50-Jähriger gesteht Übergriff auf Tochter seiner Freundin

Sexuelle Nötigung: Bewährung für Angeklagten

Seligenstadt - Ein 50-Jähriger ist vor dem Schöffengericht in Offenbach wegen sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Von Stefan Mangold

Der Staatsanwalt wirft dem Mann vor, sexuelle Handlungen an der erwachsenen Tochter seiner Lebensgefährtin gegen deren Willen vorgenommen zu haben, „mit einem Eindringen in ihren Körper“. Der Angeklagte hat die Tat gestanden. Der Vorfall ereignete sich am 1. Mai 2015. Der Angeklagte hielt sich in der Wohnung seiner Freundin in Seligenstadt auf. Zu Besuch war deren 25-jährige Tochter. Die verließ mit Handtuch umwickelt nach dem Duschen das Bad. Auf dem Weg durchs Wohnzimmer kam der 50-Jährige auf sie zu, drängte sich an sie, versuchte sie zu küssen und steckte ihr dabei einen Finger in die Vagina. Die Frau konnte sich durch Gegenwehr befreien. Nach dem Vortrag des Staatsanwaltes erwähnt Richter Manfred Beck, der Verteidiger Niklas Fünderich habe ihn im Vorfeld kontaktiert, um vorzufühlen, ob bei einem umfassenden Geständnis eine Bewährungsstrafe in Frage komme. Beck konstatiert, er habe die Frage prinzipiell für den Fall bejaht, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist, den Ausgang im konkreten Fall jedoch offen gelassen.

Laut Strafprozessordnung ist der Richter verpflichtet, von der legitimen Anfrage des Verteidigers zu erzählen. Daraufhin beantragt Anwalt Fünderich eine Auszeit für ein verständigendes Gespräch unter allen Prozessbeteiligten; ohne die Protokollführerin, aber mit Kathrin Kiehle, der Anwältin der Geschädigten. Sie vertritt die Nebenklage. Das Ergebnis der Einigung verkündet Richter Manfred Beck: Der Angeklagte zahlt an das Opfer 3000 Euro, an den Verein „Frauen für Frauen“ weitere 1000 Euro. Neben den Prozesskosten begleicht er die Auslagen der Nebenklage. Das Urteil werde zwischen einem und zwei Jahren Haft liegen, ausgesetzt zur Bewährung, die über vier Jahre laufe. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Der lässt im Gegenzug über seinen Anwalt erklären, was vor Gericht nicht täglich zu hören ist: „Der Sachverhalt deckt sich genau mit dem, was die Anklage sagt.“ Oft streiten Angeklagte alles ab, wenn Aussage gegen Aussage steht. Dass es in diesem Fall anders ist, könnte an einer Zeugin aus dem Umfeld der Geschädigten liegen. Diese habe laut Staatsanwalt angedeutet, eine Aussage machen zu wollen, sollte der Mann die Vorwürfe leugnen. Denn der Angeklagte habe auch in ihrer Gegenwart einmal die Finger nicht bei sich behalten wollen. Was ihn an jenem Tag motivierte, die 25-Jährige sexuell zu attackieren, das könne er sich nicht erklären, sagt der 50-Jährige. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“. Er bittet die Anwältin, der jungen Frau auszurichten, „wie leid mir das tut“. Staatsanwalt und Nebenklage fordern neben 3000 Euro Schmerzensgeld und 1000 Euro für einen guten Zweck zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Beide erklären fast wortgleich, „das ist gerade noch das, was vertretbar ist“. Die Nebenklägerin betont die seelischen Folgen, mit denen ihre Mandantin kämpfe. Im Prinzip ist der Verteidiger einverstanden, plädiert aber auf 21 Monate Haft mit Bewährung. Richter Beck verhängt zwei Jahre auf Bewährung, die über vier Jahre läuft, plus die erwähnten Geldstrafen. Es liege eine sexuelle Nötigung vor, aber keine Vergewaltigung. Durch sein Geständnis habe der Angeklagte dem Opfer langwierige und schmerzhafte Befragungen im Zeugenstand erspart. Dem Mann gibt Beck mit auf den Weg: „Auch wenn eine Frau leicht bekleidet an ihnen vorbeiläuft, können Sie sich zusammenreißen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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