Schöne Zeit der Pferdeleute

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Hat ein Buch über sein Leben mit Pferden geschrieben: Reitlehrer Willfried Schmidt.

Seligenstadt - „Falls ich noch mal geboren werde, möchte ich Adler werden - das wäre mein Traum. “ Dies schreibt der Seligenstädter Willfried Schmidt. Der 77-Jährige hat sein Leben lang mit Tieren zu tun, arbeitet immer noch als Lehrer: Schmidt ist Berufsreiter. Von Thomas Hanel

Über sein Leben mit den Pferden schrieb er jetzt ein Buch. „Von Ella bis Pluvinel - ein Leben mit Pferden“ heißt das über 200 Seiten starke, schön gebundene Werk, an dem er seit dem Jahr 2000 arbeitete.

Der Autor Schmidt ist Vollblutzüchter, Berufsreiter mit Meisterprüfung, Dressur-Ausbilder, Trainer von Spitzenreitern sowie Turnierrichter der höchsten Klasse. Sein Start ins Leben verlief - wie bei vielen seiner Zeitgenossen - holprig. Zehn Jahre war Schmidt alt, als seine Familie 1945 aus Oberschlesien flüchtete. Eine Odyssee durch Deutschland begann, bevor die Schmidts sesshaft werden konnten.

Springen, Gelände, Fuchsjagd, Dressur und Bauernrennen

Nach der Schule strebte Willfried Schmidt eine landwirtschaftliche Berufsausbildung an. Und kam in den intensiven Kontakt zu Pferden. „Mit 17 Jahren habe ich angefangen zu reiten“, erzählt der 77-Jährige, dem man sein fortgeschrittenes Alter nicht ansieht.

In seinem Leben für Pferde und Reitsport hat er dann alle kennengelernt, die noch heute für den Pferdesport stehen: Paul Schockemöhle, Josef Neckermann, Ann-Katrin Linsenhoff. Reiter von Weltrang. Olympiasieger, Weltmeister.

Schmidts sportliches Leben auf dem Sattel sah anders aus. „Unsere Disziplin waren Springen, Gelände, Fuchsjagd, Dressur und Bauernrennen“, will er keine Kritik am Hochleistungssport unserer Tage üben, aber die ursprünglichere Normalität des Umgangs mit Pferden in seiner Zeit betonen. Die Pferde seien in der Landwirtschaft eingesetzt und dann zu den sportlichen Wettbewerben geführt worden. „Zu den Turnieren sind wir geritten oder haben die Tiere mit dem Traktor-Anhänger gebracht“, erinnert sich Schmidt an die Zeit der frühen 60er Jahre.

Für Pferdefreunde ein Muss

„Abends sind wir dann mit der Tochter des Hauses auf den Bauernball gegangen, sonntagmorgens in die Kirche und dann begann das Turnier.“ Der Sport habe sich heutzutage gewandelt, sei kommerziell geworden, erzählt Schmidt ohne Bitterkeit, aber mit ein bisschen Wehmut. „Früher gab es Pferdeleute, heute gibt es Leute mit Pferden“, bringt er es auf den Punkt. Aber: „Unsere Dressur-Damen sind absolute Spitzenklasse“, ist er voll des Lobes - auch wenn die deutschen Reiter derzeit bei der Olympiade nicht sonderlich erfolgreich waren. Es komme auf das blinde Verstehen zwischen Pferd und Reiter an, den Umgang mit dem Pferd, sagt der erfahrene Reitlehrer. Und was sonst immer als Klischee klingt - ihm glaubt man es. In seinem Buch „Von Ella bis Pluvinel - ein Leben mit Pferden“ offenbart Willfried Schmidt viele weitere Geheimnisse seines Sports, seines Lebens. Für Pferdefreunde ein Muss.

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