Mehr als 1750 Besucher in „S(pi)eligenstadt“

Spielen vereint Generationen

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Aus einer Fülle von Spielen konnten die kleinen und großen Besucher im evangelischen Gemeindezentrum auswählen.  

Seligenstadt - Vier Tage lang war das evangelische Gemeindezentrum in der Jahnstraße Treffpunkt junger und älterer spielbegeisterter Menschen. Gestern gingen sie zu Ende, etwa 1750 Besucher fanden bis Sonntagmittag den Weg nach „S(pi)eligenstadt“. Von Sabine Müller 

„Ganz schön lebendig hier!“ Spiele-Autor Klaus-Jürgen Wrede ist erstmals bei „S(pi)eligenstadt“ und positiv überrascht von dem munteren Treiben am Freitagnachmittag im evangelischen Gemeindezentrum. Laut und lebhaft war es oft in den vergangenen vier Tagen. Bei der vierten Auflage der Seligenstädter Spieletage vergnügten sich allein bis Sonntagmittag etwa 1750 Besucher mit Klassikern und Neuerscheinungen.

Neu war der Auftritt erfolgreicher Spiele-Erfinder. Sie signierten, brachten sich an den Tischen ins Spiel und boten Testrunden für Prototypen an. Michael Schacht hat „Zooloretto“ und „Mondo“ entwickelt, Klaus-Jürgen Wrede hat die Welt neben „Rapa Nui“ auch „Carcassonne“ zu verdanken. Im eigentlichen Wortsinn: Im Jahr 2000 ist es erschienen, 2001 wurde es „Spiel des Jahres“. Im Mai hatte er dem Spiele-Verlag „Hans im Glück“ Zeichnung und Spielanleitung angeboten, im Oktober war das Produkt auf dem Markt. Seither gibt es über 30 Erweiterungen und Abwandlungen, wurde es über zehn Millionen Mal verkauft und in mehr als 30 Sprachen übersetzt. „Zuletzt in Hebräisch und Thai“, sagt sein geistiger Vater, Jahrgang 1963, bescheiden. Mittlerweile kann er vom Verkauf leben und zwar in der Nähe von Köln, wo er früher als Gymnasiallehrer für Musik und Religion tätig war.

„Ich brauche immer was Kreatives“

Mit Anfang 20 habe er das Spielen für sich entdeckt, erzählt Klaus-Jürgen Wrede. Nach der Spielemesse in Essen sei er Feuer und Flamme gewesen: „Ich brauche immer was Kreatives.“ Ein Musical hatte er schon komponiert; im Südfrankreich-Urlaub entdeckte er auf den Spuren der Kreuzfahrer die Stadt Carcassonne und ließ sich von den Burgen und Festungen inspirieren. Das einfache aber taktische Legespiel „ist im Grunde ein Puzzle, das eine Landschaft ergibt“. Diese gilt es zu bevölkern. Mit jedem Zug bietet es neue Herausforderungen, am spannendsten wird es zu zweit (bis zu fünf können mitmachen). Die Weltmeisterschaft wird stets im Duell ausgetragen.

Klaus-Jürgen Wrede, Erfinder von „Carcasonne“ und „Rapa Nui“ war beeindruckt von der Atmosphäre in „S(pi)eligenstadt“

Turniere wurden wieder mehrfach bei „S(pi)eligenstadt“ bestritten, dabei gab es von Spiele-Verlagen gestiftete Preise zu gewinnen. Um den Sieg gerungen wurde etwa beim Qualifikationsturnier für die deutsche „Wizard“-Meisterschaft, bei „Dominion“ und „Camel Up“, dem „Spiel des Jahres“ 2014. Für das Direkt-Qualifikationsturnier von „Siedler von Catan“ gingen bei Steffen Wallraff schon vorab mehr als 30 Anmeldungen ein. „Etwas ganz Besonderes“, betont der Initiator der Spieletage, „die beiden Erstplatzierten können sich direkt zur deutschen Meisterschaft qualifizieren, diese Möglichkeit gibt es deutschlandweit nur 15 Mal. Dafür reisen sogar Teilnehmer aus Köln, Kassel und dem Saarland an.“ Viele nutzten die Möglichkeit, eines der über 150 brandneuen Spiele auszuprobieren und sich dafür nicht durch ein seitenlanges Regelwerk lesen zu müssen – dank der Spieleerklärer, die im Dauereinsatz waren. So hatte das für Kinder konzipierte „Ratzeputz“ in Seligenstadt seinen ersten Auftritt, noch bevor es zur Spielwarenmesse in Nürnberg präsentiert wird. Über 800 Titel – mehr als bisher - konnten an der Spieleausgabe im Gemeindezentrum kostenlos ausgeliehen werden.

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Dort leitete Gemeindepädagoge Claus Ost, einer des rund 30-köpfigen Mitarbeiter-Teams, den Besucherstrom in die drei Etagen. Zeitweise war jeder Platz besetzt. Am Donnerstag begrüßten die Organisatoren 320 Kinder aus Kindergarten und Schulen, tags darauf kamen erneut über 300. „Das Publikum hat sich verjüngt“, hat Claus Ost registriert, „dieses Mal waren wesentlich mehr Kita-Kinder angemeldet, als Kinder aus weiterführenden Schulen.“ Tolle Unterstützung sei von „Hilfe füreinander“ gekommen: „Die Senioren halfen, die Gruppen zu betreuen und ermunterten die Kinder, beim Spiel durchzuhalten.“ Auch die „alten Hasen“ der Schachfreunde Seligenstadt blieben nicht unter sich. Viele Kinder und Jugendliche fanden Gefallen am Denksport. So werde mancher wilde Rabauke gezähmt, sagt Claus Ost.

Bewährte Veranstalter von „S(pi)eligenstadt“ waren das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Seligenstadt, der Bund der deutschen katholischen Jugend Seligenstadt, die Katholische Jugendzentrale Offenbach-Land, der Kinderclub im evangelischen Gemeindezentrum und die Evangelische Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen.

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