Wo keiner schimpft, da lass dich nieder

Toiletten-Anlage am Seligenstädter Bahnhof geht mit einer Drehung erneut auf Reisen

Wird noch mal gedreht: Die neue WC-Anlage am Bahnhof bekommt einen anderen Standort.
+
Wird noch mal gedreht: Die neue WC-Anlage am Bahnhof bekommt einen anderen Standort.

Willi Millitzer hat allen Grund zu Freude: Die direkt vor seiner Nase aufgebaute Toiletten-Anlage am Bahnhof in Seligenstadt wird gedreht. „Ich freue mich, dass es diese bessere Lösung jetzt gibt“, sagt der Anwohner.

Seligenstadt Auch der Erste Stadtrat und Baudezernent Michael Gerheim (SPD) wirkt zufrieden. „Wir haben uns in den letzten Wochen immer wieder mit der Baufirma und dem Ingenieurbüro ausgetauscht. Niemand war letztendlich so recht glücklich mit der aktuellen Situation.“ Deshalb könne er den Ärger der Anwohner auch nachvollziehen. Mit ihnen habe er regelmäßig in Kontakt gestanden, stellt Gerheim klar.

Die Diskussion um das WC-Modul hatte Fahrt aufgenommen, nachdem es nicht an seinem ursprünglich geplanten Standort errichtet wurde, sondern weiter vorne an der Eisenbahnstraße – und damit direkt gegenüber der Wohnhäuser (wir berichteten). Grund waren Sicherheitsbedenken der Polizei, vor allem für Frauen. Für Ärger hatten auch Beleuchtung und Rampen zu den Türen des WC gesorgt. Die Lampen seien zu hell, schimpften Anwohner, die Rampen wiederum zu steil und damit zu gefährlich.

Kran hebt WC-Anlage am Bahnhof noch einmal an anderen Standort

Nun präsentiert Stadtrat Michael Gerheim eine Lösung, die alle Gemüter beruhigen dürfte – auch weil er damit dem Wunsch von Anwohner Willi Millitzer nach einer Drehung des Gebäudes entspricht. „Ein Kran wird die Anlage noch einmal hochheben und zunächst an anderer Stelle absetzen“, erklärt Gerheim. Dann werden die Bodenplatte sowie das Anschlussrohr für die Anlage angepasst, und im Anschluss hebt der Kran die Toiletten an ihren nun endgültigen Standort. „Die Türen zeigen künftig in Richtung Buswendeschleife.“

Damit löse sich auch das Problem der zu steilen Zugangsrampen. Entgegen bisheriger Aussagen darf bei diesen die Steigung nur bei 2,5 Prozent liegen. „Bei der neuen Version liegen wir bei 2,1 bis maximal 2,5 Prozent“, sagt der Baudezernent. Gleichzeitig scheint die Beleuchtung der Anlage nicht länger in die Fenster der Anwohner, um ihnen dadurch den Schlaf zu rauben.

Kosten für WC-Drehung in Seligenstadt liegen im „vertretbaren Rahmen“

Von der erneuten Umgruppierung der Anlage sind die anderen Bauvorhaben in der Nähe außerdem weniger betroffen als zunächst angenommen. So müsse die zweite Reihe der Fahrradboxen etwas näher in Richtung Bahnhof rücken. „Die zusätzlichen Arbeiten halten sich in Grenzen.“

Die Kosten für die Dreh-Maßnahme liegen in einem vertretbaren Rahmen, sagt Michael Gerheim. Sie werden demnach zwischen Stadt, Baufirma und Ingenieurbüro aufgeteilt.

Das Umheben und Drehen der öffentlichen Toiletten ist in den nächsten drei, vier Wochen geplant. Gerheim stellt klar: „Es wird noch mal eine Baustelle entstehen.“ Außerdem verzögere sich dadurch auch die Inbetriebnahme der Anlage – das Bauvorhaben, dort einen ÖPNV-Verknüpfungspunkt entstehen zu lassen, insgesamt aber nicht. (Von Julia Oppenländer)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare