Nabu-Bilanz: Von Kranichen, „Junggesellen“ und Nachwuchsproblemen

Seltene Orchideen abgemäht

Die Brut des Rotmilan war nicht erfolgreich.

Vogelbeobachtungen, Natur- und Artenschutz sowie Landschaftspflege zählen zu den Arbeitsbereichen des Naturschutzbundes (Nabu) Hainburg. Im vergangenen Jahr hat sich die Ortsgruppe unter anderem der Vorbereitung eines Blühstreifens gewidmet.

Fauna

In der Faunistik gehören neben den beiden Hainburger Gemarkungen die Randgemarkungen von Froschhausen, Klein-Auheim, Seligenstadt und Weiskirchen zu den Beobachtungsgebieten. Weißstörche waren 2018 auf dem Nest des Landwirts Neubauer und im Wildpark Alte Fasanerie zu beobachten. Auf den Mainwiesen unterhalb des ehemaligen Klosters in Hainstadt gingen im Juni immer wieder größere Scharen von Weißstörchen der Nahrungssuche nach. Dabei handelte es sich um „Junggesellen“, also noch nicht brutfähige Vögel. Die Geschlechtsreife tritt erst im Alter von vier bis fünf Jahren ein.

Fledermausarten wie das Große Mausohr registrierte Hartmut Müller in den Kästen in Hainburg.

Auch der Kranichzug im Frühjahr und Herbst ist im Jahresbericht der Ortsgruppe aufgeführt. Der Hauptzug der Kraniche führt im Frühjahr von der oberrheinischen Tiefebene über Frankfurt zur Wetterau. Hainburg liegt auf einer Nebenflugroute der Kraniche. Nachwuchs vermeldeten die Naturschützer bei Zwergtauchern und Reiherenten an den Schwarzbruchteichen und beim Haubentaucher am Harressee. Beim Rotmilan hingegen lassen die Beobachtungen nicht auf eine erfolgreiche Brut schließen. Der Schwarzmilan brütete im Naturschutzgebiet Obermannslache und im Wildpark. Rufe des Habichts vernahmen die Naturschützer im Hainburger Oberwald. Für dieses Jahr haben sie sich vorgenommen, nach dem Horst zu suchen.

Ein Wanderfalke brütete zwar im Nistkasten, bei Kontrollen gab es aber keinen Hinweis auf Nachwuchs. Möglicherweise wurden die Vögel durch Wartungsarbeiten am Strommast gestört, an dem der Brutkasten hängt.

Den Steinkauz hat die Nabu-Ortsgruppe in acht Revieren ausgemacht. Die Zahl der Jungen ist im Vergleich zum Vorjahr geringer ausgefallen, was auf einen Mäusemangel hindeute. Nabu-Mitglied Hartmut Müller, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz (AGFA), hat das Fledermausprogramm aus dem Raum Seligenstadt und Mainhausen nach Hainburg erweitert und Fledermauskästen aufgehängt. Nun kartiert er auch dort regelmäßig. Von den 226 Kästen in Hainburg gab es in 70 Kästen Nachweise von Fledermäusen. Darunter waren Mücken-, Zwerg-, Rauhaut- und Fransenfledermäuse sowie Große Mausohren.

Flora

In Hainstadt gibt es zwei Stellen, an denen die seltene „Breitblättrige Sumpfwurz“ vorkommt – eine europäische Orchideenart. Die erste Stelle befindet sich am Wegrand einer Waldabteilung, die zweite am Gelände der Baufirma Kohl. „Leider wurden die Pflanzen auch in diesem Jahr vom Bauhof der Gemeinde abgemäht“, heißt es im Bericht des Nabu. „Im nächsten Jahr wollen wir mit dem Bauhofleiter eine Absprache zum Erhalt dieser Orchideenart treffen.“

Biotopschutz

Dem Nabu Hainburg wurde ein Grundstück in der Flur 3 der Gemarkung Hainstadt (1378 Quadratmeter) zum Kauf angeboten. Es handelt sich dabei um eine Mahd-Wiese. Die Naturschützer wollen dort Hochstamm-Apfelbäume pflanzen und das Grundstück extensiv bewirtschaften. Weil das eine ökologische Aufwertung der Wiese bedeutet, unterstützt das Umweltamt des Kreises Offenbach die Finanzierung.

Blühstreifen

Die Hainburger Ortsgruppe möchte etwas gegen das Insektensterben tun und hat deshalb bei einer Begehung im Mai 2018 mehrere Grundstücke ausgesucht, auf denen Blühstreifen angelegt werden könnten. Für das Vorhaben waren einige Vorbereitungen nötig.

So wurden Bodenproben entnommen und an den Landesbetrieb Hessisches Landeslabor geschickt. Die Ergebnisse liegen vor und ermöglichen es, für die Böden geeignetes Saatgut zu besorgen. Auch vorbereitende Schnitt- und Mulcharbeiten auf den ausgewählten Grundstücken wurden erledigt.  kd

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