Herausforderung

Corona-Bilanz: Völlig veränderte Abläufe bei der Feuerwehr

Pflichtausbildung unter Atemschutz und Aufsicht von Alexander Zöller (hinten, rechts) und Thorsten Ott (links): Angepasst an die aktuellen hygienischen Maßnahmen.

Seligenstadt – Nach Bekanntgabe zahlreicher Einschränkungen im öffentlichen Leben vor zwölf Wochen veränderten sich auch die Abläufe bei der freiwilligen Feuerwehr ganz erheblich, berichten Stadtbrandinspektor Alexander Zöller und sein Vertreter Thorsten Ott.

Seligenstadt - Bereits Anfang März setzten sich die Feuerwehr-Experten mit den Verantwortlichen der Stadt unter der Leitung von Bürgermeister Daniell Bastian und Erstem Stadtrat Michael Gerheim zusammen, um die Situation gemeinsam im Verwaltungsstab zu erörtern.

Seit Beginn der Corona-Krise betreten die Mannschaften der Seligenstädter Feuerwehr ihre Gerätehäuser nur noch im Einsatzfall. Den Einsatzablauf hat die Stadtbrandinspektion in Dienstanweisungen gesondert geregelt, um auch alle Kräfte vor einer Ansteckung zu schützen. „Und das war auch notwendig, denn es kam bereits zu über 100 Einsätzen seit März im gesamten Stadtgebiet.“ 

Seligenstadt: Für die Feuerwehr standen Brandeinsätze auf dem Programm

Neben Verkehrsunfällen auf den Stadt- und Landstraßen sowie der Bundesautobahn, Tragehilfen und Unterstützungseinsätze für den Rettungsdienst standen auch Zubringerdienste für den leitenden Notarzt und Brandeinsätzen auf dem Programm. Auch die Auslösung von Brandmeldeanlagen, angebranntes Essen auf einem Küchenherd oder die Unterstützung beim Waldbrand im benachbarten Hainburg sorgten für einsatzreiche Wochen in Zeiten des Virus.

Ein besonderes Augenmerk richtete die Feuerwehr dabei auf die Schutzausrüstung und den Eigenschutz, um sich nicht zu infizieren. Dabei stand Hygiene im Mittelpunkt - während und nach einem Einsatz. „Grundsätzlich werden alle Fahrzeuge nach einem Einsatz gereinigt und desinfiziert. Sie werden auch nicht voll besetzt, damit möchten wir den direkten Körperkontakt verhindern. Zudem ist es verpflichtend, grundsätzlich mit Mundschutz zu einer Einsatzstelle auszurücken.“

Seligenstadt: Für die Feuerwehr fielen Veranstaltungen aus

Wie überall fielen auch bei der Feuerwehr Veranstaltungen aus: etwa der aktive Übungsdienst. Anstehende Lehrgänge sagte die Landesregierung ab. Doch fand sich frühzeitig eine Lösung, um über Computer-Meetings Unterricht anzubieten, damit die Feuerwehr ihren Wissensstand aufrechterhalten kann. Auch die Führungskräfte tagen seither wöchentlich von Zuhause aus online, um über die Stadtbrandinspektion auf dem aktuellen Stand gehalten zu werden. Nachdem die Regierung einige Maßnahmen gelockert hat, überlegten Zöller und Ott, wie sie langsam wieder in den praktischen Teil der Ausbildung einsteigen könnte.

In Vordergrund dabei: die Ausbildung unter Atemschutz. Ein Atemschutzgeräteträger muss nach seiner Ausbildung jährlich einen Streckentest am Feuerwehrstützpunkt Rödermark absolvieren. Dabei muss jeder sich verschiedenen Belastungsübungen stellen. Dies sei aber zurzeit aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Nach Rücksprache mit der Unfallkasse Hessen, den Verantwortlichen der Kreisbrandinspektion sowie den Kreisausbildern Atemschutz sei aber ein alternatives Belastungstraining ausgearbeitet worden, „das unter allen hygienischen Vorgaben und Sicherheitsabständen an den Standorten durchgeführt werden kann. 

Seligenstadt: Die Feuerwehr ist für den Notfall vorbereitet

Dabei testet man die höchste körperliche Belastung bei einem Löschangriff, einer Menschenrettung sowie das Besteigen von Leitern unter Atemschutz.“ Mehrere Zweier-Teams absolvierten den Parcours unter der Aufsicht von Alexander Zöller und Thorsten Ott erfolgreich - eine perfekte Vorbereitung für den Einsatzfall.

„Wir sind sicher, dass eine Reduzierung persönlicher Kontakte zu potenziell weniger Neuinfektionen führt. Und das ist auch das Ziel der Feuerwehr, um die ehrenamtliche Einsatzbereitschaft in allen drei Stadtteilen zu gewährleisten“, bilanziert Thorsten Ott.  

mho

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