Die Wirkung der Worte

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Anita von Gossler.

Seligenstadt. - „Ich sende Ihnen freundliche Frühlingsgrüße!“, unterschreibt Anita von Gossler ihre Email. Das lässt aufhorchen: Hier scheint man es mit einem besonders netten Menschen zu tun zu haben. Von Sabine Müller

Tatsächlich hat die Seligenstädterin entdeckt, dass Worte eine Wirkung haben, die man für sich und andere nutzen kann, damit Kommunikation besser gelingt. Bei Vorträgen wie etwa in der Seligenstädter Kita „St. Josefshaus“ und in Seminaren wie kürzlich im „Riesen“ gibt die Dozentin für „Lingva Eterna“ ihre Kenntnisse einer bewussten Sprache weiter.

Dieses Thema ziehe sich wie ein roter Faden durch ihre Vita, reflektiert Anita von Gossler, eine geborene Wurzel, die ihre Kindheit in Seligenstadt verbrachte und nach dem Abitur viele Jahre in den Welt unterwegs war, bis es sie vor 16 Jahren in die Heimat zurück zog. Salzburg, das Fürstentum Liechtenstein, Berlin, Bonn, Jordanien, Memmingen sind Stationen ihres Lebens, in denen sie als Touristikkauffrau arbeitete, Geographie und Geschichte studierte und als Diplomatengattin Familienarbeit leistete. Dabei lernte sie andere Sprachen und Dialekte kennen und beobachtete, wie sich im Zeitalter der Globalisierung Kommunikation verändert und Sprachwurzeln aus Kindheit und Familie verloren gehen: „Viele sagen ‚keine Ahnung‘, und drücken damit auch aus, dass sie keine Anbindung mehr an die Ahnen haben‘.“

Gleichzeitig war da von jungen Jahren an eine große Liebe zur Natur, mit 46 Jahren hat Anita von Gossler den Jagdschein erworben. „Eine Kulturlandschaft hat ein ganz bestimmtes Bild“, erklärt die Historische Geographin, „dieses lässt Rückschlüsse auf die Bewohner zu“. Im Umkehrschluss: „Sprache verrät viel vom Menschen und seiner Prägung durch die Umwelt.“

Achtsamer Gebrauch der Sprache

Die Herkunft der Wörter spielt auch eine wichtige Rolle beim Sprach- und Kommunikationskonzept „Lingva Eterna“ (ewige Sprache), auf das Anita von Gossler während ihres Lehramtsreferendariats ofHHo aufmerksam wurde. An der Schule habe sie wahr genommen, wie hilflos Lehrer und Schüler in ihrer Verständigung oft sind. Dabei erleichtere eine klare Sprache Zuhören und Lernen. Durch ihren achtsamen Gebrauch könnten Bedienungsfehler erkannt, Kränkungen und Gewalt vermieden werden.“ Ein Beispiel? – „Er sagt, er ist böse auf dich.“ Eine Aussage, die weniger verletze, wenn sie in der korrekten indirekten Rede formuliert werde, also: „Er sagt, er sei böse auf dich.“ Da es in Hessen noch keine Schulen gibt, die nach dem Prinzip von Lingva Eterna arbeiten, befasst sich Anita von Gosslers Facharbeit im Rahmen der Dozentenausbildung mit der Einführung des Konzeptes am Beispiel der Seligenstädter Einhardschule, wo sie derzeit als Vertretungskraft tätig ist.

Weitere Informationen im Internet

Die Pädagogik ist ein wichtiges Feld, in dem bereits eine kleine Änderung der gewohnten Ausdrucksweise eine entscheidende Wirkung haben kann. Während ihrer Dozentenausbildung in Nürnberg hat Anita von Gossler aber auch viele Pflegekräfte kennen gelernt, die mit alten und kranken Menschen arbeiten. „Auf diesem Gebiet sind Wirkweise und Erfolg der bewussten Sprache besonders schnell deutlich“, sagt sie. „Es werden weniger Schmerzmittel gebraucht, die Mitarbeiter sind entspannter.“ In Eschborn schult sie deshalb Ehrenamtliche im Altenheim.

Die Kartensätze des Lingva Eterna-Instituts hätte sich Anita von Gossler auch für manchen Vertreter der Region gewünscht, mit denen sie als Beiratsmitglied im Planungsverband Ballungsraum Frankfurt zusammenarbeitete. In der Wirtschaft kann das Sprachtraining ein gutes Betriebsklima und damit lösungsorientiertes Denken und Handeln fördern. Für den Hotel- und Gastronomiebereich in Bad Orb arbeitet die Seligenstädterin gerade eine Seminarreihe zum Thema aus.

Nicht zuletzt eröffnet die Kraft der Sprache neue Perspektiven für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. „Wir können Worte in den Mund nehmen, die uns gut tun und andere, die uns runterziehen.“ Anita von Gossler ist sich sicher: Alltag in Familie und Beruf gelingt, wenn mit bewusster Sprache Denken, Fühlen und Handeln im Einklang sind. In diesem Sinne: Sie haben diesen Artikel gelesen, dafür danke ich Ihnen.

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