Notizbuch der Woche

Kommentar: Vaterschaft und Viergestirn

Fast wären wir versucht, der närrischen Zeit entsprechend und etwas schräg im Bild, vom „Welzemer Viergestirn“ zu sprechen, allein das Thema ist zu ernst. So beschränken wir uns darauf, von einer Initiative zu berichten, die in der jüngeren Geschichte der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung wohl beispiellos ist. Von Michael Hofmann

Weil es einige Vereine - wir müssen das so drastisch ausdrücken - schlichtweg verschnarcht haben zum Stichtag 1. Juli 2009 ihre Zuschussanträge aus dem Topf der allgemeinen Vereinsförderung bei der Stadt zu stellen, gehen ihnen stattliche 35 200 Euro flöten. Doch damit wollen sich die Klein-Welzheimer CDU-Fraktionsmitglieder Dr. Benno Grimm, Heinz-Joachim Kunz, Vereinsringchef Michael Rickert und Mathias Stegmann nicht abfinden und fordern in einem Antrag ans Präsidium der Stadtverordnetenversammlung eine Art Kulanzlösung: Säumige Antragssteller, in erster Linie natürlich die „Welzemer“, sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Formblätter bis zum 1. März nachzureichen. Bei dieser Initiative handelt es sich wohlgemerkt um eine Art Stadtteil-Gruppenantrag, nicht aber einen Antrag der CDU-Stadtverordnetenfraktion.

Das klingt spannend und patriotisch, riecht aber für unsere vier Streiter mindestens ebenso stark nach Ärger mit dem Parteiapparat. Und das aus gutem Grund. Denn in der Stadtverordnetenversammlung Ende vergangenen Jahres hatte das Plenum einstimmig beschlossen, „die Auszahlung der freiwilligen Leistungen an die örtlichen Vereine in diesem Jahr restriktiver zu handhaben“. Demnach, so die Übereinkunft, sollen nur die Vereine bedacht werden, die ihren Antrag auch fristgerecht eingereicht haben. Kaum zu glauben, aber diese Entscheidung brachte der arg strapazierten Stadtkasse merklicher Erleichterung. Statt 122.700 Euro wandern nur knapp 87 500 Euro auf die Vereinskonten. Schön und gut, räumen die vier Welzheimer jetzt ein, doch schließlich sei ja auch bei der Umsetzung des Haushaltskonsolidierungsprogramm Gnade vor Recht ergangen.

SPD und FDP wollen Unions-Vorherrschaft beenden

„Entgegen erster entsprechender Anträge des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung sollen auch diese Zuschüsse (Seniorenweihnachtsfeiern, Seniorenkreise; d. Red.) wie bisher ungekürzt ausgezahlt werden. Weil also das Haushaltskonsolidierungskonzept bei den Zuschüssen an Vereine, Verbände und Organisationen sich nicht auswirken soll, wäre es ungerecht und eine unbillige Härte gegenüber denjenigen Vereinen, Verbänden und Organisationen, nur weil sie ihre Anträge nicht rechtzeitig eingereicht hatten, überhaupt keine Zuschüsse zu zahlen.“ Da ist etwas dran, meinen wir, zumal zu den Leidtragenden wohl verstärkt Vereinsjugendliche zählen und die Seligenstädter Parteien ohnehin bei jeder Gelegenheit das hohe Lied aufs Vereinsengagement singen. Wir sind mächtig gespannt darauf, wie die Stadtverordnetenversammlung auf diese Initiative reagiert.

Nach der SPD will nun auch die Seligenstädter FDP bei der Kommunalwahl 2011 die Vorherrschaft der Union beenden. Und das mit nicht minder markigen Worten: „Wir wollen und werden die absolute Mehrheit der CDU in Seligenstadt brechen“, tönte der neue Ortsverbandschef Daniell Bastian dieser Tage beim Neujahrsempfang der Liberalen. Wollen und werden - das klingt ein wenig nach Pfeifen im Wald für eine Partei, die zugegebenermaßen in vieler Munde ist, dennoch aber nach wie vor zu den kleineren Größen zählt. Außerdem werden´s gegebenenfalls nicht Parteien sein, die eine Veränderung der Machtverhältnisse hier oder sonstwo herbeiführen, sondern immer noch die Bürger mit ihrem Votum am Wahltag. Das scheinen unsere Volksvertreter bisweilen nicht mehr so ganz auseinander zu halten.

Seinen zahlreichen Auszeichnungen und Ehrenbezeichnungen darf Froschhausens Landtagsvize Frank Lortz eine recht ungewöhnliche hinzufügen. Im Verlaufe der feierlichen Eröffnung der Geriatrie-Abteilung in der Asklepios-Klinik erinnerte er daran, dass ihn Dr. Dagmar Federwisch, die Geschäftsführerin der Niederlassung Langen-Seligenstadt, als „Vater der Geriatrie“ bezeichnete. Nun ist dies die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen und unser Landtagsvize bekanntlich kein Mediziner. Auch ist er für sein Alter ja noch ziemlich rüstig. Deshalb sind wir sicher, dass Dr. Federwisch sein Engagement in Wiesbaden zum Bau dieser Abteilung loben wollte.

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