Tour von der Gruft ins Gruselschloss

+
„Gut gebaut und braun gebrannt“: Wolfgang Braun stieg als „Bademeister“ in die Bütt.

Seligenstadt ‐ Alle Mann an Bord und Leinen los! Das Narrenschiff der TGS Seligenstadt hat am Wochenende Fahrt aufgenommen und steuert ab sofort – Volldampf voraus! – auf die weiteren Höhepunkte der kurz-knackigen 2010er-Schlumberkampagne zu. Von Kai Fuchs

Mit dabei sind auch Kinderprinz Kevin nebst seiner Holden Dana: Die beiden Tollitäten („Ihr geht ja schon ab wie die Sau!“), die sich schon seit sieben Jahren kennen, sahen nach ihrer Inthronisierung ein gelungenes, rund sechsstündiges Fassenachtsprogramm.

Ein bißchen Wehmut dürfte sich aber unter den örtlichen Helaupatriotismus geschlichen haben: Manfred Kreis, seit 1978 wortgewaltiger Herr über die närrische Rostra, will die fastnachtliche Richtlinienkompetenz als Elferchef im nächsten Jahr in andere Hände geben (siehe weiteren Bericht).

Weitere Fotos finden Sie hier:

TGS-Sitzung in Seligenstadt

Dennoch gelang den Blau-Silbernen unter den Seligenstädter Narren ein zweifach fulminanter Sitzungsreigen mit einer maßgeschneiderten Kollektion aus Tanz, Musik und Gags.

Standesgemäß wissen bei einem Sportverein die kleinen und großen Bühnenwirbelwinde zu überzeugen. Schön schaurig zeigte sich etwa der 41-köpfige Nachwuchs in einer toll ausstaffierten „Little Horror Show“. Auf der Tanztour von der Gruft ins Gruselschloss von Rocky-Horror-Hero Frank‘n‘Furter, der seine wahre Freude an den kleinen Monstern gehabt hätte, präsentierten die Jüngsten, was sie von Trainerin Alice Schauten gelernt hatten.

Als Kinderprinzessinnenschmiede schon bekannt, zeigten die „Dancing Sisters“ mit Nachwuchstollität Dana in ihren Reihen Höhepunkte aus 30 Jahren Musicalgeschichte. Die Trainerinnen Jessica Benad und Anja Kley hatten dafür gesorgt, dass von „Hair“ bis „Cats“ alles gut über die Bühne ging.

In die Zukunft führte Schautanz der „Lamettas“

Einen tänzerischen Urwald-Mythos nebst zugehörigem Medizinmann zauberte die Showtanzgruppe „Experiences“ in diesem Jahr auf die Bühne: Unter der Leitung von Ira Wenzel hatte die neunköpfige Gruppe kurzzeitig Afrika-Atmosphäre in den Riesen gebracht.

In die Zukunft führte dagegen der Schautanz der „Lamettas“: Die Tänzerinnen überschritten die Grenzen von Zeit und Raum. Auf Kurs gebracht hatte sie Simone Ochs. Motto: „Net von hier – zugezooche“.

„Wehe, wenn sie losgelassen“: In die wunderbare Welt des Tiefbaus entführte das Männerballett der TGS diesmal seine Zuschauer. Die zehn „Men at work“ sahen aber davon ab, die neue Ortsumgehung direkt durch den Riesen zu führen und verausgabten sich stattdessen zur Choreographie von Sabine Ehmig tänzerisch.

Einen nicht nur unter straßenplanerischen Gesichtspunkten steilen Tanzmarsch legte die Elfergarde aufs Parkett. Charme und Granzie, Kondition und Koordination vereinten die elf Damen gekonnt und mit Hilfe von Stephanie Kühn (Choreographie) und Daniela Hell (Trainerin).

„Der Bademeister kriegt es mit.“

Für die Bütten-Fraktion eröffnete Benno Jochheim: Der „Portier aus dem Bundestag“ („Was ist schon lustig an der FDP?“) ließ die Großkopferten aus Politik und Wirtschaft nicht ungeschoren davonkommen.

„Was im Schwimmbad auch geschieht: Der Bademeister kriegt es mit“, wusste Wolfgang Braun als ebensolcher zu berichten. Der Freund von Nixen älteren Baujahrs öffnet die Sauna an gemischten Tagen auch für Protestanten. Im echten Leben ist er schon seit zwölf Jahren bühnenaktiv.

Enrique Iglesias wäre vor Neid erblasst, hätte er Matteo Siddi und Dominik Stadler im Iberer-Outfit gesehen. Die beiden gehören mittlerweile schon zum Inventar der TGS-Sitzungen. Ihr aktuelles Zwiegespräch führte nach Spanien und endete mit einem original Sellestädter Fassenachts-Flamenco.

Doch: „Warum in die Ferne schweifen...?“ Um diese Frage ging‘s bei der Büttenpremiere von Martina Weih und Ingeborg Mohr. Die eine Globetrotterin, die andere heimatverbunden – ihr Pointenduell endete unentschieden und einmütig: „Sellestadt is werklisch toll, sauf ich mich an Fastnacht voll.“ Virtuoser kann man den Reiz der Narretei nicht zusammenfassen.

DDR- und Ossi-Witze

Günter Knies stellte sich als „Hörsteiner Weinkönig“ vor und gab Anekdoten aus einer alten fränkischen Trinkerdynastie zum Besten. Die Aufgaben beim Weinkönigs-Casting löste das Naturtalent mit Bravour. Knies war am Sonntag für Sebastian Reeg eingesprungen, der abends zuvor als „Dicker“ sein Moppel-Ich offenbart hatte.

DDR- und Ossi-Witze hatten Peter Zelder und Susanne Sommer aus der deutsch-deutschen Klamottenkiste geholt: Knapp 20 Jahre nach der Wiedervereinigung plädierten sie im Zwiegespräch zwischen Sellestädter und Sächsin für den Fall der Mauer zwischen eingeboren und „eigeplackt“.

„Hurra, wir leben noch!“ lautete das Motto am Ende einer massiven Schunkelattacke, vorgetragen von den „Heelau-Sisters“. Die Darmstädter Combo unter der Leitung von Stefan Krüger hatte ausreichend Stimmungsliedgut im Gepäck.

Musikalisch grüßten die Mainhäuser „Maastromer“ aus dem Narrenseniorenheim „Aaner geht noch noi“. Die Kombination von vier halbsenilen Altkarnevalisten auf Zimmer 111 und der resoluten Schwester Brunhilda ließ kein Auge trocken.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare