Tierischer Star

Ein Zuchtbulle für 25 Kühe - Bauer Hoffmann „Theo ist schon wieder heiß“

Theos neue Welt: Der 600 Kilo schwere „Klaane“ absolviert seine Ausbildung in einer stattlichen Herde.
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Theos neue Welt: Der 600 Kilo schwere „Klaane“ absolviert seine Ausbildung in einer stattlichen Herde.

Seligenstadt hat einen neuen Star: Zuchtbulle Theo fühlt sich in seiner Herde sichtlich wohl und mausert sich langsam zum Publikumsmagneten – nicht nur bei den Kühen.

Seligenstadt – Eine herumrennende und laut muhende Kuhherde, das ist ein seltener Anblick, schließlich kennt man Kühe doch eher als friedlich grasende Wesen. Aber schon als der Froschhausener Bauer Simon Hoffmann Brot aus seinem Auto holt, setzen sich einige Kühe in Bewegung. Als er dann versucht den Zuchtbullen Theo zu rufen, befindet sich binnen einer Minute die gesamte Herde am Zaun, und Theo ist kaum noch auszumachen.

Dabei ist Theo ein ganz besonderes Tier mit nicht minder besonderen Aufgaben. Theo ist der neue Zuchtbulle der Familie, die nebenberuflich Kühe züchtet, um diese weiterzuverkaufen. „Früh übt sich, was ein guter Bulle werden will“, beschreibt Hoffmanns Vater es passend. Der „Klaane“, der immerhin schon 600 Kilo wiegt, ist gerade einmal 19 Monate alt und lebt erst seit einem Monat auf dem Hof der Familie Hoffmann. Trotzdem ist er bereits seit einem Monat fähig, Kühe zu befruchten. In seiner Herde hat er sich nach einem ersten Beschnuppern gut eingelebt - versucht sogar bereits während der Fütterung eine Kuhdame zu besteigen.

Zuchtbulle Theo in Seligenstadt: Äpfel nur für ihn

Das Einzige, was Theo wohl vermisst, sind Äpfel. Denn am Waldmichelbacher Hof in Bessenbach (Spessart), von dem er stammt, gibt es eine große Obstplantage. Damit Theo also auch in Seligenstadt nicht auf seine Äpfel verzichten muss, wird er nun regelmäßig damit gefüttert. Das ist allerdings die einzige Extrawurst, die er bekommt. Ansonsten wird er genauso wie die Kühe gehalten und lebt zusammen mit ihnen auf einer weitläufigen Weide. Rein müssen die Tiere nur, wenn es die Witterung nicht anders zulässt, erklärt Bauer Hoffmann.

In Seligenstadt kommen Theo und die gesamte Kuhherde übrigens sehr gut an, auch wenn er noch gar keine Kälber gezeugt hat. Gerade, weil die Zoos oder die Fasanerie wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, kommen Familien und schauen sich stattdessen die Kuhherde an. Es ist schließlich ein wirkliches Spektakel, eine Kuhherde in Aktion zu sehen. Wildkatzen gibt es in der Region um Seligenstadt zwar auch viele – die scheuen Tiere lassen sich aber nur selten blicken.

Gar nicht so einfach, den guten Theo mal vor die Linse zu bekommen. Mit Futter funktioniert es doch noch.

Zuchtbulle Theo hat in Seligenstadt gewissermaßen einen Traumjob

Noch ist Theo aber nicht der einzige Bulle auf der Wiese, auch die Söhne des letzten Zuchtbullen leben noch dort, werden aber bald verkauft. Spätestens dann wird Theo tun, was er vermag. Und das ist nicht sehr romantisch, also sagen wir mal so: Er wird reichlich Erfahrung sammeln. Die Auswahl ist groß, auf Theo warten 25 Mutterkühen, die er tatsächlich alle beglücken kann. Im nächsten Jahr, nach einer Tragzeit von neun Monaten, sind dann die ersten Kälber zu erwarten. Man könnte jetzt meinen, er habe mit 25 Mutterkühen alle Hufe voll zu tun, aber mit Stress ist Theos Job eigentlich überhaupt nicht verbunden. Er hat schließlich das ganze Jahr Zeit und nimmt sich einfach dann eine Pause, wenn er sie braucht. Noch scheint er überaus motiviert zu sein, da er im Moment jede Gelegenheit nutzt, um sich den anderen Kühen zu nähern. So kann man ihn dabei beobachten, wie er sich sogar vom Fressen ablenken lässt, um einer Mutterkuh hinterherzulaufen. „Er ist schon wieder heiß“, schmunzelt Bauer Hoffmann daraufhin.

Theo wird nun etwa fünf bis sechs Jahre auf dem Hof leben. Danach werden Zuchtbullen ausgetauscht, weil man einerseits Inzucht vermeiden will, der Bulle andererseits aber auch oft sein Wesen verändert und dann nicht mehr ganz so gut zur Herde passt. Theo hat jetzt auf jeden Fall noch genügend Zeit und scheint diese zusammen mit seinen Äpfeln und einer ganzen Herde Mutterkühen ausgiebig zu genießen. (Lucy Gruss)

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