Grüne sehen Förderverein-Engagement konterkariert

Hans-Memling-Schule: „Übles Spiel“ der Dreier-Koalition

Seligenstadt - Heftige Reaktionen ruft ein Antrag der Seligenstädter Dreier-Koalition aus SPD, FDP und FWS hervor, nach dem der Magistrat in einem Bericht drei „Nutzungsszenarien“ für das leer stehende Gebäude der früheren Hans-Memling-Schule (HMS) zusammenstellen soll. Wie am Wochenende berichtet, zeigt unter anderem die Offenbacher Erasmusschule, eine Privatschule, Interesse.

Mit dem Antrag zur Zukunft der Hans-Memling-Schule demaskiere sich die Regierungskoalition aus SDP, FDP und FWS selbst, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende Natascha Maldener-Kowolik. Seit über einem Jahr arbeite der Verein „Freunde der Hans-Memling-Schule“ hart, „um das Vorhaben, dort ein Bildungs- und Kulturhaus einzurichten, voranzutreiben.“ Zu diesem Zweck sei eine Nutzungsstudie ausgearbeitet worden, in einer Qualität, für die die Stadt, wenn es ein solches bürgerschaftliches Engagement nicht gäbe, einen satten fünfstelligen Betrag an ein Planungsbüro hätte aufwenden müssen“, so die Grünen-Politiker weiter, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins ist.

Bekanntlich will die Koalition den Magistrat mit der Eruierung dreier Szenarien beauftragen: Prüfung der vom Verein vorgelegten Nutzungsstudie; Nutzung des Gebäudes als Privatschule in freier Trägerschaft und ein „gemischtes Bildungs- und kulturelles Konzept“. Enttäuscht zeigt sich Maldener-Kowolik darüber, „dass die Koalition nach Veröffentlichung der Studie keinerlei Maßnahmen ergreifen will, eine Nutzung des Gebäudes als Bildungs- und Kulturhaus in die Wege zu leiten.“ Statt gemeinsam mit dem Verein konkrete Schritte einzuleiten, wolle die Koalition alles Mögliche prüfen und spiele damit auf Zeit. Damit werde den Glauben der Bürger in eine handlungsfähige Politikgestaltung untergraben, die bürgerschaftliches Engagement ernst nehme. Daran ändere auch eine „blumige Antragsbegründung“ nichts, so Grünen-Kollegin Adina Biemüller. „Der Verein ist seit Februar 2017 aktiv, seit August finden regelmäßig Veranstaltungen im Sinne des Nutzungskonzeptes statt. FDP, SPD und Freie Wähler tragen damit Eulen nach Athen.“

Besonders irritiert sind die Grünen „über die Rolle der SPD-Fraktion in diesem üblen Spiel.“ So sei nicht überraschend, dass die Liberalen eine Privatschule propagierten. Allerdings sei es erschreckend, dass ausgerechnet die SPD ein Projekt befürwortet, „das nicht Bildung für alle, sondern Bildung für einige Privilegierte zum Ziel hat.“

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Unterdessen erfährt das Nutzungskonzeptes breite Zustimmung bei der CDU, der der Verein seine Ideen zur Wiederinbetriebnahme des HMS-Gebäudes und zur stufenweisen Nutzung präsentierte. Schließlich seien Vorschläge zu Umbauten unterbreitet worden, um ein attraktives Bildungs- und Kulturhaus zu schaffen. „Es ist Jahre her, dass die Stadtverordnetenversammlung eine Nutzungsstudie in Auftrag gegeben hat. Jetzt hat der Verein diese Aufgabe übernommen und schnell, unbürokratisch und für die Stadt kostenfrei eine Expertise erstellt. Dadurch konnten sicher an die 30.000 Euro für die Stadt eingespart werden“, lobte Stadträtin Claudia Bicherl. Einem aktuellen Antrag der CDU-Fraktion zufolge soll die Stadtverordnetenversammlung beschließen, das Gebäude als Bildungs- und Kulturhaus weiterzuentwickeln und zu nutzen; der Magistrat soll gemeinsam mit dem Verein die Sanierungsmaßnahmen erörtern und regelmäßig darüber berichten. (mho)

Rubriklistenbild: © dpa

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