WG einmal anders

Schüler als Verbraucher stärken: Warentest-Projekt an Einhardschule

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Die Klasse 9a der Einhardschule gehört zu den bundesweit 100 ausgewählten Schulklassen, die sich an einem Projekt der Stiftung Warentest beteiligen.   Hampe

Seligenstadt - Will ich später mal in einer Wohngemeinschaft leben? Was sind die Vor- und Nachteile? Ein Beitrag zum Thema im aktuellen Heft der Stiftung Warentest war jetzt Grundlage des Politikunterrichts der 9a an der Einhardschule. Von Sabine Müller

Die Klasse ist für das bundesweite Projekt „test macht Schule“ ausgewählt worden, das die Jugendlichen in ihrer Rolle als mündige Verbraucher stärken will. Auf dem Stundenplan der 9a steht „PoWi“. Domenik Paul, Fachleiter Politik und Wirtschaft, verteilt einen Klassensatz März-Hefte der Zeitschrift „test“. Mit dieser monatlich erscheinenden Verbraucherzeitschrift arbeiten die Gymnasiasten in diesem Schuljahr. Ihr Lehrer hatte sich für das Projekt „test macht Schule“ der Stiftung Warentest beworben und den Zuschlag erhalten. Jetzt profitiert die 9a als eine von bundesweit 100 Schulklassen von einem abwechslungsreichen und lebendigen Unterricht auf Basis des Mediums.

Die plus/minus 15-Jährigen sind lebhaft bei der Sache. Der Lehrer hat sie eingangs den Begriff „Wohngemeinschaft“ definieren lassen und die Vor- und Nachteile des Zusammenlebens abgefragt: Mietkosten sowie Haus- und Gartenarbeit können geteilt werden, sozialer Anschluss, aber auch weniger Privatsphäre, mehr Rücksichtnahme und die Gefahr, ausgenutzt zu werden. Etwa Dreiviertel der Klasse hebt den Finger, als Domenik Paul wissen möchte, wer diese Wohnform wählen würde. Im März-Heft von „test“ geht es um „WG einmal anders“: In Städten sind Zimmer für Studierende oft teuer und knapp. Gleichzeitig leben ältere Menschen oft allein. Der Artikel beschreibt, wie ein gemeinnütziges Projekt Jung und Alt zusammenbringt, und dass das Zusammenwohnen gelingen kann, wenn die Bewohner klare Vereinbarungen treffen und ihre Bedürfnisse absprechen. Die 27 Schülerinnen und Schüler lesen den Bericht und ergänzen in kleinen Arbeitsgemeinschaften ihre Pro- und Contra-Listen.

Welche Punkte gehören in den Vertrag der Mietpartner? Aber auch: Wie reklamiere ich richtig oder welcher Datentarif ist für mein Smartphone am günstigsten? Das Schulprojekt kann die Kompetenz der Jugendlichen in Verbraucherfragen stärken. Sie sollen mehr über ihre Rechte und die Konsequenzen von Konsumentscheidungen erfahren, kritisch gegenüber Werbung und Marketing werden. Darüber hinaus stärkt die Arbeit mit „test“ das Medienverständnis der Schüler, sie lernen Texte zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten. „Wir fragen aber auch, ob die Zeitschrift eigene Ziele verfolgt“, erläutert der Fachleiter. Das Thema passt gut in den Lehrplan, in dem „Soziale Marktwirtschaft“ steht. Der Lehrer macht einen eleganten Schlenker zur damit einhergehenden gerechten Verteilung. Wenn die Spanne zwischen Arm und Reich immer größer wird und die Großfamilie zerfällt, kann WG-Wohnen Geld sparen und Vereinsamung verhindern. Auf Pauls Schlussfrage: „Wer kann sich nun eine WG mit Älteren vorstellen?“, gibt es allerdings weniger positives Echo als zuvor. „Es scheint aber nicht ganz abschreckend zu sein“, stellt der Lehrer fest.

Bilder: Abiplakate an der Nell-Breuning-Schule

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