SPD-Entwurf „Perspektiven für Seligenstadt 2030“

Lebendige Kulturstadt mit Kongresszentrum und Hotels

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Das TGS-Gelände und der Jahnsportplatz aus der Luft. Dort könnte nach dem Willen der SPD bis 2030 ein Kulturzentrum entstehen. Da die Turngesellschaft eigene, abweichende Vorstellungen hat, ist für Spannung gesorgt; halbrechts die Konrad-Adenauer-Schule.

Seligenstadt - Nicht jeder, der Visionen hat, muss zum Arzt, wie Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt 1980 einmal empfahl. Die Seligenstädter Genossen ganz bestimmt nicht. Von Michael Hofmann 

Ihr Arbeitspapier „Perspektiven für Seligenstadt 2030“ ist die progressivste, konsequenteste, spannendste und provozierendste Hypothese der vergangenen 20 Jahre - eine Herausforderung für alle.
Die SPD-Konzeption „Seligenstadt 2030“ fußt auf einer stabilen baulichen Basis auf: Jahrzehntelange und erfolgreiche Sanierung von Altstadt und Kloster haben ein Kleinod geschaffen; ein soziales, kommerzielles und kulturelles Zentrum (von Einhardpreis über Kunst, Musik, Theater bis zu den Fastnachtsveranstaltungen), das es zu pflegen, weiterzuentwickeln und auszubauen gilt. „Ein Alleinstellungsmerkmal“ nennt SPD-Ortsverbandsvorsitzender Reiner Stoll das, weil es weit über das von anderen Städten ähnlicher Größe hinausreicht. Die gemeinsamen Anstrengungen von Verwaltung, Bürgern und Gewerbe will die SPD fortschreiben, blickt voraus ins Jahr 2030: „Denn das ist kein Wahlprogramm, keine Tagespolitik“.

Bei Seligenstadts „Gudd Stubb“, dem Riesen, hat sich erheblicher Sanierungs- und Ertüchtigungsbedarf aufgetürmt, sagt die SPD und senkt den Daumen: Abriss.

Ein Ziel haben die Genossen, die ihren Entwurf durchaus schon über die Parteigrenze hinaus andiskutiert haben, im Auge: Seligenstadt als kulturelles Zentrum. Hinzu kommen weitere einzubindende Sektoren: die gute medizinische Versorgung (zwei Krankenhäuser, viele Ärzte) und ein ausbaufähiger Tourismus, der den Tagesbesuch beibehält (nicht ausbaut), dafür aber fleißig (Tagungs-)Gäste bewirbt, die einige Tage in der Stadt verweilen, die Vorzüge und Annehmlichkeiten in Anspruch nehmen - und Geld ausgeben. Auf diesem Wege können die Rolle der Stadt als Einzelhandels- und Gastronomiezentrum verstärkt werden.

Was den SPD-Entwurf so „revolutionär“ macht: Sie entwickeln eine Vorstellung der erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen, die tief in Bestand und Stadtbild eingreifen: „Mutige Investitionen - öffentliche und private - in diesem Bereich erhöhen und sichern die Attraktivität der Stadt für Bewohner und Gäste, aber auch für neues Gewerbe“, umschreibt SPD-Pressesprecher Franz A. Roski das. De facto geht es beispielsweise darum, den Saalbau „Riesen“ und das Altenwohnheim Hospitalstraße/Große Fischergasse abzureisen und die Flächen zu vermarkten; es geht darum das Jahnsportplatzgelände mit der TGS-Halle an der Graben-/Jahnstraße neu zu beplanen, ebenso wie das Stadtwerkegelände, das Mainufer und das Gebäude der früheren Hans-Memling-Schule. Nicht als Einzelmaßnahmen, wie die Politik immer mal wieder ansetzen möchte, sondern als ganzes Paket: „Nur so haben alle Bewohner etwas davon, Handel und Gewerbe eingeschlossen.“

Die einzelnen Stützpfeiler der neuen Ebene 2030 - Kulturstadt Seligenstadt: 

  • Direkt angebunden an die Altstadt entsteht ein neues Kulturzentrum auf dem Jahnsportgelände: Für kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Theateraufführungen, Kabarett, Diskussionsrunden), außerdem für Messen, Ausstellungen, Kongresse, für größere gesellschaftliche Veranstaltungen. Aber auch ein Platz für Sportveranstaltungen bietet sich hier. „Die alte TGS-Sporthalle an der Grabenstraße hat einen erheblichen Sanierungsbedarf und genügt generell nicht mehr den Anforderungen. Sie wird aufgegeben und durch Neubauten im Bereich des Jahnsportplatzes ersetzt“, sagt Stoll und spricht von Synergien, die sich zwischen dem Kulturzentrum und den Sporthallen ergeben, wie zum Beispiel gegenseitige Nutzung der Hallen und der gemeinsamen Infrastruktur.
  • Um Teilnehmer von Tagungen, Kongressen, Messen, Ausstellungen der Region in der Stadt zu halten, soll in zentraler Lage in der Altstadt ein attraktives Hotel entstehen. Dieses bildet zusammen mit dem Kultur- und Kongresszentrum den Ankerpunkt für die weitere kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Es steht damit nicht in Konkurrenz, sondern ergänzt und stützt das Angebot an Beherbergungsbetriebe und Ferienwohnungen. Und wo soll das entstehen? „Wer die Kernstadt/Altstadt betrachtet, entdeckt mehrere Areale, die nicht genutzt werden oder die demnächst freiwerden“, so die SPD-Leute.
  • Nach vielen Jahren der Nutzung hat sich beim Riesen ein erheblicher Sanierungs- und Ertüchtigungsbedarf aufgetürmt, sagt die SPD. Dazu kommen konzeptionelle Mängeln, die nicht vor Ort zu beheben sind. Deswegen will die SPD das Bürgerhaus abreißen. Entstehen sollen in der Sackgasse dafür attraktive Eigentums- und Mietwohnungen, die helfen, dass die Altstadt kein Museum wird. SPD-Plan: Die für die Stadt erzielten Einnahmen finanzieren einen Teil des neuen Kulturzentrums.
  • Anders als beim neuen Kulturzentrum am Jahnsportplatz soll das herausragende einstige Hans-Memling-Schulgebäude neben der Basilika ein Treffpunkt mit eher vielfältiger kleinteiliger Nutzung werden: Veranstaltungsräume für Kleinkunst, kleine Feiern, Schulungen; Quartier für die Volkshochschule; angemessene Räume für die Musikschule. „Die Lage hoch über dem Fluss lädt zum Verweilen ein, in einem Gastronomiebetrieb mit Biergarten oder Café. Das Gebäude hat auch noch Platz für eine weitere Kinderbetreuungseinrichtung.“
  • Das städtische Altenwohnheim an Hospitalstraße/Großer Fischergasse an der Mainfront „war und ist weder seniorengerecht noch behindertentauglich. Es ist in die Jahre gekommen und hat viele bauliche Mängel.“ Das Gebäude wird ebenfalls aufgegeben, für die Bewohner finden sich Alternativen (Wohnikum, Wallstraße). Auch dort sollen Eigentums- und Mietwohnungen entstehen, ihr Erlös zur Kulturzentrum-Finanzierung beitragen.
  • Das ehemalige Stadtwerkegelände wird nach SPD-Vorstellungen zum Verbindungsglied zum Kultur- und Sportzentrum Jahnstraße. Dieser wenig einladende Zugang ist zu verbessern. Deshalb sollen die städtischen Garagen und das alte Schützenhaus verschwinden. An deren Stelle sollen Gastronomie mit attraktiven Versammlungsräumen und ein kleines Hotel gebaut werden - Gegenpol zum eher einfachen Café und Biergarten an und in der Hans-Memling-Schule. „Der perfekte Rahmen für stilvolle Hochzeiten und Events, romantische Wochenenden sowie Tagungen und Seminare in inspirierender Umgebung.“

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Der Platz oben soll keine Sackgasse bleiben, sondern mit Treppen und Rampen zu einer attraktiven Verbindung zwischen Mainufer, neuem Kulturzentrum und dem Gelände vor dem Steinheimer Tor werden. Die Fläche unten am Main ist zwar Hochwasser-Überflutungsfläche, die nicht bebaut werden darf, aber sie soll - eine alte SPD-Idee - mit Bänken, Strandkörben und einem Strand zum Flanieren, Sitzen und Erholen einladen.

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