Kostengünstige Variante

Betreuung der anderen Art im Waldkindergarten

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Aus Skandinavien stammt die Idee des Waldkindergartens: Die Aktivitäten im „Kindergarten ohne Dach und Wände“ finden bei jedem Wetter statt.

Seligenstadt - Die Einrichtung eines Waldkindergartens könnte weitere, dringend benötigte Betreuungsplätze in Seligenstadt schaffen und eine neue pädagogische Form anbieten, meinen die Stadtverordneten. Von Sabine Müller 

Geschlossen stimmten sie für den Antrag der Koalition, dieses Projekt weiter zu verfolgen. Die CDU-Fraktion spottete allerdings über die „Heiße-Luft-Nummer“: Die Idee ist Bestandteil des aktuellen Kita-Bedarfsplans. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian und die Leiterin des Amtes für Kinder, Senioren, Sport und Kultur, Iris Knies, hatten Anfang Juni den Bedarfsplan für Kindertageseinrichtungen 2017/18 der Presse vorgestellt.

Wie berichtet, steigen Bedarf und Nachfrage nach Betreuungsplätzen in Kitas und Grundschulen mittlerweile schneller als die Stadt bauen und finanzieren kann. Als Ursachen nannten die Verwaltungsvertreter den Zuwachs an Kindern seit 2013 sowie eine verstärkte Nachfrage durch erwerbstätige Mütter. Vor allem im U3-Bereich werden die Plätze knapp. Um den Bedarf zu decken, wären neben den beschlossenen Gruppenerweiterungen in der Kita St. Josefshaus (Kernstadt) und St. Margareta (Froschhausen) zwei weitere Gruppen nötig. Bei den Drei- bis Sechsjährigen prognostiziert der Bedarfsplan für die nächsten beiden Jahre einen jährlichen Zuwachs von 26 Kindern. Der Magistrat schlägt deshalb die „Neuschaffung eines Waldkindergartens unter der Trägerschaft der Awo“ vor, um „eine schnelle und kostengünstige Möglichkeit für 20 weitere Betreuungsplätze zu schaffen“. Im Sozialausschuss hatte Amtsleiterin Knies angekündigt, dass bereits ein Angebot der Awo vorliegt, das bei nächster Gelegenheit vorgestellt werden soll.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die Koalition aus SPD-, FDP- und FWS-Fraktion hatte die Maßnahme aufgegriffen und einen gemeinsamen Antrag eingebracht, den die SPD-Vertreterin Nicole Fuchs in der jüngsten Parlamentssitzung vortrug. Damit wird der Magistrat beauftragt zu prüfen, ob Eltern an einem Waldkindergarten interessiert sind, ob geeignete Flächen dafür zur Verfügung stehen – auch für einen „Schutzwagen“, und in welchem Zeitraum ein Konzept dafür erstellt werden könnte. Zudem soll eruiert werden, welche finanziellen Mittel dafür im Etat vorgehalten werden müssten und wann der Betrieb der Einrichtung starten könnte. „Wir unterstützen diesen Gedanken auch unter dem Aspekt, eine Betreuung ganz anderer Art anzubieten“, argumentieren die Antragsteller und erläutern: Im Waldkindergarten verbringen die Kinder und ihre Erzieherinnen und Erzieher den Alltag außerhalb von Gebäuden und spielen mit Naturgegenständen. In Deutschland ist jedoch auch eine beheizbare Unterkunft wie Bauwagen oder Waldhütte in der Nähe vorgeschrieben, in der sich die Kitamitglieder bei sehr schlechtem Wetter aufhalten können. Für weitere Informationen verweist der Antrag auf einen Link.

Seine Fraktion befürworte den „Schaufenster-Antrag“, erklärte Matthias Eiles, selbst wenn er „eine ziemliche Luftnummer“ sei, da der Aspekt Waldkindergarten ja schon im Bedarfsplan genannt werde. Auch die Grünen hoben die Hand für die Beschlussvorlage. Der Bericht des Magistrats wurde zur Kenntnis genommen.

Kinder im Waldkindergarten jeden Tag draußen

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