„Knallharte finanzielle Interessen“

Seligenstadt - Mit Kopfschütteln und Ungläubigkeit reagierten die meisten Vorstandsmitglieder des CDU-Ortsverbandes auf das am 23. Januar erschienene Interview mit Erbengemeinschafts-Sprecher Herbert Wilz zum Wohnikum-Projekt (Generationsübergreifendes Wohnen), sagt Unions-Vorsitzender Steffen Thiel.

„Wie beim Thema Bebauung am Schwimmbad mit Halb- und Unwahrheiten gearbeitet wird, ist kaum noch zu ertragen“, kritisiert er. Wenn Wilz behaupte, dass das 10.000 Quadratmeter große Grundstück nur eingeschränkt nutzbar sei, „dann ist dies schlicht falsch“. Nach dem derzeit seitens der Verwaltung vorgelegten Bebauungsplanentwurf seien mindestens zwei Drittel der Fläche, mithin etwa 6600 Quadratmeter, ohne Einschränkungen als reines Bauland nutzbar.

„Und wenn man wie die CDU davon ausgeht, dass die genossenschaftlichen Regelungen keine dauerhafte Absicherung des Projektes Wohnikum darstellen, dann sind sogar die vollen 10.000 Quadratmeter reines Bauland, das uneingeschränkt bebaut und genutzt werden kann“, fährt er fort. „Bei Baulandpreisen in Seligenstadt von 380 bis 400 Euro pro Quadratmeter reden wir hier insgesamt von einem Wert von bis zu vier Millionen Euro, die das Gelände über Nacht wert wird, wenn der Bebauungsplan in Kraft treten sollte.“

Kein finanzieller Erlös durch den Verkauf des Areals

Bei diesen Zahlen sei kaum zu glauben, dass Wilz ernsthaft der Meinung sei, es werde kein finanzieller Erlös durch den Verkauf des Areals generiert. „Sollte er jedoch bereit sein, das Gelände für deutlich weniger Geld zu verkaufen, dann sollte man seitens der Stadt überlegen, das Gelände zu erwerben, um das Projekt mit dem Verein Wohnikum selbst zu realisieren.“

„Abenteuerlich“ sei auch die Argumentationen von Wilz zum Thema Wertabschöpfung. Nur weil das Gebiet bereits erschlossen sei, die Seligenstädter Bürger also schon die Kosten dafür getragen haben, sollen diejenigen, die nun nachträglich davon profitieren, nichts mehr bezahlen. „Das kann und darf nicht sein“, betont Thiel. CDU-Fraktionsvorsitzender Joachim Bergmann habe mit seiner Aussage recht, wenn er behaupte, da werde, um ein kleines Klientel zu befriedigen, auf Kosten der Seligenstädter Bürger „genassauert“.

Werbeprospekt des Vereins

Die Frage sei, warum die anderen Parteien dies mitmachten. Verständlicher werde es vielleicht, wenn man wisse, dass eine ehemalige Stadtverordnete bis vor Kurzem auf der Internetseite des Vereins Wohnikum als Vorstandsmitglied ausgewiesen war, eine weitere SPD-Stadtverordnete gar auf einem Werbeprospekt des Vereins zu sehen war.

Thiel betonte, dass es schlichtweg unwahr sei, dass er am Infoabend von Wohnikum bestätigt habe, dass von den Sportstätten keine Gefahr ausgehe. „Wie auch? Geht die CDU doch davon aus, dass die Bebauung neben dem Schwimmbad eine Gefahr für das Bad und die Sportstätten ist, und nicht umgekehrt“, sagt er. In der derzeitig vorgesehenen Planung geht es aus CDU-Sicht nicht mehr um „dieses sinnvolle und zukunftsweisende Projekt, sondern um knallharte finanzielle Interessen“.

Darüber hinaus gefährde die Bebauung in der derzeitig vorgesehenen Form die Existenz des Schwimmbads und der umliegenden Sportstätten. „Dies kann und wird die CDU nicht unterstützen“, betont Thiel.

sig

Rubriklistenbild: © dpa

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