„Ein tolles Gemeinschaftserlebnis“

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Gut gelaunt und konzentriert bei der Sache: Die Erwachsenen hatten beim Spieletag ebenso ihren Spaß wie die Kinder.

Seligenstadt - Gelächter an den Tischen, Gewusel treppauf, treppab, nebenan konzentriertes Brüten über den Spielbrettern. Die Einhardstadt hatte sich für drei Tage in S(pi)eligenstadt verwandelt – zumindest das evangelische Gemeindezentrum an der Jahnstraße. Von Sabine Müller

Der Ausflug zu den ersten Seligenstädter Spieletagen schien vielen lohnenswert an einem grauen Winterwochenende. „Etwa 170 Plätze dürften gerade belegt sein“, schätzt Gemeindepädagoge Claus Ost gegen Ende der Veranstaltung am Sonntagabend. Da hatte das fleißige Helferteam die letzten Tische und Stühle herbeigeschleppt.

Als Organisatoren saßen in den Startlöchern: das städtische Kinder- und Jugendbüro, der Bund der deutschen katholischen Jugend im Dekanat Seligenstadt, die Katholische Jugendzentrale Offenbach-Land, der Kinderclub im evangelischen Gemeindezentrum sowie die evangelische Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen. „Ein Kooperationsprojekt dieser Art gab es noch nie“, weiß Claus Ost. „Nichts geht mehr“, hätte es aber wohl schnell geheißen ohne die Mithilfe der vielen „Teamer“ und „Supporter“. Ehrenamtliche Mitarbeiter aller Altersklassen, die Spiele erklärten, die Spülmaschine ausräumten oder am Fairmobil des Weltladens Nüsse und Schokolade als Nervennahrung verkauften. Schüler waren für ihren Einsatz sogar vom Unterricht freigestellt worden.

Strom von etwa 350 Schülern und Kitakindern

Schon zum Auftakt am Freitag platzte das Haus fast aus allen Nähten. Ein Strom von etwa 350 Schülern und Kitakindern musste auf die drei Etagen im Gemeindezentrum verteilt und mit altersgerechtem „Spielefutter“ versorgt werden. An der Ausgabe im Foyer stapelten sich in den Regalen mehr als 500 Kinder-, Familien-, Strategie-, Party- oder Wissensspiele, dazu die Neuheiten des Jahres 2011. „Wenn 20 Kinder vor dir stehen, kannst du nicht mehr notieren, wer was mitgenommen hat“, versicherten Alexander Pax, Conny Kagerer und Tanja Kellenberger, die einen Spieleverlag vertreten und schon die Osterhofener Spieletage ausgerichtet haben. „Es ist aber noch nie was weggekommen.“ Dank ihrer Erfahrung schafften sie auch schnell Ordnung in der Kiste mit gefundenen Spieleteilen.

Die beiden elfjährigen Kim Prochno und Sophie Beck hatten sich für „Lotti Karotti“ entschieden, dabei hatte Sophie die Nase vorn. Die Fünftklässler aus der Seligenstädter Merianschule waren mit ihrer Lehrerin Brigitte Bayer da und hatten dafür Biologie und Arbeitslehre sausen lassen. „Spielen passt ganz gut zu Arbeitslehre“, sagte diese augenzwinkernd - selbst eine Spielernatur. „Es ist eine schöne Freizeitbeschäftigung und ein guter Ausgleich zum Lernen.“ Ein Stockwerk höher saß Klaus Schemm von den Schachfreunden Seligenstadt, auf dem Kopf einen Zylinder, auf dessen Krempe Schachfigürchen tanzen. Er führte gerade den 16-jährigen Mete Kurt von der Kreuzburgschule in Klein-Krotzenburg in die Grundzüge des königlichen Spiels ein.

„Am Samstag spielten die Leute sogar auf dem Boden“

„Am Samstag spielten die Leute sogar auf dem Boden“, berichtet der Initiator der Spieletage, Steffen Wallraff. Und das nicht nur im Kellergeschoss, wo eine Aktionsfläche für Großspiele vorbereitet war. „Schon mal ‚Vier gewinnt‘ oder ‚Jenga‘ im Stehen gespielt? Ein haptisches Erlebnis“, schwärmt Steffen Wallraff. Rund 1500 Menschen dürften sich beim Würfeln, Ziehen, Bauen, Kombinieren vergnügt haben. Spiele wie „Panic Tower“, „Mondo“, „7 Wonders“ und „Monsterfalle“ wurden auch als Turniere ausgetragen, am Samstag lief sogar ein Qualifikationsturnier zur 6. Weltmeisterschaft des Kultspiels „Heckmeck am Bratwurmeck“.

Für das Ranglistenturnier zur deutschen Meisterschaft „Siedler von Catan“ am Sonntag ist Bernd Wernet extra aus dem saarländischen Bous nach Seligenstadt gereist. Die Stimmung am Vierertisch ist hoch konzentriert, die Köpfe rauchen.

Hochwertige Preise gestiftet

Laut Steffen Wallraff haben Spieleverlage und etliche heimische Firmen für die Turniersieger hochwertige Preise gestiftet. „Örtliche Metzger und Bäcker haben die Organisatoren kostenlos verpflegt“, ergänzt Claus Ost. Neben den professionellen Spielern hatten viele Familien Spaß am Spiel. Wie Ines und Jan Rickert aus Mainflingen, die mit Luis (4) und dem neun Monate alten Leo am Sonntag schon den zweiten Tag in „S(pi)eligenstadt“ sind, weil es ihnen so gut gefällt.

Fazit von Veranstaltern und Besuchern am Sonntagabend: ein tolles Gemeinschaftserlebnis, das Generationen verband. „Die Resonanz ruft nach Wiederholung“, sagen Claus Ost und Steffen Wallraff. Der will noch mit der Stadtverwaltung reden: „Vielleicht können wir das nächste Mal das Ortsschild ‚Seligenstadt‘ gegen ‚S(pi)eligenstadt‘ austauschen.“

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