Trotz kurzer Kampagne

Wagenbauer liegen im Zeitplan

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Seligenstadt - Wenn am Rosenmontag der närrische Lindwurm durch die Fastnachtshochburg Seligenstadt zieht, sind wieder 21 Motivwagen dabei, die in der Wagenbauerhalle des Heimatbundes geschaffen wurden. Von Armin Wronski

Geschätzte 180 Idealisten aller Berufsgruppen werkeln seit Anfang Januar an ihren mobilen Kreationen, die auch die Profis der Karnevalshochburgen am Rhein beeindrucken.

„Wir haben eine sehr kurze Kampagne. Dennoch sind unsere Wagenbauer zwei Wochen vor Rosenmontag voll im Zeitplan. Zum Richtfest am Donnerstag vor dem Fastnachtswochenende ist alles klar“, so der Heimbundvorsitzender Richard Biegel. „Falls es Nachbesserungen geben sollte, werden die am Tag vor dem ,Roll out’ erledigt.“ Bis dahin investieren die Aktiven über 11.200 ehrenamtliche Arbeitstunden. „Sie haben unter anderem 340 Maurerbohlen, drei Kilometer Bretter, Dachlatten und Kanthölzer, 6000 Meter Rundeisen, 20 Rollen Hasendraht, 1,5 Tonnen Farbe, Unmengen an Tapetenkleister sowie Klebeband und drei Tonnen Papier, Zeitungen, Textilien und Holzwolle verbraucht“, hat Winfried Rickert ausgerechnet, der im Heimatbundvorstand den Wagenbau managt. Die Steuerung des Materialflusses in der Halle zu den „Baustellen“ liegt seit Jahren in den Händen von Freddy Funk, als gute Seele in der Wagenbauerhalle geachtet und geschätzt. In diesem Jahr wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: Zu seinem 55. Fastnachtzug verlieh die Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval ihm den Verdienstorden in Gold (Bericht folgt). Für die Tollitäten, Prinzessin Christina und Prinz Thomas ist der Besuch bei den Wagenbauern an den Samstagen um die Mittagszeit Pflicht. Plötzlich verstummen die Hammerschläge und Winkelschleifer, Fastnachtsmelodien erklingen: Freddy Funk schreitet zur Begrüßung des Prinzenpaars. Unter großem Hallo gibt’s Orden und Küsschen für den oder die Stifter des obligatorischen Frühstücks.

Bilder: Wagenbauer werkeln für Rosenmontag

Wagenbauer werkeln für Rosenmontag

Erfreulich: Das Wagenbauervölkchen scheint keinerlei Nachwuchssorgen zu haben. Überall wuseln Kinder umher und sind in der momentanen Bauphase mit Malerarbeiten beschäftigt. Etwa Marlene Glaab (7) von der Gruppe Turmmännchen.

„Mein Sohn Felix hat schon als Zweijähriger im Kinderwagen die Atmosphäre beim Fastnachtswagenbau kennengelernt. Jetzt ist er 13“, erwähnt Vater Gerd Stenger, der mit seinem Filius bei den „Einhardwiwweln“ Hand anlegt. Die Turngemeinde gilt in der Halle als die älteste Gruppe. 1949 erfreuten sie erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg die Menschen im Schlumberland mit einem Fastnachtswagen am Rosenmontag. Nach vorläufigen Heimatbund-Schätzungen sind in diesem Jahr rund 3000 Teilnehmer mit fast 100 Zugnummern dabei.

Wagenbauer erwarten Rosenmontag

Die Wagenbauer setzen für den Rosenmontagszug zum Endspurt an. Insgesamt 23 Wagen sollen schon bald aus der Halle des Heimatbundes rollen. Dafür wird fleißig gewerkelt.

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