Schüler an Babenhausen verloren

Steigende Nachfrage nach gymnasialer Bildung

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Durch die Zusammenlegung der Hans-Memling- und der Matthias-Grünewald-Schule entstand zum Schuljahr 2009/10 die Emma-Schule. Beide Grundschulen wurden zu Beginn des Schuljahres 2012/13 im neuen Gebäude an der Giselastraße untergebracht.

Ostkreis - Den aktuellen Schulentwicklungsplan (SEP) hatte der Kreis Offenbach im Jahr 2006 beschlossen. Die Neuauflage 2018 liegt derzeit als Beratungsexemplar vor.

Das Zahlenwerk geht für die nächsten Jahre von steigenden Schülerzahlen aus, allerdings lässt sich die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung kaum belastbar prognostizieren. Ein Blick auf den Ist-Stand und Prognosen für Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen.

Der bauliche Zustand der 85 Schulen im Kreisgebiet ist nach den Sanierungsprogrammen der vergangenen Jahre so gut wie kein Thema. Anders sieht es beim Punkt Erweiterungen aus. Ein Anstieg der Geburtenraten sowie der Zuzug junger Familien in die Rhein-Main-Region führen „zu sprunghaft steigenden Schülerzahlen“, stellt Landrat Oliver Quilling im Vorwort zum neuen Schulentwicklungsplan (SEP) für die allgemeinbildenden Schulen fest. Neue Wohnbauflächen wie in Mainhausen sowie Siedlungsverdichtungen in nahezu allen Kommunen tun ihr Übriges.

Die demografische Kehrtwende, die sich seit wenigen Jahren abzeichne, stelle den Kreis als Schulträger vor neue Aufgaben. Nachdem in der Vergangenheit noch Schulschließungen diskutiert – und in Seligenstadt auch vollzogen wurden – zeichnet sich nun an einigen Standorten ab, dass bestehende Räume nicht mehr ausreichen. In Seligenstadt ist die ehemalige Hans-Memling-Schule, vor gut zehn Jahren großer Zankapfel und Spaltpilz in der politischen Diskussion, aktuell wieder für eine schulische Nutzung im Gespräch.

Hainburg

Nachdem die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Hainburg lange rückläufig war, ist bei den unter Sechsjährigen nach dem Tiefstand von 2010 wieder eine stete Zunahme zu verzeichnen. Bei den Schülerzahlen rechnet der Kreis mit einem Anstieg auf 1036 im Schuljahr 2023/24 (bei aktuell 926).

In Hainburg gibt es zwei Grundschulen (Johannes-Kepler in Klein-Krotzenburg und Johannes-Gutenberg in Hainstadt) und eine Haupt- und Realschule (Kreuzburgschule). Für Klein-Krotzenburg, wo sich die Jahrgangsbreiten auf nahezu gleichbleibendem Niveau bewegen, werden nur gemäßigte Steigerungen erwartet, die die Dreizügigkeit der Grundschule nicht überschreiten.

Die Johannes-Gutenberg-Schule kann im Stammhaus und in der Dependance jeweils zwei Züge aufnehmen. Die Grundschule wird zum Ende dieses Schuljahres die Form des flexiblen Schulanfangs aufgeben und stattdessen eine Vorklasse einrichten. Für die Dependance plant die Gemeinde Hainburg den Bau eines Betreuungsgebäudes. Bei der Entwicklung der Schülerzahlen sieht die Prognose wie folgt aus: Diese steigen von aktuell 279 auf 389 im Schuljahr 2023/24.

Der Hauptschulzweig der Kreuzburgschule verzeichnet derzeit fast keine neuen Schüler aus Hainburg (drei Prozent im Schuljahr 2015/16, zwei Prozent 2016/17). Insgesamt nahm die Schule zuletzt noch 30 Prozent eines Jahrgangs der Standortkommune auf.

35 bis 40 Prozent eines Schülerjahrgangs aus Hainburg besuchen weiterführende Schulen in Seligenstadt, etwa 30 Prozent wechseln in der Jahrgangsstufe fünf zu öffentlichen und privaten Schulen außerhalb des Kreisgebietes. Dieser höchste Wert unter den Kommunen im Kreisgebiet ist auch dem nahegelegenen Kreuzburggymnasium in Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis) geschuldet. Laut SEP ist die zukünftige Entwicklung der Kreuzburgschule davon abhängig, ob es gelingt, die Aufnahmezahlen wieder zu steigern und einen durchgehenden Hauptschulzweig auszubilden.

Mainhausen

In Mainhausen rechnet die Gemeinde vor allem durch das Neubaugebiet auf dem ehemaligen „manroland“-Gelände in Mainflingen mit einem Anstieg der zuletzt sinkenden Zahl an Kindern und Jugendlichen. Der tatsächliche Zuwachs ist jedoch nicht kalkulierbar, heißt es im SEP. Noch geht der Schulträger davon aus, dass die Kapazitäten der beiden Grundschulen ausreichen. Diese sind jeweils zweizügig; das Gebäude der Käthe-Paulus-Schule in Zellhausen ist jedoch für eine Dreizügigkeit ausgelegt.

In der Sekundarstufe besuchen die Schüler aus Mainhausen vornehmlich weiterführende Schulen in Seligenstadt, in geringer Zahl auch die Kreuzburgschule in Hainburg. 20 bis 25 Prozent eines Jahrgangs wechseln an andere Schulen; auffällig sind die Abgänge an die Integrative Gesamtschule (Joachim-Schumann-Schule/Offene Schule) in Babenhausen.

Seligenstadt

In Seligenstadt war die Zahl der Kinder und Jugendlichen trotz eines Bevölkerungszuwachses zunächst rückläufig, steigt aber inzwischen wieder an. Neubaugebiete sind im Backesfeld, im Simmig, im Silzenfeld und im Kleinen Feld ausgewiesen; diskutiert wird zudem die Bebauung Südwestlich des Westrings, die langfristig bis zu 3 000 zusätzliche Einwohner bedeuten könnte.

Ein Anstieg der Geburtenrate ist vor allem in der Kernstadt und im Stadtteil Froschhausen zu beobachten. Konnte die Alfred-Delp-Schule seit dem Schuljahr 2009/10 teils nur einzügige Jahrgänge einrichten, bilden die aktuellen Zahlen die Grundlage für eine stabile Zweizügigkeit. Hält der Zuzug an, könnten dreizügige Jahrgänge nötig sein, die zusätzliche Raumkapazitäten erfordern würden. Aktuell plant die Stadt Seligenstadt den Ausbau der Betreuung an der Froschhausener Grundschule.

An der Walinusschule in Klein-Welzheim sind nur kleinere Schwankungen zu verzeichnen, dort sind die Klassen seit Jahren ein- bis zweizügig. In der Kernstadt schwanken die Geburtenzahlen sehr stark, bewegen sich laut SEP aber im Rahmen der beiden dreizügigen Grundschulen (Konrad-Adenauer- und Emma-Schule). Durch Überschneidungen beim Einzugsgebiet besteht die Möglichkeit, flexibel zu reagieren. Die Sekundarstufe zählt über Seligenstadt hinaus auch Mainhausen und Hainburg zum Einzugsbereich. Dabei zeigt sich eine Tendenz vor allem zum „gymnasialen Bildungsgang“ an der Einhardschule. Einige Seligenstädter Schüler besuchen zum Beispiel die Kreuzburgschule in Hainburg, das Franziskanergymnasium in Großkrotzenburg oder die Marienschule in Offenbach.

Bilder: Schulolympiade in Seligenstadt

An der Merianschule können seit einiger Zeit keine eigenständigen Hauptschulklassen mehr gebildet werden. Auf Wunsch der Schulgemeinde sind die Jahrgangsstufen 5 und 6 seit 2013/14 als Förderstufe organisiert. In der Entwicklung der Schülerzahlen an der Merianschule bildet sich die hohe Nachfrage nach dem Gymnasialangebot der Einhardschule ab. Auch die Abwanderung von Mainhausener Schülern in den Umkreis macht sich bemerkbar.

Im Gegenzug setzt sich am Einhard-Gymnasium die Tendenz zu siebenzügigen Jahrgängen in der Mittelstufe fort. „Das im Jahr 2010 auf die Dauer von zehn Jahren angemietete Erweiterungsgebäude am Schulstandort muss auch nach Ende der Vertragslaufzeit erhalten bleiben“, heißt es deshalb im SEP. Und weiter: „Sollte in den 2020er Jahren tatsächlich eine Entwicklung zu achtzügigen Jahrgängen einsetzen, muss das Sekundarstufenangebot in der Stadt Seligenstadt räumlich und organisatorisch neu betrachtet werden.“ Laut Prognose steigen die Schülerzahlen an der Einhardschule von 1123 im aktuellen Schuljahr bis 2027/28 auf 1462 (und damit von 44 auf 55 Klassen). (kd)

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