„Weibliche Immobilität“

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Zwei Offenbacher Künstlerinnen eröffnen die Ausstellungssaison im Landschaftsmuseum: Margret Baumann zeigt „Glasperlenspiele“, und Andrea Plefka präsentiert Aquarelle als „Kleine Momente“.

Seligenstadt ‐ Mit zwei Offenbacher Künstlerinnen eröffnet das Landschaftsmuseum die Ausstellungssaison 2010. Die Kommunikations- und Kunstwissenschaftlerin Margret Baumann präsentiert mit „Glasperlenspiele“ eine hintergründige Stellungnahme zu weiblichen Handarbeitstechniken. Von Armin Wronski

Die Designerin, Grafikerin und Illustratorin Andrea Plefka entführt mit ihren Bildern „Kleine Momente“ in die anspruchsvolle Welt des Aquarells. Margret Baumann erlernte Sticken, Stricken, Häkeln, Nähen, Filzen oder das Herstellen von Perlarbeiten von Frauen aus ihrer Familie und beherrscht diese traditionellen Techniken heute mit großer Virtuosität. Sie wisse jedoch auch um Handarbeit als Mittel der „Disziplinierung“ und als Ausdruck „weiblicher Immobilität“, so Margret Baumann. Das mache ihre Arbeiten so interessant. Handwerkliches Können und umfangreiches Wissen sind die Basis, die sie mit Objekten, deren Grenzen sie mit hinterfragenden Fotografien auslotet: Banales, Kitsch, oder auch Abstoßendes wird beleuchtet und im künstlerischen Kontext neu organisiert.

Der Fantasie freien Raum lassen

So sind Gobelinstickerei mit Comic-artigen Sprechblasen neben bestickten Tüchlein und herausfordernden Installationen wie „Dauerwellen“ oder „Kaffeekränzchen“ von ihr zu sehen. Eine aufregende Präsentation, der sich auch Männer nicht entziehen können. In Form und Farbgebung auf das Wesentliche zurückgenommen spielen die Aquarelle von Andrea Plefka auf großartige Weise mit dem Verzicht auf allzu augenscheinliche Darstellungsformen. Sie fordern damit geradezu dazu auf, der Fantasie freien Raum zu lassen, einmal genauer hinzuschauen und sich Zeit zu nehmen, um eigenen Erinnerungen und Empfindungen nachzuspüren.

„Ich empfinde es als Herausforderung, eine Technik neu zu interpretieren“ erklärte Andrea Plefka ihre Bildmotive. „Beeindruckend ist ihre ungewohnte Art des Aquarellieren“, so Museumsleiter Achim Zöller bei der Vernissage. Da sei der Aquarellstift, der Konturen skizzenhaft erfasst; der Pinsel, der flächig Farbkontraste setzt; das Weiß des Papiers, das es möglich macht, „Blüten“ oder „Strandgut“, aber auch menschliches Mit- und Gegeneinander selbst erkennend wahrzunehmen. Die Arbeiten sind bis zum 20. März im Klosterhof 2 in Seligenstadt zu sehen.

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