Wenn Kakao die Währung ist...

Spieletage: Von Kommunikation, Kooperation und dem unverwüstlichen Monopoly

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„Die Stadt der Götter“ - ein spannendes Spiel, das fast die gesamte Tischplatte bedeckt.

Seligenstadt – „Alles mit Batterien und was sich bewegt. “ Verena Fiand bringt auf den Punkt, womit sich ihre Jüngsten am liebsten beschäftigen. Von Michael Prochnow

Mit „Willi Wackel“ zum Beispiel: Begeistert versuchen die fünfjährige Marlene und der einjährige Henrik, dem zappelnden Plastik-Tausendfüßler kleine Bälle aufzulegen. Familie Fiand spielt auch zu Hause viel. Aber bei „S(pi)eligenstadt“ macht’s noch mehr Spaß, weil die Mama nicht durch Waschmaschine oder Staubsauger abgelenkt ist.

Es ist die achte Auflage der Seligenstädter Spieletage, die bis morgen im evangelischen Gemeindezentrum an der Jahnstraße laufen. Auf die Beine gestellt haben das Spektakel mit 700 Gesellschaftsspielen Stadtmarketing sowie Kinder- und Jugendbüro im Rathaus, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Jugendzentrale (KJZ) Offenbach-Land in Seligenstadt sowie die evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen.

Ganze Schulklassen werfen seit Donnerstag auf drei Etagen die Würfel, Gruppen der Nachmittagsbetreuung und aus Kindergärten fiebern an den Tischen, aber auch komplette Familien. In der Ecke am Fenster lassen sich zwei Mädchen „Spinderella – Ameisen auf der Flucht“ erklären. Die kleinen Krabbler können sich mit einem Baumstumpf transportieren lassen, aber dann sitzen sie wie auf einem Präsentierteller für die Spinne, die von oben über eine Schiene und einen Seilzug bewegt wird.

Komplizierter ist bei „Teotihuacan – Die Stadt der Götter“ nicht nur der Name. Das Spielbrett mit filigranen Feldern bedeckt die komplette Tischplatte. „Die Währung ist Kakao“, lehrt Spiele-Erklärer Alexander Pax. Es gehe darum, dass die Nachfahren von Adelsfamilien „ewigen Ruhm“ erlangen, eine Pyramide aufbauen, Rohstoffe sammeln, die Straße der Toten ausbauen. Ein El Dorado für Klaus-Jürgen Wrede, der Teilnehmer hat immerhin das prämierte und weltbekannte Spiel „Carcassonne“ entworfen.

In vielen der knallbunten Kästen in den Regalen am Eingang befinden sich Neuerscheinungen, frisch von der Nürnberger Spielwarenmesse, präsentiert von Steffen Wallraff. Der Ex-Hainburger war prädestiniert, „S(pi)eligenstadt“ ins Leben zu rufen: Als freier Handelsvertreter, den die Liebe ins niederbayerische Deggendorf geführt hat, vertreibt er auch Spielwaren. So hat er zahlreiche Verlage gewonnen, ihre brandaktuellen Artikel zur Verfügung zu stellen. 20 heimische Betriebe unterstützen die gute Idee mit Brötchen und Leberkäs’, Nudeln mit Bolognese und Bargeld.

Tasten, schubsen, zaubern: Gesellschaftsspiele für Familien

„Bloß kein Memory“, grinst die Mama, die sich mit ihren Sprösslingen auf einen weiteren Karton geeinigt hat. Bei dem Merkspiel haben Erwachsene gegen Kinder bekanntlich keine Chance! Der Deckel der Schachtel sowie der Name des Ausleihers bleiben an der Theke, ansonsten ist die Unterhaltung, die ohne Akku, ohne Betriebssystem und ohne Display funktioniert, kostenlos. Nur Nüsse, Plätzchen und Fruchtriegel vom Weltladen kosten etwas. Mit einem Teil des Erlöses werdend die blauen T-Shirts und Plakate finanziert, informiert Gemeindepädagoge Claus Ost vom Kinderclub.

Riesen-Auswahl: Organisator Steffen Wallraff

Zu den beliebtesten Artikeln zählen das unverwüstliche Monopoly, Kristallica, bei dem Eisblöcke aus Plastik ausgeschlagen werden müssen, ohne dass der Pinguin von seiner Scholle fällt. Bei „Pie Face“ nähert sich eine Schaufel mit Sprühschaum dem Gesicht eines Mitspielers. „Am besten laufen kooperative Spiele“, sagt Wallraff, „bei denen sich mehrere Mitspieler zusammentun.“ Das ist auch der Ansatz für Iris Reiß von der KJZ. Die Theologin unterstützt das Ziel, „unterschiedliche Menschen ins Spiel zu bringen“. Vor dem christlichen Hintergrund möchte sie das Miteinander fördern und den „Blick über die Kirchenmauern“ wagen. Sie stehe auch für Gespräche bereit, bei religiösen Themen Rede und Antwort.

Gestern Abend sorgte der Wettbewerb „Deutschlands schnellste Puzzle-Stadt“ für Spannung. Dabei ist es Ziel, in kürzester Zeit 60 Puzzles zusammenzusetzen. Morgen, Sonntag, können Interessenten von 12 bis 15 Uhr gebrauchte Spiele bei einem Flohmarkt erstehen.

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