„Was soll denn da fusioniert werden?“

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Vhs-Geschäftsführerin Elisabeth Emadi: Trotz Kernerarbeit und minimalem Aufwand reichen Zuschüsse kaum aus. 

Seligenstadt (mho) ‐ Wenn „die am schlechtesten dotierte Volkshochschule der Region“ mit einer Vhs-Einrichtung in direkter Nachbarschaft konkurrieren muss, die zu den am besten unterstützten gehört, dann treten die Unterschiede und Defizite bei Organisation, Personal, Kursangeboten und Räumlichkeiten offen zu Tage.

Programm-Infos jetzt unter auf der Internetseite der Vhs.

An kaum einer anderen Stelle gerät die stolze Kulturstadt Seligenstädtern ihrer Nachbarkommune Hainburg gegenüber derart ins Hintertreffen. Spurensuche: Die Fallhöhe beim Vergleich der beiden Volkshochschulen (Vhs) sei „seit Menschengedenken so groß“, sagt Seligenstadts Kulturring-Vorsitzender Franz Preuschoff mit Blick auf die Nachbargemeinde. Schon Bürgermeister Willi Brehm habe in den 70er Jahren seine Vhs-Initiative mit dem bezeichnenden Satz kommentiert: „Eine gute Sache, aber Geld dafür kriegste nicht.“ An dieser Grundhaltung, so Preuschoff weiter, habe sich zwar einiges geändert, gleichwohl reiche die Unterstützung für einen angemessenen Vhs-Betrieb in der 22.000-Einwohner-Stadt heutzutage beileibe nicht aus. Da sei die Einrichtung den Kollegen in Hainburg eben deutlich unterlegen.

Die Unterschiede beginnen schon in der Organisationsstruktur: Die Vhs Seligenstadt ist - im Gegensatz zur Vhs Hainburg - keine kommunale Einrichtung, sondern läuft unter der Trägerschaft des Kulturrings. Auch bei der Finanzausstattung ist die Diskrepanz groß: Während die Vhs Seligenstadt seit einigen Jahren 18.354 Euro an Zuschüssen erhält (bis 2002 waren es etwa 12 000 Euro jährlich), können die Hainburger mit satten 35.000 Euro rechnen, die Heusenstammer immerhin noch mit 31.000 Euro. Allerdings haben beide Kommunen die doppelte bis dreifache Anzahl an Kursen im Angebot. Auch dafür gibt's Gründe, sagt Preuschoff: Während die Vhs Seligenstadt die 18.354 Euro in die Miete für „unsere kümmerliche Geschäftsstelle“ an der Steinheimer Straße und die Bezahlung einer Teilzeitkraft stechen müsse, werde die organisatorische Vhs-Arbeit in Hainburg in Gänze in der dortigen Gemeindeverwaltung erledigt. „Deshalb fließt dort das ganze Geld als Subvention in die Kurse.“ Die Seligenstädter um ihre Geschäftsführerin Elisabeth Emadi leisteten zwar Kernerarbeit, versuchten den Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren, dennoch reiche das Geld kaum aus. Eine Subventionierung der Kurse sei schlicht nicht drin. Und das hat Auswirkungen: „Sämtliche Veranstaltungen finden nur dann statt, wenn sie kostendeckend sind, das heißt, wenn über die Teilnehmergebühr das Honorar des Dozenten erzielt wird“, so der Magistrat in einem aktuellen Bericht. Da unter diesen Umständen Kurse ausfallen können, „laufen auch schon mal die Leute weg“, sagt Preuschoff. Dabei sei nicht nur die Bezahlung der Dozenten und Hausmeister zu beachten, sehr problematisch sei zudem „die mühsame Suche nach Räumen“. Auch die Schulen seien nicht immer begeistert, vor allem, wenn es sich um ihre Fachräume handelt. Inzwischen hat die Vhs im neuen Nachbarschaftshaus Kapazitäten erhalten.

Kooperation mit Vhs-Hainburg „blauäugig“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Boten die Seligenstädter etwa im Jahre 2009 54 Kurse an und registrierten 406 Belegungen, hatte das deutlich kleinere Hainburg (14.434 Einwohner) 246 Kurse im Angebot, an denen sich 3917 Interessenten beteiligten. In Heusenstamm (18.155 Einwohner) standen 2009 immerhin 154 Kurse zur Auswahl, an denen sich 1604 Personen beteiligten.

Einer Initiative der Seligenstädter FDP, eine Vhs-Neukonzeption zu erarbeiten, womöglich gar „die Kooperationsmöglichkeiten mit der erfolgreichen Vhs Hainburg“ auszuloten, steht Preuschoff abweisend gegenüber, nennt das „mehr als blauäugig“.

Zum einen sei aufgrund der „asymmetrischen Verankerung“ beider Einrichtungen kaum ein Ansatzpunkt zu finden: „Was soll da fusioniert werden?“ Auch habe er seine Zweifel, ob das umfangreiche Sport- und Gesundheitsangebot der Hainburger den gewünschten Anklang findet - immerhin böten auch zahlreiche Vereine in der Einhardstadt entsprechende Kurse an. Die Vhs sei ohnehin an anderen Angeboten interessiert. Ob die Hainburger fusionswillig seien, sei zudem eher unwahrscheinlich. Für Preuschoff gibt's nur einen sinnvollen Weg: eine Seligenstädter Lösung. „Wir treten nicht als Fordernde auf. Aber wenn die Vhs aufgewertet werden soll, benötigen wir Finanzmittel. Verbessern muss sich auch die Raumsituation samt deren Ambiente. Wir schauen immer nach Neu-Isenburg oder Egelsbach - dort hat die Vhs Räume zur eigenen Nutzung.“

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