36 Mitarbeiter erfassen Stimmen aus Kumulieren und Panaschieren

Wenig ungültige Stimmzettel im Rathaus

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Stapelweise Wahlzettel: Nach dem Auszählen der Listenstimmen am Sonntagabend geht es seit gestern ans Eingemachte.

Seligenstadt - Für Publikumsverkehr war das Seligenstädter Rathaus heute und ist es auch morgen noch geschlossen. Von Sabine Müller

Doch hinter den Mauern wird hoch konzentriert gearbeitet: Nach der Trendanalyse werten die Verwaltungsmitarbeiter nun öffentlich die Stimmzettel der Kommunalwahl aus, auf denen kumuliert und panaschiert wurde. Der große sowie der kleine Sitzungssaal sind erfüllt mit leisem Gemurmel. Grüppchen haben sich an großen Schreibtischen um jeweils einen PC versammelt, vor sich die Papierbögen, auf denen das Wahlvolk seinen Willen gekennzeichnet hat. Auf dem Boden stapeln sich die rosafarbenen geöffneten Kuverts. Sechs Auszählungswahlvorstände besetzt mit jeweils sechs Personen - macht 36 Rathausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die nach Auskunft von Wahlamtsleiter Hans Schild heute seit acht Uhr im Einsatz sind. „So lange, bis alle Stimmbezirke eingegeben sind.“ Einer sitzt am Rechner, tippt in die Kandidatenlisten ein, was ihm sein Nebenmann angibt: „Kein Listenkreuz“, dann: „Nummer 206 – eins, 207 – drei, 208 – eins…“ Die anderen der Gruppe überwachen, ob Vorgabe und Übertrag korrekt sind. Das Computersystem meldet sich sofort, wo sich ein Wähler vertan hat. „Ungültig, ungültig“, erklärt der Mitarbeiter vor dem Bildschirm, „hier sind zu viele Stimmen vergeben worden.“ Der Bogen wird zu Seite gelegt auf einen Extra-Stapel.

Viele haben die Möglichkeit genutzt, bei der Kommunalwahl ihr Votum einzeln an beliebige Bewerber – auch aus verschiedenen Wahlvorschlägen – zu vergeben (Panaschieren). Gleichzeitig wurde lebhaft kumuliert, also eine, zwei oder maximal drei Stimmen innerhalb der Listen aufgeteilt. Wohl auch, um den Überblick beim Zählen der bis zu 37 Kandidaten nicht zu verlieren, hatte eine erhebliche Anzahl Briefwahl beantragt: Von den 49,2 Prozent der insgesamt 16 674 Wahlberechtigten, die von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht hatten, waren 3126 Briefwähler. Zum Vergleich: Bei ähnlicher Wahlbeteiligung im Jahr 2011 waren etwa 1900 Briefwähler registriert worden. Die Anzahl der ungültigen Stimmzettel sei bisher minimal, erklärt Hans Schild am gestrigen Vormittag.

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Am Abend zuvor war bis 22.10 Uhr am Wahlverfahren gearbeitet worden. „Wir haben lange auf den letzten Wahlbezirk gewartet“, erläutert der Amtsleiter. In 16 festen Wahlbezirken und fünf Briefwahlbezirken wurden die Stimmen eingeholt, und zunächst nur die Zettel mit Listenkreuzen ausgezählt. „Nach dieser Trendwahl kommen jetzt alle anderen zur Auszählung.“ Die exakte Anzahl der Sitze und Namen der künftigen Stadtverordneten waren heute bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Bis zur Wochenmitte, so Hans Schild heute, sollte aber schon mehr Klarheit herrschen. In Gesamthessen stellen die Wahlausschüsse das amtliche Ergebnis am 16. März fest.

Besondere Vorkommnisse verzeichnen die Rathausmitarbeiter nicht. Ärgerlich sei nur gewesen, dass zwei Wahlhelfer nicht zu ihrem Dienst antraten. Spontan musste umdisponiert werden. „In den Wahlräumen waren aber immer mindestens drei Personen anwesend.“

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