„Warten auf das neue Normal“

Corona-Krise: Notizen aus Seligenstadts US-Partnerstadt Brookfield

Mundschutz und Handschuhe müssen die Wahlhelfer in Brookfield tragen.
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Mundschutz und Handschuhe müssen die Wahlhelfer in Brookfield tragen.

Auch Seligenstadts Partnerstädte sind vom Corona-Virus betroffen. Ein Blick nach Brookfield in den USA.

  • Auch tausende Kilometer von Seligenstadt entfernt wütet das Corona-Virus leben
  • In Seligenstadts Partnerstadt in Wisconsin stehen Wahlen an
  • Während der Corona-Krise wird per E-Mail gewählt

Seligenstadt – Drei Partnerstädte hat Seligenstadt, alle in Ländern, die vom Corona-Virus noch stärker getroffen sind als Deutschland. Heute lesen Sie Eindrücke aus dem amerikanischen Brookfield/Wisconsin. Thorsten Bonifer vom Europäischen Freundeskreis Seligenstadt hat sie unserer Redaktion übermittelt. Berichte aus dem französischen Triel-sur-Seine und dem italienischen Piedimonte Matese sollen folgen.

Das Corona-Virus macht keine Unterschiede

Kontakt in die Vereinigten Staaten hält Bonifer per E-Mail, Telefon sowie Videokonferenz. Als „surreal“ beschreibt Harry Farchmin von der Brookfield International Friendship Association das Leben in der 40 000-Einwohner-Stadt und schreibt: „Wir warten auf das neue Normal.“ Erst vor ein paar Wochen war er mit 200 anderen im Theater, danach im Restaurant. „Welch ein Unterschied!“ Jetzt bestehe das soziale Leben darin, „im Wohnzimmer zu sitzen und über irgendetwas zu diskutieren – außer über Covid-19“. Zugenommen haben Telefonkontakte zu Verwandten und der Zusammenhalt unter den Nachbarn. Sie haben eine eigene Facebook-Gruppe gegründet und helfen einander bei Besorgungen.

Bis vorerst 24. April gilt in Wisconsin die Verordnung „Safer at Home“ (Sicherer daheim): Schulen, Universitäten und nicht notwendige Geschäfte sind zu, ebenso die Stadtbibliothek. Alle nicht zwingenden Reisen und öffentliche oder private Versammlungen von mehr als zehn Menschen sind verboten. „Wir dürfen raus zum Sport und zum Einkauf von Essen, Medizin und anderen wichtigen Sachen“, berichtet Farchmin. Bedingung: Zwei Meter Abstand. „Die meisten halten sich dran.“

Die Corona-Krise: „Eine Zeit der Herausforderungen“

Einige arbeiteten zu Hause, „aber nicht jeder kann das“, erläutert er. Alle Unternehmen hätten finanziell zu leiden, viele vorübergehend Beschäftigte entlassen. Einige Restaurants verkauften Speisen zum Mitnehmen oder lieferten frei Haus, andere seien zurzeit geschlossen.

Aus der Verwaltung weiß Steve Ponto von einem weiteren Problem: Am 7. April ist Wahltag in Wisconsin. Die Hoffnung auf Verschiebung hat sich nicht erfüllt. Schon vorab können die Bürger ihre Stimme abgeben. „Wir fordern sie aber auf, per E-Mail zu wählen, und die meisten tun das.“ Am Wahltag selbst gibt es nur ein großes Wahlbüro statt wie sonst sieben. Dafür ist das neue Konferenzzentrum auserkoren. Es ist gerade fertig, aber noch nicht in Betrieb – wegen Corona.

„Es ist eine Zeit der Herausforderungen“, schreibt Steve Ponto an seinen deutschen Freund Thorsten Bonifer. „Aber wir stehen das durch.“ Eins haben er und Farchmin trotz der Krise indes nicht vergessen: Sie grüßen all ihre Freunde in Seligenstadt!

VON MARKUS TERHARN

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