Ingineursbüro insolvent

Umgehung um Seligenstadt muss neu ausgeschrieben werden

Der dritte Bauabschnitt der Seligenstädter Umfahrung führt auch entlang dieses Gebiets zur L 3065 in Richtung Klein-Krotzenburg.
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Der dritte Bauabschnitt der Seligenstädter Umfahrung führt auch entlang dieses Gebiets zur L 3065 in Richtung Klein-Krotzenburg.

Die Weichen sind gestellt, dann kommt ein neuer Rückschlag. Selbst der Bürgermeister verliert den Mut.

Seligenstadt – Ob er jemals selbst den dritten Abschnitt der Seligenstädter Umgehungsstraße befahren werde, wisse er nicht, sagt Bürgermeister Daniell Bastian. Aus seiner Stimme klingt ein gewisser Fatalismus, denn der Rathauschef ist erst 45 Jahre alt. Nachdem das mit der Planung beauftragte Ingenieurbüro im Juli Insolvenz angemeldet hatte, steht der Baubeginn in den Sternen, denn nun beginnt das ganze Ausschreibungsverfahren wieder von vorn.

Das Projekt steht unter der Federführung von Hessen Mobil, und da verfahre man anders als in Seligenstadt, erläutert der Rathauschef. „Wir hätten ein neues Ingenieurbüro, das die Planungen übernommen und fortgesetzt hätte.“ Anders als die Wiesbadener Behörde, bei der zurzeit auch noch Umstrukturierungen im Gange seien, die für weitere Verzögerungen sorgen könnten.

Besorgt über den erneuten Rückschlag zeigen sich daher auch die Freien Wähler Seligenstadt (FWS). „Es fühlt sich immer nach einer unendlichen Geschichte an, sobald man über eine komplette Ortsumgehung philosophiert“, klagt Vorsitzender Jürgen Kraft.

Im März habe es für den Arbeitskreis eine Informationsveranstaltung zum dritten Bauabschnitt gegeben, erinnert Kraft. „Dabei haben Vertreter von Hessen Mobil den aktuellen Stand und die Aussicht auf die noch ausstehenden Prozesse mitgeteilt.“ Die Runde sei sehr hoffnungsvoll gewesen, da im Herbst 2018 nach langer, EU-weiter Ausschreibung ein Ingenieurbüro mit der Ausarbeitung des Vorentwurfs habe beauftragt werden können. „Ein großer Schritt in die richtige Richtung“ schien gemacht, so Kraft weiter.

Die Insolvenz sei ein „schwerer Rückschlag“ gewesen, so FWS-Sprecher Hagen Oftring. „Wir sind gespannt wie lange sich der Prozess von Ausschreibung und Beauftragung eines Ingenieurbüros hinziehen wird. Leider mussten wir in der Vergangenheit feststellen, dass beim Verkehrsministerium nicht die allerhöchste Priorität auf unserem Projekt liegt.“

Seitens der Einhardstadt seien seit geraumer Zeit alle Weichen in die richtige Richtung gestellt, betont Oftring. „In dieser Sache ziehen alle überfraktionell gemeinsam an einem Strang.“

Die Freien Wähler hätten das zuständige Ministerium schon mehrfach auf die Dringlichkeit hingewiesen und um Erhöhung der Ressourcen gebeten, um zügiger voran zu kommen, erläutert Fraktionsvize Matthias Rupp. Fraktionschef Kraft meint: „Wir haben mit Abschnitt eins und zwei der Ortsumgehung gezeigt, dass die Entlastung des umfahrbaren Stadtgebiets erheblich ist. Doch am Ende führt der Weg wieder durch dicht besiedeltes Wohngebiet.“ Nur mit Vollendung des dritten Abschnitts lasse sich das Gewünschte erreichen.

Die Freien Wähler fordern keinen „übers Knie gebrochenen“, anfechtbaren Entwurf. Vielmehr wünschen sie sich, „dass endlich die Brisanz erkannt wird und die Zahl derjenigen, die am Abschnitt der Ortsumgehung – L 3065 – arbeiten, wächst“, formuliert Kraft die Erwartungen der Freien Wähler.

„Der derzeitige Zeitplan ist absolut inakzeptabel“, befindet Oftring. Es sei auch absehbar, dass in diesem Jahrzehnt wohl kein Auto über eine vollständige Umgehung rollen werde. (Oliver Signus)

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