„Wir kümmern uns ohne Bürokratie“

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Vom Vereinsbüro an der Wolfstraße aus koordinieren Lothar Hillgärtner (links) und Günter Treder die Einsätze des Personals.

Seligenstadt - Er ist einer der mitgliederstärksten Vereine in der Region Seligenstadt - aber viele wissen nicht um das Wirken von „Hilfe füreinander – Seniorenhilfe Seligenstadt“. Von Thomas Hanel

Seit 15 Jahren gibt es die Organisation, am kommenden Freitag wird im Riesen Geburtstag (17 Uhr) gefeiert. Nicht alle der 723 Mitglieder werden kommen können. Die Arbeit ihres Vereins schätzen sie aber alle.

Das Prinzip ist einfach, kommt aus Amerika. Jedes Mitglied gibt auf einem Fragebogen an, welche Hilfs- oder Dienstleistungen es anbieten kann. „Dabei ist die Spannbreite der Tätigkeiten groß“, erzählen Günter Treder und Lothar Hillgärtner, Vorsitzender Stellvertreter der „Hilfe füreinander“. Ob Besuchsdienst oder Begleitung zum Arzt, ob kleinere Reparaturarbeiten im Haus, Behördenkorrespondenz, Haustierbetreuung oder Computerhilfe. Irgendetwas kann jeder und bietet es an.

Beispiele: Bei einer älteren Dame läuft das Spülwassernicht mehr ab. Sie informiert die „Hilfe füreinander“, dort wird ein Mitglied an sie vermittelt, das sich um das Problem kümmert. Oder aber eine Glühbirne muss gewechselt werden, körperlich ist der oder die Bewohnerin nicht dazu in der Lage: „Hilfe füreinander“ kümmert sich darum. Oder es muss ein Kuchen für eine kleine Feier gebacken werden – auch dafür gibt es entsprechendes „Personal“ bei den Mitgliedern. Oder ein Rollstuhlfahrer weiß nicht, wie er einen Arzttermin bewältigen soll. Die Liste der Hilfeleistungen ist lang, mit jedem neuen Mitglied kommen im Idealfall neue Arbeitsbereiche hinzu.

Punktesystem als Bezahlungsmittel

Bezahlt werden die Dienste mit einem Punktesystem. Eine Stunde Arbeit für ein Mitglied gibt jeweils zwei Punkte, die dann für eigene Dienstleistungen eingesetzt werden können. Hat jemand keine Punkte auf seinem Konto, zahlt er zwei Euro pro Arbeitsstunde. Aber nicht an den Ausführenden, sondern an den Verein. „Jeder Verein braucht Geld. So finanzieren wir uns“, sagt Treder. Dabei legen er und Hillgärtner Wert darauf, dass sie den Handwerkern nicht die Arbeit nehmen wollen und auch schon mal Anfragen ablehnen. „Eine komplette Wohnung streichen oder zwei Mal die Woche regelmäßig putzen, das machen wir nicht.“ Einkaufen für Ältere, ein Fahrrad reparieren oder jemanden bei einem Behördengang begleiten – das erledigen sie, getreu dem Motto „Wir kümmern uns ohne Bürokratie“. Und alles ehrenamtlich, ohne Honorar. Organisiert werden zudem Spielenachmittage, Ausflüge, Stammtische und Vorträge, die sich insbesondere an Senioren richten, beispielsweise zum Thema Patientenverfügung.

Im Frühjahr 1997 präsentierte sich der Verein erstmals in der Öffentlichkeit, stellte seine Ziele vor. Unterstützt wurde die Arbeit von Anfang an von Bürgermeister a.D. Rolf Wenzel, seine Nachfolgerin Dagmar B. Nonn-Adams schätzt die Tätigkeit ebenso. 16 Jahre alt ist das jüngste Mitglied, 98 Jahre das älteste, der Altersdurchschnitt beträgt 69,6 Jahre.

Koordiniert werden alle Einsätze, mittlerweile nicht nur in Seligenstadt sondern auch in Mainhausen, vom Vereinsbüro an der Wolfstraße. Jeden Werktag von 10 bis 12 Uhr ist ein Ansprechpartner da, sonst läuft ein Telefon-Anrufbeantworter (06182/200502). Sieben Euro jährlich kostet es, Mitglied zu sein – in diesem echten und reellen „Sozialen Netzwerk“.

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