Dialog der Traditionen

Sinfonie des Komponisten Ruegenberg wird beim Kirchentag aufgeführt

Beim Kirchentag in Berlin wird die Komposition des Pianisten Nicolas Ruegenberg aus Froschhausen uraufgeführt.
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Beim Kirchentag in Berlin wird die Komposition des Pianisten Nicolas Ruegenberg aus Froschhausen uraufgeführt.

Froschhausen -  Beim Evangelischen Kirchentag von heute an bis 28. Mai in Berlin wird eine Komposition von Nicolas Ruegenberg aus dem Seligenstädter Stadtteil Froschhausen uraufgeführt. Von Sabine Müller 

Der Pianist und Arrangeur wird das Solidaritätskonzert am Samstag auf dem Gendarmenmarkt selbst moderieren. Geflüchtete Musiker und die Berliner Symphoniker spielen die „UNISONO-Sinfonie“, die für Toleranz und Verständigung wirbt. Beim 30. Geburtstag des Seligenstädter Kunstforums im April hatte sich Nicolas Ruegenberg im Riesensaal als Pianist vorgestellt und kurz von seinem musikalischen Hilfsprojekt „UNISONO“ berichtet: Die ursprünglich als Ouvertüre angelegte, dann auf etwa 40 Minuten erweiterte Komposition wird am Samstag, 27. Mai, von 19 bis 21 Uhr im Verlauf des Evangelischen Kirchentags in Berlin erstmals zu hören sein. Der 28-Jährige ist ein Enkel des ehemaligen Froschhäuser Bürgermeisters Hans Gerstner, wuchs im Seligenstädter Stadtteil auf und lebt heute mit seiner Frau, die aus Klein-Krotzenburg stammt, wieder dort. Klavierunterricht bei Florian Hauck aus Seligenstadt sowie die Orgelausbildung beim Seligenstädter Regionalkantor Thomas Gabriel legten die Grundlagen für Ruegenbergs Werdegang.

Noch während der Schulzeit am Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg trat er als Pianist auf und belegte mehrfach den ersten Platz bei Klavierwettbewerben. Wegweisend für seine musikalische Karriere sei der Auslandsaufenthalt in Boston ab 2010 gewesen, berichtet Nicolas Ruegenberg im OP-Gespräch. Als Stipendiat studierte er drei Semester lang klassische Komposition und Filmmusik am Berklee College of Music. Er sei dann nach Deutschland zurückgekommen, weil es hier mehr Möglichkeiten für klassische Musik gebe, erklärt Nicolas Ruegenberg. Als Privatstudent bei Professor Gerhard Müller-Hornbach in Frankfurt beendete er seine Ausbildung. „Manchmal stellt man erst in der Ferne fest, was man in Deutschland alles hat.“ Parallel dazu wurde er als Arrangeur für die Neue Philharmonie Frankfurt tätig.

„Auslöser für den Entstehungsprozess der ‚UNISONO-Sinfonie‘ war die Berichterstattung über brennende Flüchtlingsheime“, erinnert sich Nicolas Ruegenberg. „Ich war sehr betroffen und wollte selbst etwas dagegen unternehmen.“ Für ihn hieß das: komponieren. Hauptthema seiner etwa siebenminütigen Ouvertüre war ein interkultureller Dialog zwischen der europäischen und orientalischen Musiktradition – „und zwar auf Augenhöhe“, betont der Musiker. „Da steckt viel Potenzial drin, das kann sehr bereichernd sein.“ Er erweiterte die orchestrale Besetzung um die Instrumente Oud, Nay und Riq und lernte über einen Instrumentenbauer in Berlin syrische Flüchtlinge kennen, die zuvor als Berufsmusiker tätig waren und in sein Projekt einstiegen. Er habe die Zusammenarbeit mit diesen Kollegen als sehr bereichernd und angenehm empfunden, sagt der Pianist; bis heute pflegt er freundschaftliche Verbindungen. Am 20. März 2016 wurde in der Berliner Philharmonie Ruegenbergs Ouvertüre zugunsten der UNO-Flüchtlingshilfe uraufgeführt. Dabei musizierten die Berliner Symphoniker gemeinsam mit den syrischen Musikern vor ausverkauftem Haus. Im August eröffnete das Syrian Expat Philharmonic Orchestra mit „UNISONO“ das Berliner Philharmoniker-Open-Air. Zwei Monate später stand die Komposition in München auf dem Programm der Bayerischen Philharmonie; dabei spielte das Münchner Jugendorchester erstmals die Fassung für Schul- und Laienorchester.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Alle GEMA-Einnahmen aus Aufführungen spendet der Komponist. So ist auch die Open-Air-Aufführung am kommenden Samstag auf dem Kirchentag als Solidaritätskonzert angelegt unter dem Titel „Musik kennt keine Grenzen“. In der Sinfonie sei die syrische Komponente erweitert worden um die iranische und afrikanische, mit den jeweiligen Instrumenten, erläutert Nicolas Ruegenberg. „Der Sender RBB plant zwischen 18 und 18.30 Uhr in seiner Sendung ‚Himmel und Erde‘ eine Vorberichterstattung mit Live-Interview mit mir.“

Auch für die Heimat wurde der Froschhausener schon tätig und komponierte für das Bürgerfest in Hanau eine Feuerwerksmusik, die im Jahr 2013 uraufgeführt wurde. „Für Seligenstadt hat sich so etwas leider noch nicht ergeben“, sagt Nicolas Ruegenberg, der sich über einen entsprechenden Auftrag freuen würde.

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