Zeichnung zeigt vermutlich Stadtgründer Einhard

Vornehmer Franke in gebeugter Stellung

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So könnte er ausgesehen haben: Aufnahme einer Zeichnung von Einhard.

Seligenstadt - Die schriftlichen Überlieferungen, die es von und über Einhard gibt, geben einige Hinweise auf das Aussehen des Stadtgründers.

Doch wie müssen wir uns Einhard konkret vorstellen, gibt es gar eine bildliche Darstellung? Dieser Frage ist Heimatforscher Thomas Laube nachgegangen. Aus verschiedenen erhaltenen Briefen ist überliefert, das Einhard nicht groß von Gestalt, doch groß im Geiste war. Walahfried Strabo formulierte die optische Erscheinung wie folgt: „jenes Männlein – den seine Körpergröße schien unansehnlich“. In einer Textüberlieferung der „Translatio“ der Heiligen Marcellinus und Petrus aus dem Anfang des zehnten Jahrhunderts war auf Blatt 75 eine Federzeichnung zu sehen, die vermutlich Einhard darstellen soll.

Ursprünglich stammte die Handschrift aus dem Kloster Sankt Arnulf in Metz und kam während der französischen Revolution in die dortige Stadtbibliothek. In diesem Kloster war auch Ludwig der Fromme begraben, der durch seine Schenkung an Einhard den Ort Mulinheim beziehungsweise Seligenstadt erstmals geschichtlich fassbar machte. Diese Handschrift ist allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Aus einem Brief des Seligenstädter Landtagsabgeordneten Jean Philipp Hofmann aus dem Jahr 1925 ist bekannt, dass anlässlich der geplanten 1100-Jahr-Feier der Basilika zwei Aufnahmen der Handschrift mit der Inventar-Nummer 306 von Metz nach Seligenstadt gesendet wurden. Wie sich bei der jetzt vorgestellten Neuübersetzung der Translatio herausstellte, sind diese beiden Aufnahmen die einzigen überlieferten Zeugnisse dieser Handschrift. Selbst die Bibliothek in Metz besitzt keine Kopien der Aufnahmen. Insoweit ersetzen diese Aufnahmen das untergegangene Original.

Mühlentag im Kloster

Dazu gibt es noch die Kopie der erwähnten Federzeichnung. Sie stellt, „wie das lange Haar zeigt, einem dem Laienstande angehörenden vornehmen Franken in halb gebeugter Stellung mit einem Pergamentblatt in den Händen dar“. So beschreibt Karl Esselborn 1927 die Zeichnung. Esselborn geht auch davon aus, dass die Zeichnung den Verfasser des Textes, also Einhard, darstellen soll. Diese Annahme stützt sich auch auf zwei Aufsätze im „Bulletin de la Société d’archéologie et d’histoire de la Moselle“ aus dem Jahr 1886 und in der „Revue de d’Est Nouv. Sér.“ Jahrgang 1879. Da auch diese Zeichnung fast 200 Jahre nach dem Tod Einhards entstanden ist, stellt sie sicherlich eine idealisierte Darstellung dar, die sich aber auf Überlieferungen stützen könnte. Ob dem so ist, gehört zu den vielen Rätseln, die das Leben Einhards aufgibt.

(kd)

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