Sicherheit beim Umzug

Narren feiern mit TÜV-Siegel

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Akribisch notiert TÜV-Ingenieur Tino Schwenk alle technischen Daten der Fastnachts-Fahrgestelle.

Seligenstadt - Der größte Rosenmontagszug im Kreis Offenbach hat jetzt ein TÜV-Siegel. Der Ingenieur Tino Schwenk und der Leiter des TÜV Service-Centers in Dietzenbach, Günter Berz, nahmen die Wagen vom Heimatbund unter die Lupe – und attestierten den Wagenbauern gute Arbeit. Von Thomas Hanel 

Winfried Rickert, einer der Chefs vom Team der Wagenbauer in Seligenstadt, ist zufrieden: „Es hat noch nie einen Unfall beim Rosenmontagszug gegeben. Jetzt bekommen wir auf unsere Arbeit noch Brief und Siegel vom TÜV.“ Auch die TÜV-Prüfer sind beim Termin in der Seligenstädter Wagenbauhalle zufrieden. Dort sind zurzeit 23 Motivwagen in Entstehung. „Wir haben optimale Voraussetzungen gefunden, alles ist gut gelaufen“, sagt Diplom-Ingenieur Tino Schwenk. Grundlage für die Überprüfung – selbstverständlich für alle Motivwagen der Fastnacht – ist ein „Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen (…) für den Einsatz bei Brauchtumsveranstaltungen“ vom Bundesverkehrsministerium.

Die Vorschriften gibt es zwar schon seit dem Jahr 2000, sie wurden aber von lokalen Genehmigungsbehörden niemals verpflichtend herangezogen. Winfried Rickert: „Natürlich ist unser Rosenmontagszug und sind alle Wagen immer vom Ordnungsamt abgenommen und freigegeben worden.“ Aber halt ohne den Segen des TÜV. Jetzt hat sich der Seligenstädter Veranstalter des Rosenmontagszugs, der Heimatbund, dazu entschlossen, diese Leistung selber einzukaufen. „Kostet vierstellig“, sagt Rickert, aber es muss halt sein. TÜV-Ingenieur Tino Schwenk: „Wir treten hier als Dienstleister auf.“ Manfred Kreis, Pressesprecher der IG Mittelrheinischer Karneval, kommentiert dies launig. „Da ist halt bei kleineren Vereinen bei der Umsetzung des Merkblatts etwas gebummelt worden. Dass aber auch vorher alles ordnungsgemäß zugegangen ist, daran besteht für mich kein Zweifel.“

Wagenbauer fiebern dem Rosenmontag entgegen

Das Prüfszenario in der Wagenbauerhalle in Seligenstadt ist vielschichtig. Achsen, Räder, Zugvorrichtungen werden unter die Lupe genommen. Zudem steht die Festigkeit der Aufbauten der teilweise über vier Meter hohen und fast drei Meter breiten Motivwagen im Fokus. Wichtig ist unter anderem der Seitenschutz: „Von den Wagen werden Butzjer geschmissen. Es muss gewährleistet sein, dass sammelnde Kinder nicht unter die Fahrzeuge geraten“, so Tino Schwenk. Er überprüft zudem die gesamte Stabilität und die Höhe des Geländers bei den Wagen, auf denen Personen mitfahren. Mindesthöhe ist hier ein Meter.

Auch wenn es bei den oftmals mit weniger als 20 Stundenkilometern dahinzuckelnden Gefährten im Zug übertrieben scheint – Sicherheit muss sein. Dazu gehört natürlich auch die Funktionstüchtigkeit der sogenannten Falldeichselbremsen. Sollte sich tatsächlich einmal ein Wagen von der Zugmaschine lösen, sorgt so die herabfallende Zugvorrichtung des Wagens automatisch dafür, dass die Bremsen des Fastnachts-Anhängers greifen. „Wird genau geprüft“, so Ingenieur Tino Schwenk. Beispielsweise darf die schwere Zugvorrichtung im Falle eines Falles nur bis 20 Zentimeter über den Boden fallen.

Rosenmontag im Schlumberland

Rosenmontag im Schlumberland

Seit Mitte vergangenen Jahres arbeiten TÜV Hessen und Heimatbund an dem Projekt. Der TÜV wird nun ein abschließendes Gutachten erstellen und es dem zuständigen Ordnungsamt zustellen. Dort muss letztendlich entschieden werden. „Darin stehen Prüfergebnisse der Fahrgestelle, dokumentiert mit Fotos.“ Eine Plakette gibt’s übrigens nicht für die drei Dutzend Motivwagen des Seligenstädter Rosenmontagszuges, der auch in diesem Jahr wieder mehr als 100 Zugnummern haben wird. Das Gutachten der Ingenieure von TÜV Service-Center Dietzenbach reicht aus.

Rosenmontag: Umzug in Seligenstadt 2013

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