Große Mehrheit für neuen Straßennamen/Verärgerung über Linken-Initiative

Umbenennung beschlossen: Asklepios-Klinik in Seligenstadt liegt künftig an der Asklepiosstraße

Umbenennung beschlossen: Die Asklepios-Klinik liegt künftig an der Asklepiosstraße.
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Die Asklepios-Klinik liegt künftig an der Asklepiosstraße.

Ideologielastige Grundsatzdiskussionen wirken in Kommunalparlamenten immer wieder wie Brandbeschleuniger. Das konnten die Besucher der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung am Montagabend gut beobachten, als es um eine vermeintlich völlig unstrittige Straßenumbenennung ging.

Seligenstadt – Die Taufe des südöstlichen Streckenabschnitts der Rodgaustraße zwischen Dudenhöfer Straße und Zufahrt zum Krankenhaus in Asklepiosstraße war ausgemachte Sache. Schon bei der Präsentation des neuen Klinik-Bettenhauses Ende Juni hatte Bürgermeister Daniell Bastian die geplante Namensgebung auf der Grundlage eines Magistratsbeschlusses bekanntgegeben - Anerkennung für einen allseits geschätzten Gesundheitsstandort. In der der Stadtverordnetenversammlung vorausgehenden Ausschuss-Runde gab es zum entsprechenden Magistratsantrag kaum Wortbeiträge. Doch in der Parlamentssitzung am Montagabend übte Linken-Politikerin Nicole Kirchner plötzlich Kritik an der Namensgebung und zauberte einen Änderungsantrag aus dem Ärmel. Statt Asklepios, ihrer Ansicht nach eine nicht gerechtfertigte Hommage an den Konzern, schlug sie Florence Nightingale als Namenspatronin vor, die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege. Und schon war das Feuer gelegt.

Ihre Initiative, so Kirchner, richte sich nicht gegen Ärzteschaft und Pflegekräfte, gleichwohl hätten sich auch Personalkräfte in - nicht repräsentativen - Gesprächen gegen die Asklepiosstraße ausgesprochen. Da sei die geplante Namensgebung „für mich nicht das richtige Zeichen“.

CDU-Politiker Thomas Lortz gab sich keinerlei Mühe, seine Verärgerung zu verbergen, sprach „von einem fragwürdigen ersten inhaltlichen Aufschlag“ des linken Parlamentsneulings in Seligenstadt. Kirchners „angedeuteter Klassenkampf“ münde in eine pauschale Konzern-Diskreditierung, die auch die in der Coronakrise extrem geforderten Klinik-Mitarbeiter treffe. „Dabei sollten wir froh sein, dass der Kreis Offenbach einen so starken Partner hat.“ Kirchner, so Lortz weiter, lasse das Bekenntnis zum Klinikstandort Seligenstadt vermissen, verkenne völlig, dass Asklepios als starker privater Investor die um das Jahr 2002 kriselnden Kreiskliniken in Seligenstadt und Langen gerettet habe. Ohne Asklepios, so Lortz weiter, hätte der Klinik-Standort Seligenstadt damals wohl kaum überlebt.

CDU-Fraktionschef Oliver Steidl verwies darauf, dass Straßenumbenennungen Seltenheitswert haben und dass in diesem speziellen Fall die Initiative gar nicht aus den politischen Gremien, sondern von niedergelassenen Ärzten, Mitarbeitern und Patienten komme, die für ihre „Bürgerinitiative Asklepios-Straße“ warben und eine umfangreiche Unterschriftenliste beifügten. Galina Tchirkov, Fachärztin für Allgemeinmedizin, und eine der Initiatorinnen der BI, hatte darauf verwiesen, dass das Engagement von Ärzten und Mitarbeitern gewürdigt werden solle. Namensgeber solle demnach nicht der Konzern, sondern der Gott Asklepios sein, Sohn des Apoll und Gott der Heilkunst.

Dieses Ansinnen, so Steidl weiter, sei nur zu unterstützen, Ärzte und Mitarbeiter hätten vor allem in den schwierigsten Corona-Zeiten „Gutes geleistet. Jeder, der Hilfe benötigte, wurde in der Asklepios-Klinik behandelt.“

Auch Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) war empört über die Linken-Initiative: „Diese Debatte ärgert mich schon sehr“. Zwei Monate lang sei der Magistrats-Antrag auf Umbenennung des Straßenabschnitts im Geschäftsgang gewesen, es habe also Zeit genug bestanden, um die Diskussion in Ruhe zu führen. Aber auf den letzten Drücker und dazu noch mit umstrittenen Aussagen einiger Klinik-Mitarbeiter - das sei am Abend der Abstimmung nicht akzeptabel.

Unterstützung fand Kirchner allerdings bei den Grünen. Frederick Kubin sprach mit Verweis auf die Konzern-Problematik davon, dass nunmehr ein „Präzedenzfall bei der Straßenbenennung“ geschaffen werde. „Mit welchem Argument benennen wir den Straßenabschnitt vor der Klinik um, ohne es nicht anderen Unternehmen, die sich bestimmt in vielfältiger Weise in Seligenstadt einsetzen, gleich zu tun?“

Bei der Abstimmung fand der Magistrats-Antrag die Zustimmung von CDU, FDP, SPD und FWS, Linken-Politikerin Kirchner und die Grünen votierten dagegen. Mit diesem doch eindeutigen Ergebnis hatte sich die Linken-Initiative erledigt. (Michael Hofmann)

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