Viele Raketen im Jubiläumsjahr

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Den Duft der Fastnacht beschrieb Dominik Stadller.

Seligenstadt ‐ Ein Auftakt nach Maß: Vor ausverkauftem Haus zündete der Heimatbund bei den beiden Galasitzungen ein Feuerwerk der guten Laune aus Musik, Tanz, spritzigen Vorträge vor einem Publikum, das den ersten Höhepunkt der fünften Jahreszeit kaum erwarten konnte. Von Thomas Hanel

Mit einem Loblied auf die Freude, die Fröhlichkeit und das Lachen eröffnete Sitzungspräsident Richard Biegel den närrischen Reigen, begleitet von der Geleitssoldaten-Trommlertruppe. Und er lüftete das bestgehütetes Geheimnis der Stadt: Wer ist Prinz, wer ist Prinzessin? Unter dem Jubel des närrischen Hofstaats zogen sie ein, Prinz Uwe I. (Czupalla) mit seiner Prinzessin Anne (Burkard), geleitet von Bürgerwehr, Bürgergarde, Hexen, den Ministern Heinz Stadler und Reinhard Schmid sowie den Pagen Nathalie Czupalla und Veronika Sommer.

Musikalisch ist er, Germania 03-Sänger Prinz Uwe. Mit zwei Gesangsvorträgen stellte er sich seinen Untertanen vor. Und lüftete seinerseits ein Geheimnis: „Als gebürtiger Dudenhofener hätte ich nie gedacht, Prinz zu werden in der Sellestädter Fasse nacht.“ Allerdings ist er vor zwei mal elf Jahren in die Einhardstadt gezogen – was sozusagen der närrischen Schlumber-Weihe gleichkommt. An seiner Seite Prinzessin Anne, seit vielen Jahren aktiv beim Heimatbund. „Ihr Schlumber, ihr glaubt es kaum, heute wird er wahr, mein Prinzessinnentraum“, rief sie den begeisterten Narren zu. In kunterbunten Kostümen stürmten dann Vox Musica die Bühne, die mit Operettenmelodien zu einer närrischen Prinzenhuldigung ansetzten (Leitung Christoph Dombrowski). Zuvor gab es noch eine Überraschung für den „weltbesten Till“ André Rückert, der mit einem riesigen Schokoladenherz geehrt wurde.

Spitze gegen den maroden Zustand des neuen TuS Froschhausen-Fußballplatzes

Was wäre die Seligenstädter Fastnacht ohne das Turmmännchen Jürgen Zöller? Nichts ließ er aus, was die Stadt im vergangenen Jahr bewegte. Humorig, scharfsinnig, ab und zu lästernd, und vor allem witzig kommentierte er Schulproblematik, Stadtwerkegelände, Umgehungsstraße und Fluglärm. Dabei konnte es sich auch eine Spitze gegen den maroden Zustand des neuen TuS Froschhausen-Fußballplatzes nicht verkneifen: „Der Platz, auf dem die Fußballer waren / sieht aus wie nach dem Rennen um den Goldenen Fasanen!“ Die erste Rakete des Abends war fällig. So auch für Dominik Stadler, der den Duft der Fastnacht beschrieb. Toll, wie er gemeinsam mit Bernd Büddefeld, Jutta Burkard und Marie-Louise Czupalla den Lena-Euroversions Hit „Sattelite“ präsentierte. Zuvor tanzte das reizende Heimatbund-Mini-Ballett (Choreografie Heike Rickert und Sonja Zöller) und bewies, dass auch die Jüngsten schon echte Profis auf der Bühne sind. Sowie auch das Midi-Ballett (Choregrafie Lisa Zöller und Inka Peitz), das Nenas „99 Luftballons“ darbot – sogar mit Live-Gesang der kleinen Anna-Lena.

Bilder der Galasitzung

Heimatbund startet mit Galasitzungen

Von den Widrigkeiten des Studentenlebens berichteten Jasmin Nürnberg und Jutta Burkard. Neben dem Lehrstoff standen natürlich die Männer im Mittelpunkt. „Brauchst Du neue Papiere / musst Du nur ein bisschen schmiere“ wünschten sich die „Pepperonchinis“ augenzwinkernd ein wenig mehr italienische Momente im braven Städtchen Seligenstadt. Markus Bayer, Simone Stadler, Bärbel Sommer und Udo Sommer verschonten in ihrem launigen Vortrag auch Heimatbund, Löffeltrinker und Erste Stadträtin Claudia Bicherl nicht – das Publikum raste. Und Sitzungspräsident Biegel wurde kurzerhand in „Ricardo Biegoletto“ umbenannt.

Das Publikum tobte

Die Moritat ist nicht wegzudenken aus der Fastnacht. Und Jürgen Zöller, Wolfgang Wettig sowie Willi Beike ließen nichts aus, was Seligenstadt bewegte. Jedes Jahr ein Genuss – zumindest für das Publikum, das auf Kosten so mancher bekannter Seligenstädter herzhaft lachen konnte. Ein Jahrgangstreffen besonderer Art schilderten sehr humorig Monika Höfling und Manfred Störger – feine Dame trifft indischen Guru. Einfach Klasse. Wie auch das Heimatbund-Ballett II (Choreografie Jenny Bergmann, Tatjana Vettermann, Katrin Stütz), das als Geheimagenten den Saal „rockte“. Mit 75 Jahren Heimatbund beschäftigte sich Gerhard Kemmerer als „letztes lebendes Gründungsmitglied“. Alle bekamen ihr Fett weg. Ob Fundus-Chef Willi Eiles („Mottenkugelverwalter“) oder Heimatbundchef Biegel. Das Publikum tobte, wieder war eine Rakete fällig. Unterstützt wurde Kemmer gesanglich von Jo Garrecht. Den Saal zum Schunkeln und Singen brachten Thomas Gabriel und Johannes Wallbaum mit einer musikalischen Dreifach-Produktion: deutsches Liedgut trifft italienisches und wird komplettiert von Kölner Karnevalsliedern. Das war spitze! Wie auch auch das Heimatbund-Ballett I (Choreografie Vanessa Bagnoli und Katja Dettmer), das mit Michael-Jackson-Musik eine irre Tanzdarbietung präsentierte. Als echter Profi erwies sich einmal mehr Andi „Kühni“ Kühn, der bei seinem Vortrag über das bewegte Leben von Einhard, Emma und Kaiser Karl gleich in drei Rollen schlüpfte. Kompliment auch an die Hofkapelle, das Musikcorps der TGS unter Leitung von Heinz Seipel, das die ganze Sitzung schmissig und perfekt begleitete.

Das Wagenbauer-Ballett glänzte mit einem Sirtaki Showtanz kurz vor dem großen Finale. Lang anhaltender Applaus war der Lohn für die vielen eifrigen Akteure. Und auf einen zufriedenen Richard Biegel wartete noch eine Überraschung: Für zwei mal elf Jahre wurde er zum Ehren-Elferpräsidenten ernannt. Heimatbund – das hat alles viel Spaß gemacht!

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