Sanierungsbedarf: rund 200.000 Euro

Stadtmauerturm: „Schon Putzteile abgefallen“

Südöstlicher Eckpfeiler der Seligenstädter Stadtbefestigung, im Jahre 1462 vom Kloster erbaut: Der historische Pulverturm „pfar bolwergk“ auf dem Friedhof ist sanierungsbedürftig.
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Südöstlicher Eckpfeiler der Seligenstädter Stadtbefestigung, im Jahre 1462 vom Kloster erbaut: Der historische Pulverturm „pfar bolwergk“ auf dem Friedhof ist sanierungsbedürftig.

Seligenstadt - Er zählt zu den beeindruckenden Zeugen der Seligenstädter Geschichte und wird deshalb zum Problemfall: Am Stadtmauerturm „pfar bolwergk“ auf dem Friedhof nagt der Zahn der Zeit. Sanierungsbedarf: rund 200.000 Euro. Von Michael Hofmann

Geschichte wiederholt sich - auch in Seligenstadt. Im Jahre 2009 stellte das städtische Bauamt am Stadtmauerturm „Muhlaul“ am Mainuferweg erhebliche Schäden fest, in den Jahren 2011 und 2012 folgten umfangreiche und kostspielige Sanierungsarbeiten. Nachdem der alte Pulverturm schließlich von Gerüst und Schutznetzen befreit war und wieder in neuem Glanz erstrahlte, hatten sich die Kosten auf rund 215.000 Euro summiert. Auf Grund dieser Erfahrungen hatte das Bauamt der Stadt im Herbst 2014 das Fachbüro Huther und Karawassilis Bauplan (Rödermark) mit der Begutachtung des „pfar bolwergk“ auf dem Friedhofsgelände beauftragt. Ein aktueller und umfangreicher Magistratsbericht mit Schadenskartierung liegt inzwischen vor. Nach der Einschätzung des Fachbüros entspricht der Sanierungsbedarf dem des Stadtmauerturms Muhlaul: „Neben größeren Putzflächen, die lose vor dem Mauerwerk stehen, sind auch bereits Putzteile abgefallen. Ebenso sind Schädigungen an der Balustrade festzustellen.“

Der Magistrat befasste sich Anfang November 2014 mit der Thematik, erhielt Ende März 2015 weitere Erläuterungen des Fachbüros. Da der Turm nicht eingerüstet ist und im Doppelhaushalt 2015/2016 keine Mittel veranschlagt sind, soll ein Steiger bei einer Befahrung die Schwere der Schädigungen näher begutachten. Sobald Ergebnisse vorliegen, soll die Verwaltung unaufgefordert wieder informieren. Doch auch der 22-seitige Sanierungsvorschlag des Fachbüros ist schon recht aussagekräftig. Die Voruntersuchung ergab Indizien dafür, dass bei früheren Reparatureinsätzen in gleicher Weise vorgegangen wurde wie bei der (etwas größeren) Muhlaul. Da vom „bolwergk“ keine Planunterlagen existieren, erstellte das Fachbüro ein Aufmaß. Nach einer Besichtigung zusammen mit dem Institut für Steinkonservierung (IFS; Mainz) im Sommer 2014 wurde festgelegt, dass eine Sanierung in Anlehnung an die Muhlaul erfolgen soll - in Absprache mit IFS und Denkmalschutz.

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An konkreten Maßnahmen schlagen die Experten die Entfernung aller Putzteile, auch die der Balustrade, am Turmzylinder vor. Auch sollen alle Fugen der Natursteinwandfläche ausgeräumt und erneuert werden. Der Putz soll auch von den Helmflächen entfernt, die dortigen Fugen erneuert werden. Die Helmspitze soll untersucht, die Eisen- durch Edelstahlklammern ersetzt werden. Hinzu kommen die Abdichtung der Balustrade und die Erneuerung der Entwässerung. Sorgfältig saniert werden sollen die drei Türen (Originale), zu bewahren gilt es die Holzbalkendecke. Nach der Denkmaltopographie des Kreises Offenbach wurde der Wehrturm „pfar bolwergk“ als südöstlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung im Jahre 1462 vom Kloster erbaut. Es handelt sich um einen „Rundturm mit spitzem, kegelförmigem Helm aus Stein und auf Rundbögen mit Konsolen vorkragendem achteckigem Umgang; im Mauerwerk kleine Lichtöffnungen, Schießscharte, Türgewände mit Eselsrücken (Bogen mit geschweiften Kanten). 1521 pfar bolwergk genannt nach der Lage der ehemaligen, 1817 abgerissenen Pfarrkirche; heute wie der fast gleiche, weiter nördlich am Main stehende Rundturm als Pulverturm bezeichnet.“

Nach Angaben von Huther und Karawassilis folgte um das Jahr 1909 eine Sanierung, in deren Verlauf eine Ziegelbalustrade eingebaut wurde. Anfang der 1960er Jahre stand eine weitere Restaurierung auf dem Programm. Damals überputzten Handwerker den Helm des Turms und erneuerten die Ziegelbalustrade.

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