Park- und ÖPNV-Flächen sowie fünf Baufenster vorgesehen

Wohnbebauung am Seligenstädter Bahnhof

Seligenstadt - Als böse Zungen schon von „Endstation“ Seligenstadt sprachen, kam der überraschende Durchbruch. Von Michael Hofmann

Variante 3 zur Bebauung des Seligenstädter Bahnhofsgeländes mit fünf Baufenstern im Süden. Für den nördlichen Bahnhofsbereich soll ein neuer, separater Bebauungsplan aufgestellt werden.  

Zum Dauerbrenner Bebauungsplan Bahnhofsgelände beschloss die Stadtverordnetenversammlung dieser Tage einen interfraktionellen Ergänzungsantrag, der Flächen für ruhenden Verkehr, öffentlichen Personennahverkehr sowie fünf Baufenster für Wohnbebauung vorsieht. Nach langen Jahren der Ungewissheit und des Abwartens - stets waren der Stadt die Preisvorstellungen der Bahn-AG für ihr Seligenstädter Areal zu hoch - kam Bewegung in das spannende Kapitel „Bebauung des Bahnhofsgeländes“. Von 2010 bis 2011 schrieb die Deutsche Bahn das Gelände öffentlich zum Verkauf aus - und die Bauträgergesellschaft VT Ingenieurbau aus Altenstadt schlug zu. Investor Karl-Ludwig Toth schnappte der Stadt das Areal mit einem spektakulären Coup 2012 vor der Nase weg.

Mit dem Aufstellungsbeschluss zur Bebauung Anfang Dezember 2012 ging die Stadtverordnetenversammlung auf Kollisionskurs. Denn die Vorgaben - Flächen für ruhenden Verkehr, öffentlichen Personennahverkehr sowie Grünanlagen - waren kaum mit den Vorstellungen Toths vereinbar. Der war inzwischen Eigentümer der Bahnhofsgebäude sowie eines rund 4000 Quadratmeter großen, südlich sich anschließenden Geländes, sah dort üppige Wohnbebauung (fünf Häuser mit 39 Wohnungen) vor. Zwar erließ die Stadtverordnetenversammlung parallel zum Aufstellungsbeschluss eine Veränderungssperre, die nach zwei Jahren um ein drittes verlängert wurde, doch war bald klar, dass sich auch die Politiker-Vorstellungen unter diesen Umständen nicht umsetzen ließen. Die Stadt war zum einen nicht im Besitz der fraglichen Grundstücke, zudem widersprachen sich die Entwicklungsabsichten von Stadt und Investor. Auch baurechtlich war eine überaus komplexe Gemengelage entstanden, da das Bahnhofsareal von zwei „planungsrechtlichen Situationen“ betroffen war - einem Bebauungsplan in Aufstellung und einem unbeplanten Bereich. Und schließlich entschied sich das Parlament Anfang Februar 2013 mit großer Mehrheit dafür, ein vermeintlich der Stadt obliegendes Vorkaufsrecht auszuüben. Der diesem Beschluss zugrunde liegende SPD-Antrag sah vor, das Gelände für 1,58 Millionen Euro zu erwerben.

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Zwar speckte Toth seine „Klötzer“, wie FWS-Chef Jürgen Kraft die anfängliche Konzeption am Montagabend in der Sitzung bezeichnete, in der Folgezeit merklich ab, allein eine inzwischen rebellisch gewordene Bürgerinitiative war auch damit nicht zufriedenzustellen.

Im Jahre 2014 konstituierte sich ein Arbeitskreis mit den fünf Fraktionsvorsitzenden sowie Experten aus Verwaltung und Planungsbüro. Parallel dazu lief eine Parkraumuntersuchung. Der Arbeitskreis entwickelte schließlich drei Konzept-Varianten, auf deren Grundlage eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit stattfand. Anregungen und Bedenken flossen ein, der Hessische Städte- und Gemeindebund steuerte eine Expertise über Entschädigungsrechte des Eigentümers bei.

Hatten die Parlamentsfraktionen CDU und Grüne im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung noch auf ihre früheren Position bestanden (keine Wohnbebauung), so sprachen CDU, Grüne, SPD, FDP und FWS am Sitzungsabend überraschenderweise in einem interfraktionellen Ergänzungsantrag mit einer Stimme. Zum Tragen kommen soll nun „die Variante 3 in modifizierter Form als Variante 3B“. Demnach sind neben Park- und ÖPNV-Flächen auch Wohnflächen vorgesehen, die jedoch auf einem Areal am Südrand konzentriert werden sollen. Für die Teilfläche A und B wird als Art der baulichen Nutzung „Allgemeines Wohngebiet - WA“ festgesetzt. Teilfläche B soll aber erst dann umgesetzt werden, wenn ein gesonderter Beschluss zur Nutzung ergeht. Bis dahin bleibt B im Besitz der Stadt. Sollte B für eine öffentliche Nutzung in Frage kommen, muss der Bebauungsplanentwurf angepasst und in die Parlamentsbeschlüsse eingearbeitet werden.

Beispiele aus dem neuen RMV-Preissystem

Dem Vernehmen nach fallen drei der fünf nun beschlossenen Baufenster an die Stadt, die damit ihre Vorstellungen gegenfinanzieren könnte. Für den nördlichen Bahnhofsbereich soll ein neuer, separater Bebauungsplan aufgestellt werden, um die bestehende P&R-Anlage, die Fahrradstellplätze sowie eventuelle ÖPNV-Flächen und eine Rad-/Fußgängerunterführung planungsrechtlich abzusichern. Mögliche Varianten zur Verbesserung der Busanbindung („Mobilitätsdrehscheibe“) sollen in Absprache mit der Kreisverkehrsgesellschaft zeitnah beraten werden.

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