zeisigarten und Exoten züchten.“ (Holger Hackendahl)

Bei manchen Tieren muss Erich Rückert bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachten – ansonsten würde er sich verletzen.

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