Cool bleiben bei Begegnungen

Wildschweine in der Nähe unserer Wohngebiete

Ostkreis - Begegnungen der besonderen Art häufen sich: Sie sind schwarz, borstig und klug - Wildschweine kreuzen derzeit auch im Ostkreis die Wege des Menschen. Passiert ist bislang nichts, einige Hinweise sollte man jedoch beachten. Von Michael Hofmann

Von „überraschenden Begegnungen mit Schwarzwild, meistens Wildsauen und ihrem Nachwuchs, im Gemeindegebiet“ berichten besorgte Bürger im Mainhausener Umweltamt. Am Mainuferweg in Mainflingen, so Bürgermeisterin Ruth Disser, seien die Waldtiere mehrfach gesehen worden - sowohl in Friedhofsnähe als auch im Bereich des Hundesportplatzes und der Bongschen Seen. Gleiches gelte für Zellhausen im Bereich des Waldrandes, in der Nähe des Hundesportvereins bis hin zum Gebiet hinter dem Waldfriedhof und der Sendefunkstelle. Hauptsächlich in den Abend-, Nacht- und Morgenstunden seien die Tiere aktiv.

Das bestätigt Wildmeister Klaus Burow aus Hainburg, der Kreis-Jagdberater. Das derzeit gehäufte Vorkommen von Schwarzwild nahe menschlicher Siedlungen sei nicht unüblich: Witterungsumstellung sowie Nahrungssuche, vor allem nach der Geburt von Frischlingen, seien Gründe. Auch in den Hainburger Ortsteilen Hainstadt und Klein-Krotzenburg seien schon Tiere gesehen worden. „Die sind ja nicht ortsgebunden.“ Unter all unseren Wildtieren sei das Wildschwein wahrscheinlich das vielseitigste, schreibt die Deutsche Wildtierstiftung auf ihrer Homepage, und Burow stimmt zu: „Ich habe selbst schon gesehen, wie Wildschweine auf der Flucht durch den Main geschwommen sind.“

Sollte man Wildschweinen begegnen, heißt es vor allem Ruhe bewahren und sich vorsichtig und zügig vom Wild entfernen. Burow spricht von einer „Fluchtdistanz“ von 30 Metern. Die scheint für das Tier noch akzeptabel zu sein, wird sie kürzer, wird’s heikel für den Menschen - falls es sich um eine Bache mit Jungen handelt. Sie verteidigt ihren Nachwuchs. Auf keinen Fall sollte man sich deshalb neugierig nähern. Und, weil’s immer wieder unterlaufen wird: Hunde an der Leine führen!

Die derzeit starke Population an Schwarzwild ist den Fachleuten von Forst und Jagd bekannt, und das Schwarzwild wird deshalb auch weiterhin intensiv bejagt. Froschhausens Jagdpächter Joachim Giel berichtet dazu von einer besonderen Situation. Bis vor drei Jahren habe es so gut wie keine Wildschweine auf Froschhausener Markung gegeben, die Tiere seien lediglich auf der anderen Seite der Autobahn beobachtet worden. Irgendwann hätten die gewitzten Schwarzkittel die Brücke am Griesgrund für sich entdeckt und benutzt. Damit war der Weg über die Straße und ins Froschhäuser Feld hinein frei geworden. Mit der Wärmebildkamera hat Giel sie im Naturschutzgebiet Schwarzbruch und anderen Stellen am Ortsrand beobachtet.

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Während es für Rehwild einen Abschussplan gebe, existiere der für Schwarzwild nicht. Gleichwohl, so Giel weiter, müsse der Bestand bei Beachtung der Schonzeit verringert werden, sonst drohten Wildschäden, Wildunfälle und die Schweinegrippe. Die Ansteckungsgefahr sei in der Region besonders groß wegen der nahen Raststätte, die auch von Lkw-Fahrern aus Osteuropa zugemüllt werde und weit eher eine Weiterverbreitung der Krankheit ermögliche als Wanderungsbewegungen von Schwarzwild nach Westeuropa. Seien von drei Jahren noch 38 Wildschweine im Jagdjahr (April bis Ende März) erlegt worden, so habe sich die Zahl im laufenden Jahr auf 54 erhöht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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