Von Nachbar zu Nachbar

Staatssekretär Bußer besucht Flüchtlinge in Froschhausen 

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Nachbar zu Besuch: Staatssekretär Michael Bußer (Mitte) mit Stadträtin Claudia Bicherl (2.v.l.) sowie Helferinnen von Caritas und AK „Willkommen in Seligenstadt“.  

Froschhausen - Der Froschhäuser Michael Bußer tat, was man zu tun pflegt, wenn neue Nachbarn eingezogen sind: Er stellte sich vor. Von Sabine Müller 

Da er außerdem Staatssekretär in Wiesbaden ist, wollte er wissen, wo die Flüchtlinge, die jetzt an der Offenbacher Landstraße wohnen, der Schuh drückt. Diese wünschen sich vor allem Deutschkurse und eine sinnvolle Beschäftigung. Im Februar haben die ersten Flüchtlinge an der Durchgangsstraße von Froschhausen eine Unterkunft gefunden. Zurzeit leben dort 14 Menschen aus Eritrea, Albanien und dem Kosovo. Gegenüber wohnt Staatssekretär Michael Bußer. Der Sprecher der Landesregierung ist ein vielbeschäftigter Mann. Doch nachts um elf, wenn er aus Wiesbaden nach Hause komme, rieche es dort manchmal noch gut nach Essen. „Ich sehe sie auch öfter Fahrradfahren“, berichtet Bußer, „ohne Helm. Und mit drei Kindern auf dem Rad“, fährt er schmunzelnd fort und wundert sich, dass das funktioniert. Dann möchte der CDU-Politiker mehr über die Hausbewohner wissen, denn: „Sie sind neu, aber für jene, die hier schon leben, ist es auch eine neue Situation.“ Gegenseitiges Kennenlernen mache das Zusammenleben „einfacher und harmonischer“.

Sozialarbeiterin Jennifer Freudenberg schildert eine weitgehend positive Situation: Die beiden Familien sowie Einzelpersonen sind gut in Froschhausen angekommen – auch durch Unterstützung des Arbeitskreises (AK) „Willkommen in Seligenstadt“, kennen sich aus und sind selbstständig mit Bus und Bahn unterwegs. Dem Vermieter ist offensichtlich daran gelegen, dass sich die Menschen während ihres Asylverfahrens in seinem Haus wohlfühlen: Die Zimmer sind hell und geschmackvoll eingerichtet. Hauspatin Sabine Vollmer freut sich über eine gute „Völkerverständigung“. Ihre ganze Familie lernt und gestaltet Freizeit mit den Flüchtlingen, die wiederum auf ihrer Hofreite mit anpacken. Auch im Kontakt mit den Nachbarn gibt es offenbar keine Probleme. Die Bewohner haben Glück gehabt, das wissen sie. Wer in den Containern im Froschhäuser Gewerbegebiet oder in der Gemeinschaftsunterkunft an der Seligenstädter Einhardstraße untergebracht ist, erfahre weniger Akzeptanz, sagt Claudia Bicherl, die als zuständige Dezernentin der Stadt ebenfalls vorbeigekommen ist. Außerdem sollte man ihrer Meinung nach mal klar stellen, dass Handys für die Flüchtlinge kein Statussymbol seien, wie viele lästerten, sondern dringend notwendig. Ein echtes Problem aber ist die Sprache: Bußers Rat, auf der Straße immer mit „guten Tag“ zu grüßen, stößt an schnell an Grenzen, denn ausreichend Deutschunterricht sei nur wenigen möglich, sagt Freudenberg. „Die Ehrenamtlichen machen viel, das deckt aber nicht den Bedarf.“ Auch dieses Gespräch ist nur mit Übersetzern möglich.

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Sabine Vollmer erklärt, wie wichtig zudem eine sinnvolle Beschäftigung sei. Der AK „Willkommen“ hat jetzt der Landesregierung eine Resolution übergeben mit der Forderung, jugendlichen Flüchtlingen über 18 den Schulbesuch zu ermöglichen (wir berichteten). „Unsere Leute sind hoch motiviert“, sagt Vollmer, „und sie haben viele Kenntnisse, etwa als Koch, im Landschaftsbau und in der IT-Branche, aber keine Ausbildung in unserem Sinne.“ Selbst Betriebspraktika seien nur eingeschränkt möglich. Michael Bußer will keine falschen Hoffnungen wecken: „Ich kann nicht versprechen, wie es mit jedem weitergeht. Das entscheide nicht ich. Doch sollte ein Problem auftreten, das die Stadt nicht lösen kann, werde ich mich in Wiesbaden darum bemühen.“

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