Biskupski-Motive in der Kirche St. Marien:

Versöhnung durch Kunst

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Maksymilian Biskupski

Seligenstadt - Nie war Versöhnung wichtiger als heute, sagt Maksymilian Biskupski, der seit Jahrzehnten Krieg und Terror mit seinen urwüchsig geprägten Kunstwerken symbolisiert. Von Sabine Müller

Vor Ungerechtigkeit und Gewalt in unserem Alltag könnten wir nicht länger die Augen verschließen. Oder doch? – In Seligenstadt ist seine Wanderausstellung in reduziertem Umfang und nur kurze Zeit zu sehen. „Es gab Widerstand innerhalb der Gemeinde“, erklärt Pfarrer Allmenroeder. Der polnische Künstler ist der Region seit langem verbunden. Er hat sich als Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland engagiert und den Kulturaustausch gefördert. Im Kreis wurden einige seiner Werke erworben. Hier hatte er Mitte der 80er Jahre Zuflucht gefunden vor den Repressalien des kommunistischen Regimes seiner Heimat. Kurioserweise könne er nach dem aktuellen Rechtsruck in Polen unbehelligt arbeiten, berichtet Maksymilian Biskupski während des Pressegesprächs. „Ursprünglich wurden meine Werke aus der Kirche geworfen, obwohl sie gesegnet waren.“

Biskupski, am 1. September 1958 in Warschau geboren, war zu seinem Geburtstag stets konfrontiert mit dem Zweiten Weltkrieg. Ein Großvater sei in Mauthausen ermordet worden, der zweite verschollene vermutlich in Auschwitz, sagt er. Dazu kommt eine tiefe christliche Religiosität. Vor diesem Hintergrund schafft er urwüchsig geprägte Bilder und Skulpturen, die Gewalt, Korruption, Ausbeutung anprangern, kontroverse Diskussionen entfachen, oft verstören. In Seligenstadt sorgte das Bronzemonument „Christus aller Opfer“ im Jahr 1999 für einen Skandal. Der Gekreuzigte, der nackt und zerrissen an Eisenbahnschranken vor der Kirche von St. Marien aufgehängt wurde, provozierte Proteste und Drohungen. „Er wirkt bis heute fort“, glaubt sein Schöpfer.

Jetzt ist Biskupski mit einer Ausstellung unterwegs: Mehr als 100 Kunstwerke, die in Polen und im deutschen Exil entstanden sind. Unter dem Titel „Ikonen der Zeit – Hoffnung und Angst zum Dialog der Kulturen“ prangert der 58-Jährige auf grellen Ölbildern, expressiv bemalten Leintüchern und Collagen Kreuzigungen in allen Völkern, Nationen und Epochen an. Zehn davon hängen bis Ostersamstag an der Westseite der Kirche von St. Marien, dazu sind Tafeln seines Zukunftprojektes „Versöhnungstore“ aufgestellt, das er zusammen mit Jugendlichen im Kreis realisieren möchte. Es ist sein großes Thema: „Kunst kann als Katalysator wirken und Versöhnung schaffen.“

„Der Mensch hat immer Gott getötet, wir kreuzigen andere“, kommentiert Biskupski seine Werke. Die positive Kraft bestehe darin, diese Realität nicht zu vertuschen, sondern sich für das Gute zu entscheiden. In Seligenstadt sei ursprünglich eine dreiwöchige Ausstellungsdauer vorgesehen gewesen, erzählt er, dazu weit mehr Bilder als der jetzige Zyklus zeige. Doch die rot besudelte weiße Jacke, ans Holzkreuz geschlagen, mag nicht jeder vor dem Altar sehen. „Grausamkeit, Nacktheit, Brutalität kann mancher nicht ertragen“, erklärt Holger Allmenroeder. Der katholische Pfarrer ist Maksymilian Biskupski seit Jahren verbunden. Er möchte dessen Idee der Völkerverständigung im Ausdruck aktivierender Kunst unterstützen und vereinbarte eine umfassende Schau in der Osterzeit. „Aber vielleicht habe ich nicht perfekt kooperiert“, sagt er über den Umstand, dass sich Gremien in der Gemeinde dagegen aussprachen. Natürlich müsse niemand diese Werke mögen oder gar schön finden. Allmenroeder sieht sie jedoch als Möglichkeit, Menschen über die Grenzen der Kulturen in Dialog zu bringen. „Oft bekommen wir Ängste, die wir uns anschauen, besser in den Griff.“

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