Einfach weggesehen

Verkehrsüberwachung: Kritik an allzu laschen Kontrollen

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Zwar bremsen die Seligenstädter Kreisverkehrsanlagen allzu nervöse Gasfüße ein, gleichwohl registrierte der Magistrat im Berichtsjahr 2016 fast 5 350 Geschwindigkeitsverstöße. Dabei kamen rund 95.000 Euro an Verwarnungsgeldern zusammen.

Seligenstadt - Aus dem Jahresbericht 2016 über die Verkehrsüberwachung in Seligenstadt geht zwar hervor, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen und Parkverstöße im Trend abnehmen, die Kritik an der allgemeinen Disziplinlosigkeit von Verkehrsteilnehmern hält jedoch an. Von Michael Hofmann

Exakt 13.863 gebührenpflichtige Verstöße - Geschwindigkeitsüberschreitungen, Halt- und Parkverstöße sowie sonstige Verkehrsordnungswidrigkeiten - registrierte der Seligenstädter Magistrat im Berichtsjahr 2016. Tendenz: leicht abnehmend (2013: 16 230). Gleichwohl übte die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung rundum harsche Kritik. So betonte der SPD-Politiker Michael Hollerbach, die diversen Verstöße seien nicht nur durch die Kreisel als effektive Tempobremsen und die großen Parkdecks abgemildert worden, „sondern auch durch Wegsehen bei Ordnungswidrigkeiten.“ So seien die Schutzstreifen für Radfahrer in schöner Regelmäßigkeit zugeparkt, das Rotlicht an der Frankfurter werde ignoriert, ebenso wie der Seitenabstand auf der Würzburger. Doch die Ahndung lasse zu wünschen übrig. Die Nutzung von Wirtschaftswegen führte der passionierte SPD-Radler ebenso an wie abendliches Fahren ohne Licht oder das Ignorieren des Durchfahrtsverbots auf dem Marktplatz. Da sei ein „aktiveres Ordnungsamt“ wünschenswert, aber eines mit Händchen, denn es gehe hier nicht um Abzocke.

Grünen-Politiker Dr. Detlev Debertshäuser listete weitere Sündenfälle auf: Gehwegparker auf der Kolpingstraße, das rücksichtslose Zuparken von Feuerwehrzufahrten sowie die „Elterntaxis“, die ihre Sprösslinge bis vor die Tür der Konrad-Adenauer- und Emma-Schule fahren.

CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann machte hingegen einen gewissen „Übereifer“ bei der Planung aus, der zu einem merkwürdig anmutenden Radweg-Interruptus auf der Frankfurter Straße geführt habe. Die frisch angelegte Stramplerspur ende nämlich recht unvermittelt und „wenig durchdacht“ vor Sparkasse und Bushaltestelle. Dem Radfahrer bleibe da nichts anders übrig, als die stark frequentierte Straße zu queren, um den dortigen Streifen nutzen zu können.

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Aus dem Magistratsbericht geht hervor, dass sich unter den 13.863 gebührenpflichtigen Verstößen fast 5 350 (geahndete) Tempo-Überschreitungen befinden. Halt- und Parkverstöße wurden 8516 Fälle gezählt. Kostenpflichtige Verwarnung wegen sonstiger Verfehlungen (TÜV abgelaufen) setzte es für 161 Verkehrsteilnehmer, Bußgeldverfahren wurden in 784 Fällen eingeleitet. Bei derart vielen Verstößen klingelt natürlich die Kasse im Ordnungsamt: 217.434 Euro kamen zusammen, mit fast 125.000 Euro lagen die Halter-/Park- und sonstigen Verstöße knapp vorn.

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