Umgruppierung am Bahnhof in Seligenstadt

Toiletten-Anlage sorgt weiter für Ärger bei Anwohnern

Die neue Rampe am WC-Gebäude ist zu steil.
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Definitiv zu steil: Schon vor Ende der Pflasterarbeiten hat Anwohner Willi Millitzer selbst grob an der Rampe für die WC-Anlage nachgemessen. Zehn Prozent beträgt die Steigung laut Stadt aber nicht - mit mehr als sechs Prozent ist sie aber immer noch über dem erlaubten Maximum.

Seit Februar laufen die Bauarbeiten rund um den Bahnhof. Dort soll in den kommenden Monaten ein ÖPNV-Verknüpfungspunkt entstehen. Doch es ist eine WC-Anlage, die weiterhin für Ärger sorgt.

Seligenstadt - „Ursprünglich war die Anlage in der hinteren Ecke des Grundstücks am Bahnhof geplant. Jetzt steht sie fast direkt an der Straße“, sagt Willi Millitzer. Er ist Anwohner der Eisenbahnstraße und hat das WC nun vor der Nase. Der Grund laut Stadt: Weil der Standort hinter den ebenfalls geplanten Fahrradboxen vor allem für Frauen zu unsicher sei, wurden die Toiletten nach Rücksprache mit der Polizei weiter nach vorn gebaut. Der Eingang liegt nun gegenüber den Wohnhäusern.

Doch es ist nicht nur die ungewollte Nähe, die Millitzer sauer aufstößt. „Wenn man sich den Zugang mal genauer anschaut, sieht man, dass dieser viel zu steil ist“. Zu Beginn der Arbeiten hat er selbst nachgemessen und kam auf eine Steigung von etwa zehn Prozent. „Das ist zuviel und nicht erlaubt“, stellt der Seligenstädter klar.

Steigung an neuer WC-Anlage in Seligenstadt ist zu groß

Ein Problem: „Wenn es regnet, läuft das Wasser bis auf unsere Straßenseite“, sagt Millitzer. Es gebe nämlich auch zu wenig Abläufe im Boden. Doch das viel größere Problem sei, „wenn da jemand seinen Rollator vor die Tür hinstellt – der ist dann weg.“ So richtig gefährlich werde es für die Besucher der Toiletten durch die Steigung vor allem im Winter.

Sein Wunsch an die Stadt deshalb: Die WC-Anlage um 90 Grad drehen. Der Eingang liege dann am Weg zu den Gleisen. Zum einen falle dadurch ein Teil der Steigung weg, zum anderen „wäre dann die Bahn für die Räumung und das Streuen auf dem Weg vor den Toiletten verantwortlich“, sagt Millitzer. Und sicher sei es für die Nutzer auch. „Die Anlage wäre sowohl von den Gleisen, von der Straße als auch von den Bussteigen einsehbar, die den Türen dann gegenüber liegen würden.“

Auch Beleuchtung der WC-Anlage am Bahnhof Seligenstadt laut Anwohnern zu hell

Außerdem löse das Drehen ein weiteres Problem: die Schilder-Beleuchtung. „Das ist nachts wie auf dem Fußballplatz mit Flutlicht“, schimpft Michael Millitzer, ebenfalls Anwohner der Eisenbahnstraße. Ohne geschlossenen Rollladen könne man gar nicht mehr schlafen. „Das Licht strahlt uns Anwohnern gegenüber direkt in die Fenster.“

Bei der Rathausverwaltung ist man um Schadensbegrenzung bemüht. „Wir haben eigentlich nur kleine LED einbauen lassen“, sagt Erster Stadtrat Michael Gerheim. Dass diese sogar schon vor Inbetriebnahme der Anlage den Anwohnern den Schlaf rauben, will aber auch er nicht. „Ich lasse das überprüfen.“ Das gelte auch für die Wasserabläufe.

Stadt Seligenstadt bestätigt: Steigung an Gebäude ist zu groß

Bereits überprüft wurde wiederum der Zugang zu den Toiletten. Dabei kam heraus: „Der Weg zur Anlage ist wirklich zu steil“, gibt Gerheim zu. „Erlaubt sind maximal sechs Prozent, und da liegen wir drüber.“ Deshalb müssen erneut die Handwerker anrücken. „Sie entfernen alle Pflastersteine bis zur Straße und verlegen sie neu.“ Dadurch will die Stadt die Steigung wieder in den erlaubten Prozent-Bereich bringen.

Zusätzliche Kosten fallen durch die nachträgliche Ausbesserung nicht an, erklärt der Erste Stadtrat. „Da hat die Baufirma nicht gut gearbeitet, deshalb müssen die sich jetzt darum kümmern.“ Gleichzeitig geht er nicht davon aus, dass diese Maßnahme zu Verzögerungen bei den Bauarbeiten führt. „Das übernimmt ja eine andere Firma, die restlichen Arbeiten können in der Zeit ganz normal weiterlaufen.“

Neue WC-Anlage am Bahnhof in Seligenstadt wird nicht gedreht

Eine Absage gibt es allerdings für Willi Millitzers Wunsch, die Anlage zu drehen. „Mir wurde mitgeteilt, dass die Toiletten inzwischen innen angeschlossen sind“, sagt Stadtrat Gerheim. „Außerdem sind die Tiefbauarbeiten für die Fahrradboxen auch schon fertig.“ Denn von einer Umgruppierung des Gebäudes wären die anderen Bauvorhaben ebenfalls betroffen: Wege und Fahrradboxen müssten umgeplant oder versetzt werden. Die Kosten für diese Umbauarbeiten blieben allerdings an der Stadt hängen – und das sei aktuell nicht vorgesehen. (Von Julia Oppenländer)

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