Ansturm von Kita- und Schulgruppen

„S(pi)eligenstadt“: Spielen auf Stundenplan

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Gruppen aus Schulen und Kitas bevölkern das evangelische Gemeindezentrum und probieren verschiedene Spiele aus.  

Seligenstadt - „Spielen“ stand für viele Schülerinnen und Schüler am Donnerstag und Freitag auf dem Stundenplan. Ein beliebtes Fach, bei dem man das Klassenzimmer gegen das evangelische Gemeindezentrum an der Jahnstraße eintauscht, wo „S(pi)eligenstadt“ beheimatet ist. Es ist die sechste Auflage der Seligenstädter Spieletage, vier Tage lang sind Kleine und Große zum Mitmachen einladen. Von Sabine Müller 

„Tschüss!“, ruft Claus Ost den Emmaschülern hinterher, die sich soeben verabschieden. „Wenn ihr wiederkommen wollt: Wir haben noch bis Sonntagabend geöffnet.“ Am Freitagvormittag ist es auf den drei Etagen im Gemeindezentrum noch relativ entspannt. Im Gegensatz zum Tag davor: „Zeitweise war die Kapazität von 200 Plätzen ausgeschöpft“, berichtet Gemeindepädagoge Claus Ost mit Blick auf den Belegungsplan des Hauses. „Etwa 300 Kinder waren morgens da“: Aus Seligenstadt die Alfred-Delp-Schule, viele aus der Don-Bosco-Schule, der DaZ-Klasse der Merianschule und der Konrad-Adenauer-Schule, außerdem Kinder der Kreuzburgschule in Klein-Krotzenburg sowie aus den Kitas Kiefernhain (Hainburg) und Niederfeld (Seligenstadt). Am Nachmittag hatten Betreuungskinder die Qual der Wahl aus rund 700 Brett-, Karten- und Würfelspielen. Abends war es dann „eher intim mit einzelnen Familien sowie Spielrunden aus dem Hobby- und Spieleverlagsbereich“. Kita- und Grundschulgruppen aus der Region hatten sich auch für gestern angemeldet. „Weiterführende Schulen etwas weniger“, bilanziert Claus Ost.

Die Organisation der Großveranstaltung, die im vergangenen Februar bei freiem Eintritt rund 2500 Besucher anzog, wäre ohne die vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen und Kräfte nicht machbar. Das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Seligenstadt, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Seligenstadt, die Katholische Jugendzentrale Offenbach-Land, Kinderclub und Evangelische Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen kooperieren seit Jahren erfolgreich. Quasi ein Hauptgewinn ist für Claus Ost deshalb „die Kontinuität der Beteiligung“ – etwa vom Seniorenverein „Hilfe füreinander“, dessen Mitglieder die Schüler ermutigen, nicht aufzugeben, wenn sie mal schlechte Karten haben. Spenden örtlicher Bäcker und Metzger ermöglichen es, die Mitarbeiter kostenlos zu verpflegen.

„Über 300 Spiele habe ich aus meiner Sammlung von mehr als 700 zur Verfügung gestellt“, sagt Alex Pax, Spieleerklärer der ersten Stunde aus Jügesheim. Der 38-Jährige arbeitet in der IT-Branche, nimmt sich jedes Jahr vier Tage Urlaub für die Seligenstädter Veranstaltung. „Weil Spielen Spaß macht und manchen, der einsam vor dem Rechner sitzt, wieder an den Familientisch holt“, erläutert er sein Engagement. Als Vertreter eines großen Spieleverlages bekommt Alex Pax dies zudem durch ein Honorar vergütet.

Öffnungszeiten der Spieletage: Samstag von 12 bis 23 Uhr, Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Die Kinder kommen gern bei „Looping Louie“ miteinander ins Spiel, weiß er. Generell seien sie leider sehr interessiert an Erfindungen aus Plastik und mit Elektronik: „Die kennen sie aus dem Kindergarten, da bewegt sich was, passiert was.“ Claus Ost berichtet, dass einige Marktneuheiten neuerdings ohne schriftliche Anleitung auskommen. Im Obergeschoss werden bei „Twister“ unter Stöhnen und Gelächter auf dem Fußboden gymnastische Übungen absolviert. „Ein bewegungs- und körperorientiertes Spiel“, erläutert der Gemeindepädagoge, „unter den Gesellschaftsspielen nicht häufig.“ Im Nebenraum fällt eine Vierergruppe auf, die mit Karten am Tisch sitzt und mit anrüchigen Kringeln dekoriert ist. „Wir spielen ‚Scheiß drauf‘“, informiert einer der Fünftklässler der Kreuzburgschule. „Der mit den meisten Kackehäufchen auf dem Kopf hat verloren.“

Am Freitagnachmittag beteiligte sich „S(pi)eligenstadt“ zum zweiten Mal am deutschen Puzzle-Championchip: Der drittletzte Platz im vergangenen Jahr war dringend verbesserungswürdig.

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