Mangelnde Transparenz, unzureichende Infos über Anflugverfahren

„Ziemliches Hauruckverfahren“

Ja, wo fliegen sie denn? Zur Zeit südlich der Standard-Anflugrouten. Der Ostkreis fühlt sich von der Informationspolitik ausgeschlossen.
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Ja, wo fliegen sie denn? Zur Zeit südlich der Standard-Anflugrouten. Der Ostkreis fühlt sich von der Informationspolitik ausgeschlossen.

In ihrer Kritik sind sich die Stadt Seligenstadt und SPD-Politiker der Gemeinde Mainhausen einig: Schon bei der Einführung der Testphase des Anflugverfahrens „Segmented Approach“ auf dem Airport Frankfurt liegt einiges im Argen.

Ostkreis - So bemängelt der Vorstand der SPD Mainhausen insbesondere die mangelnde Transparenz und unzureichende Informationspolitik. „Eine öffentliche Diskussion hat überhaupt nicht stattgefunden. Zudem lag der Start mitten im Corona-Lockdown. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber kaum Flugbewegungen. Es ist derzeit für die Betroffenen unklar, ob in Ermangelung ausreichender Lärmmessstationen in den betroffenen Kommunen überhaupt ausreichende Erkenntnisse gewonnen werden können“, so die Parteivorsitzenden Katja Jochum und Harald Hofmann.

Seligenstadts Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) sprach dieser Tage in der Stadtverordnetenversammlung gar von einem „ziemlichen Hauruckverfahren“. Das sei um so mehr zu betonen, als der Stadtteil Froschhausen ja nun in Mitleidenschaft gezogen werde. Da die Einhardstadt selbst nicht in der Fluglärmkommission vertreten ist, fungiert Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas auch als Vertreter Seligenstadts und habe in der Kommission und der Staatskanzlei gegenüber deutlich Position bezogen. Bastian brachte „zum eigenen Informationsgewinn“ eine eigene Messstation ins Gespräch, räumte aber ein, dass deren Ergebnisse wohl keine offizielle Anerkennung fänden.

Die SPD in Mainhausen mahnt „einen ehrlichen und transparenten Umgang mit dem Fluglärm in Frankfurt“ an. Wer wirklich an Klimaschutz und Lärmschutz interessiert sei, komme an unbequemen Positionen nicht vorbei. Es gehe nicht darum, den Lärm auf alle Kommunen in der Rhein-Main-Region möglichst weiträumig zu verteilen. Genau das aber sei das Ziel des Anflugverfahrens „Segmented Approach“, mit dem der Lärm in Hanau und Offenbach verringert und auf die Kommunen südlich der Standard-Anflugrouten verlagert werden solle. Dieses Verfahren werde gegenwärtig erprobt, löse aber die Probleme nicht ansatzweise, so die Genossen.

Die SPD verstehe zwar, dass die Kommunen in der Haupteinflugschneise besonders belastet seien, „aber wir brauchen weniger Lärm für alle“, so Katja Jochum. Deshalb müssten auch im Sinne des Klimaschutzes überfällige Entscheidungen getroffen werden: die Begrenzung von Kurzstreckenflügen innerhalb Deutschlands und eine angemessene Besteuerung des Flugkerosins. Kurzstreckenflüge könnten ohne Probleme auf die Schiene verlagert werden. „Insgesamt brauchen wir weniger Flugbewegungen und weniger Flugzeuge“, urteilte Jochum weiter. Nur das werde den Fluglärm spürbar sinken lassen – die Corona-Pandemie habe es für jeden deutlich gemacht.  (mho)

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