Neues Konzept der Merianschule

Achtklässler: Vier Tage Schule, ein Tag Beruf

Info-Abend zu den „Mittwochspraktikanten“ (von links): Konrektor Joachim Aßmuth, Katja Jansen sowie ihre Lehrer-Kollegen Dorothee Stork und Dieter Hoffmann.  (c)Foto: Hampe
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Info-Abend zu den „Mittwochspraktikanten“ (von links): Konrektor Joachim Aßmuth, Katja Jansen sowie ihre Lehrer-Kollegen Dorothee Stork und Dieter Hoffmann.

Seligenstadt - Die „Mittwochspraktikanten“ sind ein Teil des neuen Hauptschulkonzeptes an der Seligenstädter Merianschule, mit der die Jugendlichen frühzeitig Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und dabei Kontakte knüpfen sollen.

In einer Informationsveranstaltung erfuhren Schüler und Eltern mehr über den „Praxistag“, der künftig ab Klasse 8 auf dem Stundenplan steht. Nach den Sommerferien geht’s los, dann werden alle Schüler der achten Hauptschulklassen zu „Mittwochspraktikanten“. An jenem Tag gehen sie statt in den Schulunterricht in ein Unternehmen und sammeln Erfahrungen in der Arbeitswelt. Bei einer Info-Veranstaltung erfuhren die jetzigen Siebtklässler und ihre Eltern mehr über den „Praxistag“, der künftig regelmäßig auf dem Stundenplan stehen wird und damit weiter greift als etwa der Girls‘- und Boys‘-Day oder ein Praktikum, bei dem man jeweils nur kurz in einen Betrieb hinein schnuppert.

„Mit dem Modell ‘Vier Tage Schule, ein Tag Beruf‘ hat man die Möglichkeit, verschiedene Arbeitsfelder intensiv kennenzulernen“, sagte Lehrerin Katja Jansen und – an die Schüler gewandt: „Wir möchten, dass ihr euch ausprobiert; guckt, was euch gefällt, aber auch, was euch nicht gefällt.“ Dazu gehört, persönliche Stärken und Schwächen auszuloten.

Jansen setzt gemeinsam mit einer Kollegin und einem Kollegen das Konzept in vier Phasen um, das jeweils unterteilt ist durch die Ferien. Dabei sollen die rund 50 Hauptschüler praxisorientiert lernen, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung beweisen und den Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen üben. „Baut Kontakte auf, vernetzt euch“, forderte Katja Jansen die Schüler auf. „Wenn man sich kennt, darf man wiederkommen.“ Durch diese Art der Vorbereitung auf die Arbeitswelt will die Merianschule den Jugendlichen einen Vorsprung verschaffen, im besten Fall zu einem Ausbildungsverhältnis verhelfen. „Unser Ziel ist, dass ihr sagt: Das mach ich nach meinem Abschluss.“

Martin Bolluck ist so ein „Musterschüler“. Er besucht die sogenannte PuSch-Klasse an der Merianschule, die Neuntklässler mit Lern- und Leistungsrückständen durch die Kombination von intensiver Berufspraxis und Schule doch noch zu einem Hauptschulabschluss führen soll. „Ich habe lange gebraucht, bis ich meinen künftigen Ausbildungsberuf entdeckt habe“, berichtete der junge Mann am Info-Abend, „konnte aber viele Erfahrungen sammeln.“ So waren beim Umgang mit Land- und Baumaschinen Feinmotorik und Kraft gefragt, das Praktikum beim Steinmetz erforderte zudem künstlerisches Geschick und genaues Arbeiten. Letztlich hat sich Martin entschieden, Altenpfleger zu lernen. „Nix für schwache Nerven“, weiß er. Man habe direkten Körperkontakt, sei mit Sterbendem konfrontiert und müsse in Schichten arbeiten. „Aber man kann Menschen helfen, und der Beruf erfährt viel Respekt.“

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Joachim Aßmuth, der die PuSch-Klasse begleitet, ist stolz darauf, dass 50 bis 60 Prozent seiner Schüler in eine Ausbildung entlassen werden. „Berufsorientierung ist ein tolles Wort, es muss aber gefüllt werden“, sagte der Konrektor. Er verwies auf die Anforderungen der weiterführenden Berufsfachschule und warb für eine Ausbildung: „Es gibt 5000 freie Stellen, das Handwerk sucht wie verrückt. Ob man dafür begabt ist, entdeckt man beim Praxistag.“ Eltern und Schule unterstützen die Jugendlichen bei der Suche nach Praktikumsstellen und helfen bei der Bewerbung. Bis zum 6. Juni sollte jeder Schüler eine erste Adresse vorweisen. „Es gibt genug, viele Betriebe sind aufgeschlossen“, wusste Katja Jansen.

Der „Praxistag“ sei Teil des neuen Hauptschulkonzeptes, das an der Merianschule seit Schuljahresbeginn umgesetzt wird, erläuterte sie im OP-Gespräch. Weitere Bausteine: Der Klassenlehrer gibt möglichst viele Unterrichtsstunden und verbringt die Mittagspause mit den Schülern, wenn sich Nachmittagsunterricht anschließt. „So sind wir näher dran und haben mehr Bezug zu den Jugendlichen.“ Informatik, bisher nur als Wahlkurs im Angebot, wird Pflichtfach, und zwischen Textil, Werken und Kochen muss man sich nicht mehr entscheiden, sondern kann sich Fähigkeiten in allen Fächern aneignen. (sam)

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