Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge in Froschhausen

Viele wollen helfen

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„Information ist notwendig, über Angenehmes und Unangenehmes.“ Burkhard Müller (links im Bild) vom Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ spricht in Froschhausen über das Thema Flüchtlinge. Im Stadtteil werden derzeit Wohncontainer für Asylbewerber eingerichtet.

Froschhausen - „Diesen Menschen muss geholfen werden“ war der Tenor bei einer Veranstaltung zur Flüchtlingssituation, mit der sich nun auch die Froschhausener befassen müssen. Daneben wurde Kritik an der Informationspolitik der Stadtverwaltung laut. Von Sabine Müller

Die Seligenstädter Kirchengemeinden und der Arbeitskreis (AK) „Willkommen in Seligenstadt“ hatten für Dienstagabend in die Kirche des Nazareners eingeladen. Nur wenige Meter weiter stehen seit kurzem Container, die zu Wohnraum ausgebaut werden. Sichtbares Zeichen dafür, dass auch im Seligenstädter Stadtteil mit rund 4000 Einwohnern Flüchtlinge erwartet werden. Dass 18 Asylsuchende bereits seit ein paar Wochen in einem Haus an der Offenbacher Landstraße leben, war einigen der etwa 100 Besucher, die in die evangelische Freikirche gekommen waren, nicht bekannt. Weitere 20 bis 25 Menschen sollen nun Anfang Juni im Gewerbegebiet Am Sandborn in Containern eine Unterkunft finden, berichtete Jennifer Freudenberg, als Sozialarbeiterin der Caritas für Froschhausen zuständig.

Die Veranstaltung wolle dazu beitragen, eventuelle Ängste, Befürchtungen und Vorurteile abzubauen, hatten die Veranstalter im Vorfeld erklärt. „Information ist notwendig, über Angenehmes und Unangenehmes“, sagte Burkard Müller vom AK „Willkommen“ – „damit die Leute nicht auf die Gasse gehen, weil sie unwissend sind.“ Hausherr Pastor Ingo Hunaeus, Pfarrerin Leonie Krauß-Buck und Pfarrer Holger Allmenröder hoben in ihren Grußworten darauf ab, dass die Hilfe für Fremde Christen- und Menschenpflicht sei. Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams erklärte, Integration sei ein altes Thema in der Stadt. Es brauche neben den Verwaltungsstrukturen aber auch Menschen, die sich kümmern – nicht nur für eine Woche. Denn „wer da ist, hat Angst, dass ihm was genommen wird; die kommen haben Angst, nicht angenommen zu werden.“

Kosovo-Albaner, Eriträer und Syrier

Dass die Flüchtlinge – in Froschhausen bisher Kosovo-Albaner, Eriträer und Syrier – länger oder für immer bleiben werden, musste mehrfach klar gestellt werden am Dienstagabend. Der Kreis Offenbach rechne fürs laufende Jahr mit weiteren 1370 Menschen, sagte die Bürgermeisterin; 112 seien in Seligenstadt zu erwarten, diese Zahl sei jedoch nicht gesichert. Nach Auskunft von Christa Gehring vom Caritasverband Offenbach und Burkard Müller müssen die Asylsuchenden zunächst ihr Anerkennungsverfahren durchlaufen. Wird dieses positiv beschieden, könnten sie eigentlich aus den Auffang-Unterkünften ausziehen – wenn sie denn eine Privatwohnung fänden, was ein schwieriges Unterfangen sei.

Einige Besucher waren zur Veranstaltung gekommen, weil sie konkret helfen wollten. Sie erfuhren vom Fundus im Freiherr-vom-Stein-Ring 21, wo Sachspenden angenommen und ausgeteilt werden. Begegnungsräume und Treffen für Einheimische und Fremde wurden angeregt. Eine Lehramtsstudentin schlug vor, mit Kommilitonen bei Sprachunterricht und Bildung aktiv zu werden, nachdem eine Lehrerin der Alfred-Delp-Schule berichtet hatte, dass ein Flüchtlingskind kein Deutsch spreche. „Wir haben aber keinen Etat für Lehrmaterial.“ AK-Mitglied Hanne Auer stellte in Aussicht, dass Hausaufgabenhilfe und Schulbücher wie in Seligenstadt so auch in Froschhausen organisiert werden könnten. Außerdem brauche die Erwachsenenbildung noch Engagierte: „Die Flüchtlinge bekommen nur 80 Stunden Deutschunterricht, das reicht einfach nicht.“

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Beim Aspekt der Informationspolitik gingen die Meinungen auseinander. Bürger kritisierten, dass die Anwohner nicht vorab informiert worden seien. Die Bewohner der Schildhecke fühlten sich überfahren. Es wurde befürchtet, die Häuser in der Nachbarschaft könnten entwertet werden. Man vermisse Ansprechpartner, vor allem wenn im Zusammenleben Probleme auftauchen sollten. Außerdem wurde nach Krankheiten und Impfstatus der Neuankömmlinge gefragt. Christa Gehring berichtete, dass in der Landesaufnahmestelle in Gießen auch die gesundheitliche Erstversorgung stattfinde.

„Wir haben aus gutem Grund nicht gesagt: Achtung, hier kommen Flüchtlinge“, argumentierte Bürgermeisterin Nonn-Adams. „Das wäre Ausgrenzung.“ Generell müssten die Anwohner des Gewerbegebietes mit jeder Art von Nutzung rechnen. Die städtischen Ämter sowie die Caritas seien Anlaufstellen bei Konflikten. Die Verwaltung sei froh, dass auf dem städtischen Grundstück adäquater Wohnraum geschaffen werde. Der anwesende Bauherr stellte seine Container als Wohnanlage mit Zwei- bis Fünf-Personen-Zimmern vor. „Sie wird Bungalow-Charakter haben, bekommt eine Außengestaltung und wird sich in die Umgebung einfügen.“

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