Landgericht in Darmstadt bestätigt Strafen

Welpenhändler-Paar zeigt keinerlei Reue

Darmstadt/Seligenstadt - Das Landgericht Darmstadt verhängte am Donnerstag über die Seligenstädter Welpenhändler Markus und Petra L. eine 13-monatige Haftstrafe und zwei Jahre Berufsverbot. Von Sabine Müller

Damit bestätigte der Vorsitzende Richter, dass sie sich des mehrfachen Betrugs schuldig gemacht hatten. Zuvor hatten die Angeklagten gegen ein Urteil des Seligenstädter Amtsgerichts, das vergangenen November gefallen war, Rechtsmittel eingelegt. Wie berichtet, ist das Ehepaar aus Seligenstadt schon lange im Visier von Tierschützern, saß auch schon mehrfach auf der Anklagebank. Seit mehr als zehn Jahren verkauft es über Internetanzeigen ungeimpfte, kranke Welpen, teils unter falschem Namen. Bis zu 1 000 Euro zahlten die ahnungslosen Käufer für die Tiere aus dubiosen Quellen; oft waren die Hunde bereits krank oder starben sogar bald darauf.

Das Paar behauptete stets, die Tiere stammten aus eigener Zucht und seien gesund gewesen. Das sah die Seligenstädter Richterin anders. Sie verurteilte die Angeklagten im November 2015 zu jeweils 15 Monaten Haft ohne Bewährung und verhängte ein Zucht- und Handelsverbot für die nächsten fünf Jahre wegen gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Betrugs. Nachdem die Tierhändler bis dato lediglich mit Geldstrafen davongekommen waren, wurde dies von Tierschützern als deutliches Signal gegen den illegalen Welpenhandel gewertet.

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Unbeeindruckt davon betrieben die Verurteilten ihr Geschäft weiter und legten Berufung ein. Jetzt wurde das Verfahren an zwei Prozesstagen vor dem Darmstädter Landgericht erneut aufgerollt. Am Donnerstagnachmittag fiel das Urteil: Sowohl Markus als auch Petra L. seien zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden, informiert Pressesprecherin Sandra Junker auf Anfrage unserer Zeitung. Dazu addieren sich zwei Jahre Berufsverbot. Die Staatsanwaltschaft habe ein Jahr Haft sowie ein Berufsverbot gefordert, was der Vorsitzende aber nicht für verhältnismäßig angesehen habe. Laut Prozessbeobachter hat der Richter seinen Beschluss vor allem mit dem dreisten Vorgehen und der Uneinsichtigkeit der Angeklagten begründet. Auch nach Urteilsverkündung zeigten die Seligenstädter keinerlei Bedauern, weder für die kranken Welpen noch für die geschädigten Käufer. Nach Auskunft von Pressesprecherin Junker hat das Paar jetzt die Möglichkeit, vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in Revision zu gehen.

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Mitglieder mehrerer Tierschutzorganisationen hatten die Prozesse begleitet. Die international tätige Stiftung „Vier Pfoten“ begrüßte den Ausgang des jüngsten Verfahrens und kommentiert in den sozialen Medien: „Das Urteil ist ein Meilenstein für unserer Kampagnenarbeit, denn es zeigt, dass der Handel mit kranken und ungeimpften Hundewelpen kein Kavaliersdelikt ist. Hier handelt es sich um Tierquälerei und um Betrug gleichermaßen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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