Urteil am Landgericht Darmstadt

Reisende Profi-Einbrecher müssen in Haft

Darmstadt/Seligenstadt - Wegen schweren Bandendiebstahls in Tateinheit mit Sachbeschädigung sind gestern zwei junge Chilenen am Landgericht Darmstadt zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie sollen im Sommer 2016 in drei Wohnungen in Großostheim, Seligenstadt und Ober-Roden eindrungen sein. Der Schaden liegt bei rund 24 .000 Euro. Von Silke Gelhausen

„Sie sind Teil von professionellen reisenden Wohnungseinbrechern - mit dem Ziel, in möglichst kurzer Zeit in ganz Europa viel Beute zu machen!“ Die Worte der Vorsitzenden Richterin Ingrid Schroff in der Urteilsbegründung sind unmissverständlich. Während die Verteidiger für fast alle Fälle Freispruch fordern, sieht die Sechste Strafkammer keinerlei Spielraum für irgendeine Strafmilderung und die Anklage voll bestätigt. Der 29-jährige Christopher S. muss für fünf Jahre und neun Monate hinter Gitter, sein drei Jahre jüngerer Komplize Anthony B. für vier Jahre und zehn Monate. Beide begangen die Taten unter Bewährung und sind einschlägig vorbestraft. Sie tragen die Kosten des Verfahrens, Wertgegenstände werden eingezogen. Die Kammer folgt damit den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Die Angeklagten sind in Deutschland ohne festen Wohnsitz und nutzten eine Unterkunft im Dietzenbacher Spessartviertel. Dazu die Richterin: „Es war eine verschmutzte notdürftige Bleibe, in der ein Teil der Beute versteckt war. Sie diente einzig dem Unterschlupf für Einbrecher!“ Es habe keine einzige schlüssige Erklärung seitens der Angeklagten gegeben, warum sie in Deutschland und in dieser Wohnung weilten. Geschnappt wurden sie auf frischer Tat in Berlin, überführt durch ein ganzes Indizienbündel sowie Teilgeständnissen als angebliche Beihelfer im Ober-Rodener Fall. Mit den beiden anderen Einbrüche wollen sie dagegen nichts zu tun haben. Videoaufnahmen, Augenzeugen und die polizeiliche Observation sprechen jedoch eine ganz andere Sprache.

Am 25. Juli 2016 erbeuten die Täter in einem Haus in Großostheim 1000 Euro, richten für 1100 Euro Schaden an. Eine Stunde später haben sie ein Anwesen an der Seligenstädter Madame-Cherier-Straße im Fokus. Während der „Hausdurchsuchung“ werden sie von der heimkehrenden Eigentümerin überrascht - flüchten durchs Badfenster. Die Frau nimmt die Verfolgung auf, ein Nachbar kann den Fluchtwagen mit Kennzeichen fotografieren. Ein Bauhofmitarbeiter setzt mit dem dreirädrigen Arbeitsfahrzeug die Verfolgung fort, die Täter entwischen. Die Seligenstädter Familie leidet noch massiv unter den Folgen des Einbruchs.

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Der Ober-Rodener Fall am 2. August 2016 erinnert an eine Krimikomödie. Angetan hat es den Dieben ein über 300 Kilogramm schwerer Tresor, den sie übers Parkett Richtung Terrasse schleifen (Sachschaden rund 20.000 Euro). In der Gartenhütte findet sich eine Sackkarre, damit wird der Tresor an einen nahen Feldweg transportiert. Dort laden sie ihn ins Auto, was zwei Hundehalterinnen nicht entgeht. Sie verständigen die Polizei. Auf der Flucht versagt das Auto, die vier Täter entkommen zu Fuß.

Die Mittäter der Angeklagten wurden teilweise ebenfalls verhaftet oder sind weiterhin flüchtig. Die Größe der Bande ist unklar, die Staatsanwaltschaft schätzt sie auf unter zehn Personen.

Rubriklistenbild: © dpa

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