Viel Betrieb auf der Hundeautobahn

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Hundeglück auf dem Trampelpfad: Hier können sich die Vierbeiner frei bewegen und mit Artgenossen in Kontakt treten.

Ostkreis - Lobo hat viele Freunde: Paula, Hugo, Schröder, Kimba, Jannis, um nur einige zu nennen. Sie tollen gerne herum, spielen miteinander, schnüffeln, buddeln, schwimmen im Main. Von Thomas Hanel

Das Glücksrevier für die Vierbeiner: die „Hundeautobahn“ am Mainufer zwischen Mainflingen und Seligenstadt. Dort lassen viele Hundefreunde bei den obligatorischen Gassi-Runden ihre Hunde frei laufen. Der mittlerweile deutlich sichtbare Trampelpfad entlang des Mainufers zeugt davon. „Hunde dürfen sich dort frei bewegen, es gibt keinen Leinenzwang in Seligenstadt“, heißt es dazu aus dem Ordnungsamt.

Konflikte sind natürlich vorprogrammiert. Manche Spaziergänger ärgern sich über die freilaufenden Vierbeiner, haben vielleicht sogar Angst vor den spielenden Hunden. „Ist in Einzelfällen sicherlich nachvollziehbar, aber der Hund muss sich doch mal bewegen dürfen“, sagt Lobos Frauchen. Lobo ist übrigens ein vierjähriger Husky-Rüde – und die rennen besonders gerne. Die Hundebesitzerin, die nicht genannt werden möchte, berichtet aber auch von anderen Geschehnissen auf der „Hundeautobahn“. „Da bleiben sogar Spaziergänger oben auf dem Mainweg stehen, schauen zu und freuen sich, wenn die Tiere glücklich und ausgelassen rumflitzen und miteinander spielen.“

Einzelfälle für das Ordnungsamt

„Es sind Einzelfälle, bei denen wir als Ordnungsamt eingreifen müssen“, weiß die zuständige Erste Stadträtin Claudia Bicherl. Die Stadt hat dann allerdings aufgrund der sogenannten Hundeverordnung die Möglichkeit dazu: Nach individueller Abwägung werden Zwangsgelder gegen Hundebesitzer festgelegt, wenn der Vierbeiner sich gefährlich gegenüber Menschen oder anderen Hunde verhalten hat. „Bei gemeldeten Vorfällen können wir auch Leinenzwang oder Maulkorb anordnen.“

Es seien in der Einhardstadt aber bislang nur kleinere Vorfälle mit aggressiven Tieren bekannt. Das Ordnungsamt reagiere in allen zur Anzeige gebrachten Fällen sofort. Und es gilt: „Hundeführerin oder Hundeführer müssen immer in der Lage sein, das Tier unter Kontrolle zu halten.“ Verständnis zeigt Claudia Bicherl und bringt es in gewohnt eindeutiger Art und Weise auf den Punkt: „Die Viecher müssen ja auch mal rennen dürfen. Aber der Hundehalter muss immer in der Nähe sein.“

„Das Freilaufen ist für Hunde von großem Vorteil“

Dr. Julia Frangipani, Tierärztin in Hainburg, bestätigt dies. „Das Freilaufen ist für Hunde von großem Vorteil. Sie können sozial mit anderen Hunden interagieren. Das Rennen, Stoppen, Starten und Schnüffeln entspricht ihrer Natur und ihrem Bewegungsapparat.“ Sie vergleicht das Leben eines immer angeleinten Hundes mit den Menschen: „Wenn ein Kind immer nur an der Hand von Erwachsenen geführt wird ist dies auch nicht sonderlich förderlich.“ Zudem fördere freies Laufen auch die psychische Gesundheit des Tiers. „Sie lernen durch das freie Laufen, sie lernen durch das Schnuppern.“ Allerdings setzt Dr. Frangipani auch klare Grenzen. „Das Tier muss unter Kontrolle bleiben.“ Gilt gerade jetzt, wenn Bodenbrüter sich um ihren Nachwuchs kümmern. Schließlich brauchen auch Rehe, Hasen und diverse Vogelarten Zeit und Sicherheit für die notwendige Obhut ihres Nachwuchses.

Lobos Frauchen wird es jedenfalls weiter genießen, ihren jungen Husky rennen und spielen zu sehen. Sie ärgert sich vielmehr über rücksichtslose Radfahrer, die den Weg am Main zur Fahrrad-Autobahn mutieren lassen. „Dann beobachte ich viel mehr gefährliche Situationen zwischen Spaziergängern und rasenden Radlern als beim Zusammentreffen von Menschen und Hunden.“ Lobo interessiert das alles nicht: Er will mit Paula, Kimba, Hugo, Schröder und Jannis spielen und toben dürfen.

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