Suche nach Besitzer erfolglos

Spanisches Wohnmobil steht seit Monaten vor der Polizei

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Seit über zwei Monaten vor der Polizeidienststelle an der Giselastraße abgestellt: „Herrenloses“ spanisches Wohnmobil.  

Seligenstadt - Ein Fall für „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ ist es sicher (noch) nicht. Doch haftet folgender Geschichte durchaus etwas Mysteriöses an. Von Oliver Signus

Seit gut zwei Monaten steht auf dem Parkplatz vor der Polizeistation Seligenstadt an der Giselastraße ein Wohnmobil mit spanischem Kennzeichen. Ein Blick in das Fahrzeug ist kaum möglich, die Scheiben sind innen ringsherum mit Folien bedeckt. Von dem Besitzer fehlt offensichtlich jede Spur. Josef Michael Rösch, Leiter der Polizeistation, sagt auf Anfrage, dass man zwar wisse, auf wen der Wagen zugelassen ist, eine Kontaktaufnahme bislang aber nicht möglich gewesen sei. Nun habe die Polizei in Absprache mit der städtischen Ordnungsbehörde beschlossen, dem Eigentümer beziehungsweise dem Fahrer bis zum 23. Oktober Gelegenheit zu geben, sein Wohnmobil zu entfernen, ansonsten wird es auf den Bauhof geschleppt.

Zugelassen ist das rollende Minihotel auf einen Besitzer, der in Alhaurín el Grande, einer Stadt in Andalusien, mit etwa 24.000 Einwohnern ähnlich groß wie Seligenstadt, lebt. Ein Aufkleber auf dem Fahrzeug wirbt für die Provinz Málaga, zu der die Heimatstadt des Eigentümers gehört.

Hinweise auf eine Straftat liegen laut Rösch bisher nicht vor. Dass der Besitzer beispielsweise seit Wochen tot im Wagen liegen könnte, wie ein Leser unserer Zeitung, der uns auf das Fahrzeug aufmerksam machte, befürchtete, sei ausgeschlossen. Bei den lange Zeit hochsommerlichen Temperaturen wäre das „durch Geruch oder Ungeziefer“ aufgefallen. Auch Hinweise auf ein Verbrechen oder gar einen Suizid gebe es derzeit nicht, sagt Rösch und betont, dass es keinerlei rechtliche Grundlage gebe, den Wagen aufzubrechen. „Was sollen wir darin finden?“ Durch Ritzen könne man ins Innere hineinblicken, es gebe aber nichts Verdächtiges.

Da der Wagen ordnungsgemäß geparkt und auch zugelassen ist, sei zunächst „vom Grundsatz her nichts dagegen zu sagen“, so der Seligenstädter Polizeichef weiter. Doch da das Wohnmobil über einen so langen Zeitraum offensichtlich nicht bewegt und der Parkplatz permanent blockiert wird, gilt dies nun als Sondernutzung. Daher werde der Eigentümer aufgefordert, das Auto zu entfernen. Rösch hofft nun, dass sich der Besitzer doch noch meldet. Über die bisherigen Ermittlungen hinaus sehe er zurzeit keinen Grund für Aktivitäten: „Es ist nicht die vorderste Aufgabe der Polizei, sich um ein ordnungsgemäß abgestelltes Fahrzeug zu kümmern.“

Das Wohnmobil auf dem Parkplatz an der Giselastraße ist nicht der einzige Fall einer „Sondernutzung“. Im Stadtgebiet verstreut finden sich immer wieder Mobile, die lange Zeit auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt und offensichtlich nicht bewegt werden, etwa auf der Aschaffenburger Straße, Nähe evangelische Kirche.

Das Thema ist auch ein ziemlich umstrittener Dauerbrenner im Internet - die Antworten und Verweise fallen entsprechend unterschiedlich aus. Grundsätzlich gilt: Wohnmobil ist nicht gleich Wohnwagen! Nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen Wohnmobile durchaus (unbegrenzt) lange auf öffentlichen Straßen und Parkplätzen abgestellt werden, solange sie zugelassen sind. Für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 7,5 Tonnen sieht die StVO allerdings eine Einschränkung vor: Mit ihnen darf innerhalb geschlossener Ortschaften in Wohngebieten und Erholungsgebieten in der Zeit von 22 bis 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nicht geparkt werden.

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